KONSUMENT.AT - Vorsorgevollmacht - Notar oder Rechtsanwalt?

Vorsorgevollmacht

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KONSUMENT 9/2016 veröffentlicht: 25.08.2016, aktualisiert: 04.10.2016

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Benötige ich einen Notar oder Rechtsanwalt?

Generell können Sie eine Vorsorgevollmacht auch ohne Rechtsanwalt und Notar erstellen; für bestimmte Aufgabengebiete ist allerdings die Inanspruchnahme eines Rechts­anwaltes, Notars oder Gerichtes zwingend. Es gibt drei Möglichkeiten einer Vorsorgevollmacht. Der Gesetzgeber schreibt keine besondere Form und keine bestimmten ­Inhalte vor.

Gewisse Formvorschriften sind dennoch ­genau zu beachten:

Eigenhändige Vorsorgevollmacht: Hier ist zu beachten, dass Sie jedes Wort der ­Vorsorgevollmacht mit der Hand selbst schreiben müssen und dass Ihre Unterschrift mit Vor- und Zuname erforderlich ist. Bei mehreren Blättern ist jedes einzelne eigenhändig zu unterschreiben. Empfehlenswert ist auch die Angabe des Datums, um bei mehreren Versionen einer Vorsorgevollmacht die ­aktuellste identifizieren zu können. Da Sie jedes Wort eigenhändig schreiben müssen, ­können Sie dafür kein Formular verwenden.

Fremdhändige Vorsorgevollmacht: Eine fremdhändige Vorsorgevollmacht schreiben Sie nicht selbst per Hand, sondern beispielsweise mit PC oder Schreibmaschine. Oder Sie verwenden ein vorgefertigtes ­Formular. Dieses muss neben Ihrer Unterschrift mit Vor- und Nachname auch die Unter­schrift von drei Zeugen am Ende der Vollmacht tragen. Es ist nicht nur die Unterschrift der Zeugen mit Vor- und Nachname erforderlich, sondern auch ein Zusatz, der auf ihre Funktion als Zeuge hinweist. Bei den Zeugen darf es sich nicht um einen der Bevollmächtigten handeln!

Öffentliche Vorsorgevollmacht: Eine öffentliche Vorsorgevollmacht ist (wie das ­öffentliche Testament) nicht ­öffentlich, wird aber von einer öffent­lichen Urkundsperson erstellt. Darunter versteht man einen Notar, einen Rechtsanwalt oder ­eine Gerichtsperson (beispielsweise Bezirksrichter). Die Anzahl der Zeugen reduziert sich in diesem Fall auf zwei: die öffentliche ­Urkundsperson plus eine wei­tere öffentliche Urkundsperson (weiterer ­Notar, Rechtsanwalt oder Gerichtsmitar­beiter). Die öffent­lichen Urkundspersonen beglaubigen die Vorsorgevollmacht. Eine ­öffentliche Vorsorgevollmacht ist jedenfalls erforderlich für eine Vollmacht zur dauer­haften Änderung des Wohnsitzes, eine Vollmacht zur Zustimmung zu medizinischen ­Behandlungen mit gewöhnlich schweren und nachhaltigen Beeinträchtigungen (z.B. Chemotherapie) und eine Vollmacht zu Rechtsgeschäften, die für die ­eigenen Ver­mögensverhältnisse unüblich sind.

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