KONSUMENT.AT - Vorsorgevollmacht - Wen bevollmächtigen?

Vorsorgevollmacht

Alles geregelt

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KONSUMENT 9/2016 veröffentlicht: 25.08.2016, aktualisiert: 04.10.2016

Inhalt

Wen bevollmächtigen?

Generell kommt jede Person über 18 Jahre als Bevollmächtigter infrage, sofern voll geschäftsfähig. Wichtig ist, dass diese Person Ihr Vertrauen genießt. Verfügt sie auch noch über besondere Sachkenntnis für die übertragenen Gebiete, ist dies besonders vorteilhaft. Sachkenntnis ist aber nicht zwingend Voraussetzung: Sofern Sie ein medizinischer Laie sind und sich durch einen ebensolchen vertreten lassen, wird dessen Entscheidungsqualität kaum schlechter sein. Wich­tiger als konkretes Wissen ist oft die Frage, ob und wie dafür gesorgt wird, dass Ihre Wünsche umgesetzt werden, und ob bei Wissens­lücken fachkundiger Rat eingeholt wird.

Wünsche erfüllen

Die bevollmächtigte Person geht mit ihrer Zustimmung zur Vollmacht ein Auftragsverhältnis mit dem Vollmachtgeber ein. Sie übernimmt damit eine Interessenwahrungs- und Treuepflicht. Hat der Vollmachtgeber in der Vollmacht konkrete Vorgaben gemacht (beispielsweise Übergabe von Schmuck an die Familienangehörigen), so muss die bevollmächtigte Person dies – sofern möglich – auch so umsetzen. Wenn die Vorgaben nicht so konkret sind, hat sie auch aufgrund ihrer Kenntnis des Vollmachgebers zu überlegen, was die Interessen des Vollmachtgebers sind, und sich entsprechend zu verhalten. Nur dann, wenn der Wille des Vollmachtgebers nicht erkennbar ist, kann die bevollmächtigte Person frei entscheiden, jedoch immer nur zum Wohle des Vollmachtgebers.

Aufgaben auf mehrere verteilen

Sie selbst können festlegen, ob Sie eine oder mehrere Personen bevollmächtigten wollen und wie sich deren Aufgaben verteilen. Sie können beispielsweise eine Person mit der Betreuung Ihres Wertpapierdepots beauftragen, eine andere mit Ihren Versicherungsverträgen usw. Achten Sie aber darauf, dass durch die Bestellung mehrerer Bevollmächtigter für unterschiedliche Bereiche keine Lücke entsteht (Beispiel: Ein Bevollmächtigter für Verträge ab 5.000 Euro, ein anderer für die Vermögensverwaltung – die Zuständigkeit für Geschäfte unter 5.000 Euro oder für medizinische Fragen ist nicht geregelt). In diesem Fall müsste das Gericht für die nicht geregelten Bereiche einen Sachwalter bestellen.

Kein Abhängigkeitsverhältnis

Eine Einschränkung ist zusätzlich zu beachten: Die bevollmächtigte Person darf nicht in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einer ­Einrichtung stehen, in welcher Sie betreut ­werden (z.B. Krankenhaus, Alten- oder Pflege­heim). Diese Regelung ist zu Ihrem Schutz gedacht, damit hier beim Vollmachtnehmer kein Interessenkonflikt zwischen der Wahrung Ihrer Interessen und jener seines Arbeitgebers entstehen kann oder das Vertrauensverhältnis aus­genutzt werden könnte.

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