KONSUMENT.AT - Maturareisen - VKI klagte auf Unterlassung

Maturareisen

Werberausch gestoppt

Seite 2 von 3

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 4/2012 veröffentlicht: 29.03.2012, aktualisiert: 26.04.2012

Inhalt

Werbung für Alkoholika an Schulen untersagt

In Schulen darf nach dem Schulunterrichtsgesetz seit 1997 mit Zustimmung der Direktion wohl für schulfremde Zwecke geworben werden, doch Werbung für jegliche Art von Alkoholika ist innerhalb der Schule untersagt. Das Unterrichtsministerium hat schon etliche Male darauf hingewiesen, dass schulfremde Werbung für Reisen mit der Betonung von Alkoholkonsum in den Schulen verboten ist.

Dennoch: Sowohl DocLX als auch Splashline konnten auch in diesem Schuljahr ihre Reisen in großem Umfang in Maturaklassen anbieten. X-Jam beispielweise wurde österreichweit in 700 Schulen (2.200 Maturaklassen) mit Prospekten beworben. Auch in jenen Bundesländern, in denen harte Getränke für Jugendliche unter 18 Jahren gesetzlich verboten sind.

Auf Unterlassung geklagt

Als Alkohol-Spektakel beworbene Maturareisen? Ein in Aussicht gestellter Dauerrausch als besondere Attraktion? Unsere Rechtsabteilung sieht in aggressiver Werbung mit hochprozentigem Alkohol einen klaren Verstoß gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Der VKI klagte daher DocLX im Auftrag des Konsumentenschutzministeriums darauf, die Bewerbung von Maturareisen unter besonderer Hervorhebung des „rund um die Uhr“ zur Verfügung stehenden „Markenalkohols“ zu unterlassen.

Veranstalter DocLX zeigte sich daraufhin bass erstaunt, dass die Klage ausschließlich gegen ihn eingereicht wurde. Denn schließlich werbe doch Splashline „ebenfalls mit einer 24 Stunden Alkoholverfügbarkeit (bereits das 2. Jahr in Folge)“. DocLX musste sich nicht lange wundern. Der VKI brachte wenige Tage später auch gegen Splashline die Klage auf Unterlassung der aggressiven Alkoholwerbung ein.

DocLX argumentierte weiter, man investiere bis zu 2,5 Millionen Euro in das Programm … abgesehen davon sei natürlich auch Alkohol ein Bestandteil … Investitionen in einen abwechslungsreichen Programmablauf würden zeigen, dass der Konsum von alkoholischen Getränken aber nicht im Mittelpunkt der Eventreisen stehe. Und dann noch ein kreatives Argument: Man werde auf keinen Fall zulassen, dass die Gäste mit qualitativ schlechtem Alkohol gesundheitlich geschädigt würden. Zudem habe man sich mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft zusammengetan und gemeinsam versucht, ein Arbeitspapier zum sicheren Umgang mit Alkohol in dieser sensiblen Zielgruppe zu entwickeln, welches schrittweise umgesetzt werden solle … Darunter falle unter anderem ein „gesteuerter Tagesraster für die Maturanten“ mit Ruhephasen und Regeneration …

Vereinbarungen mit Jugendanwaltschaften nicht eingehalten

In einer Aussendung der Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft hieß es, die österreichischen Jugendanwaltschaften hätten Anfang 2010 mit den Anbietern organisierter Maturareisen eine umfangreiche Vereinbarung über die Standards der Veranstaltungen getroffen, nachdem immer wieder über Alkoholexzesse bei den organisierten Maturareisen berichtet worden sei. Diese Vereinbarung beträfe unter anderem die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. Die Abmachung bezüglich Alkoholwerbung für Maturareisen sei von DocLX und Splashline nicht eingehalten worden.

Einigung per Vergleich

Mitte Jänner fand am Handelsgericht Wien die erste Verhandlung in der Klage des VKI gegen DocLX auf Unterlassung der aggressiven Alkoholwerbung statt. Das Ergebnis war erfreulich: Gleich bei diesem Termin kam es zu einer Einigung zwischen DocLX und dem VKI. DocLX ging mit gutem Beispiel voran und verpflichtete sich, aggressive Werbung für harte Getränke bei der Bewerbung von Maturareisen gegenüber Jugendlichen in Hinkunft zu unterlassen. Ende Februar wurde vor dem Handelsgericht Wien in der Klage des VKI gegen Splashline verhandelt: Auch Splashline zeigte sich einsichtig und erklärte, künftig auf diese Form der Werbung zu verzichten.

Ab Herbst 2012 werden DocLX und Splashline ihre Maturareisen den Jugendlichen ohne aggressive Alkoholwerbung anbieten. Wir gehen einmal davon aus, dass sich die Veranstalter auch daran halten. Insbesondere Lehrkräfte und Eltern laden wir ein, uns ihre Beobachtungen dazu mitzuteilen.

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
18 Stimmen
Weiterlesen