KONSUMENT.AT - 24-Stunden-Betreuung - Vertrag überprüfen lassen

24-Stunden-Betreuung

Holpriger Weg zu guter Pflege

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KONSUMENT 9/2012 veröffentlicht: 28.08.2012, aktualisiert: 25.10.2012

Inhalt

Keine schriftliche Information

Mit 16 Anbietern kam es zu einer Kontaktaufnahme. Fast alle gaben an, innerhalb von 2–3 Tagen eine Betreuung organisieren zu können. Bei drei Agenturen erhielt unsere Testperson telefonisch so gut wie keine Informationen. Bei Helpfamily Kft (Ungarn) sprach die Kontaktperson ein kaum verständliches Deutsch. Schließlich wurde uns per Mail ein Fragebogen zu persönlichen Daten zugeschickt, den wir ausfüllten und mit der Bitte um einen unverbindlichen Kostenvoranschlag retournierten. Bis heute erhielten wir keine Antwort. Beim Wiener Hauskrankenservice (Mag. Tichanek) war am Telefon ebenfalls wenig in Erfahrung zu bringen.

Zunächst wurde um ein Erstgespräch in den Büroräumlichkeiten der Agentur ersucht, bei dem die zu betreuende Person anwesend sein sollte. Dies lehnten wir mit Hinweis auf deren Konstitution ab. Daraufhin wurden wir gebeten, alle für die Pflege relevanten Informationen (Pflegeanamnese) per E- Mail zu schicken. Wir baten im Gegenzug um die Zusendung eines unverbindlichen Kostenvoranschlags, den wir nie erhielten. Auch die Auskunft, die unsere Testerin beim Verein pflegende Hände (Wien) erhielt, war dürftig. Eine Betreuung, so wurde uns gesagt, käme auf 2.300 Euro im Monat plus Fahrtspesen, Näheres fände sich auf der Homepage.

Fixe Vertragszusage

Bei LK Design (Bratislava) kamen wir ebenfalls nicht über ein Telefonat hinaus. Der Bitte unserer Testperson nach weiterführenden schriftlichen Informationen wollte man nur nachkommen, wenn persönliche Daten übermittelt würden. Dies erschien uns zu riskant, da nicht klar war, ob sich daraus bereits ein Vertragsverhältnis ergeben könnte. Bei der Agentur von Ingrid Fabianova (SLK) wurde dagegen Klartext geredet: Schriftliche Informationen gebe es nur gegen eine fixe Vertragszusage, weshalb wir den Kontakt abbrachen. Beim Guten Engel (Bruck a. d. Leitha) erhielten wir am Telefon umfassende Informationen. Auch über die zu erwartenden Kosten wurde aufgeklärt. Ein Vermittlungsvertrag wäre uns hier allerdings ebenfalls erst nach einer fixen Zusage zugeschickt worden.

Ein Vertrag zugeschickt

Sieben Anbieter ließen uns nähere Informationen (zu Kosten, Förderungen, Selbstständigkeit der Betreuer, Anmeldeformalitäten usw.) schriftlich (per E-Mail bzw. Post) zukommen. Eine einzige Agentur (Südböhmische Volkspflege) übermittelte den Vermittlungsvertrag, ohne dass wir dafür eine feste Zusage geben mussten. Von einem deutschen Institut (Pflege Institut) erhielten wir die Auskunft, dass sie selbstständiges Personal vermitteln könnten. Die zugesandten Informationen bezogen sich dann allerdings auf in Polen angestellte Pflegekräfte.

Hartnäckigkeit ist gefragt

Fazit: Wer mit einer Einrichtung für 24-Stunden- Pflege Kontakt aufnimmt, braucht Geduld und Hartnäckigkeit. Weiterführende Informationen werden (wenn überhaupt) meist nur zaghaft gegeben. Einen Überblick über Leistungen bzw. Vertragsmodalitäten erhält man häufig nur durch intensive Nachfrage. Schriftliche Informationen werden zwar gelegentlich versprochen, auf sie wartet der Klient dann allerdings oft vergeblich. Ein verbindlicher Kostenvoranschlag wurde uns nie ausgehändigt. Bei den mündlich genannten Kosten war teilweise nicht klar, ob sich diese auf die Vermittlung von einer oder zwei Betreuungspersonen beziehen. Dies gilt auch für Fahrtkosten oder Beiträge für die Sozialversicherung.

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Kommentare

  • Verband der österreichischen selbstständigen Betreuer und Pfleger
    von tzeitz am 05.03.2017 um 11:09
    Anscheinend gibt es diesen Verband nicht mehr. Keine Homepage, nichts mehr nach 2012. Wäre toll wenn hier eine Alternative aufgezeigt werden könnte.
  • 24-Stunden-Betreuung
    von kzeilinger am 03.07.2014 um 23:36
    Der letzte Test über Vermittlungsagenturen betreffend 24-Stunden-Betreuung liegt schon etwas länger zurück, bei der Gegenüberstellung von der Ausgabe 2/2012 waren ein großer Anbieter (Hilfswerk) leider nicht bei der Auswertung dabei, weil von diesem kein Angebot gelegt wurde und andere damals kleine Anbieter (Elsner Pflege) sind mittlerweile bereits österreichweit mit besserem Service tätig. Vielleicht macht es Sinn da wieder einmal nachzufragen?
  • Fonds Soziales Wien und Sozial Global
    von Wos_wor_mei_Leistung? am 29.08.2012 um 17:19

    Meine alte Mutter brauchte nach einem Sturz Betreuung. In unserem Fall wies uns der Fonds Soziales Wien (FSW) den Anbieter Sozial Global zu. Ich frage die Dame vom FSW warum uns automatisch Sozial Global geschickt wird und nicht z.B. das Hilfswerk oder die Caritas oder eine andere Organisation. Die Frage mochte die Dame vom FSW gar nicht, da war sie irritiert. Also wenn ich garantieren könne, kam dann scharf zurück, dass die andere Organisation rasch eine Heimhilfe mit entsprechender Qualifikation in der Wohngegend stellen könne, dann wäre das schon möglich. Der Ärger über meine sachliche Frage war unüberhörbar. Nächster Schritt: Die Dame von Sozial Gobal klärt in einem Gespräch in der Wohnung meiner Mutter Ausmaß und Details der Betreuung (ich bin dabei). Das war alles ordentlich und korrekt (ist ja nicht immer leicht mit den alten Leuten). Zuletzt gibt sie meiner Mutter den Vertrag zum Unterschreiben. Jetzt braucht meine Mutter aber – schließlich ist sie die Kundin und sie unterschreibt den Vertrag – viel Zeit, bis sie was versteht. Sie ist nicht dement aber langsam. Ich hab dann gesagt: Bevor wir unterschreiben möchte ich den Vertrag lesen, verstehen und meiner Mutter erklären – und dann gibt es die Unterschrift. Wir unterschreiben ihn sicher, keine Sorge, aber ich möchte ihn erst lesen. Morgen bekommen sie ihn. Darauf hin war die Dame von Sozial Global sehr irritiert, wirklich von den Socken. Das sei das erste Mal, dass jemand das verlangt. Nein, also das sei eigentlich nicht vorgesehen. Dann kam noch was mit Fristen, was ich nicht kapiert habe. Und noch einmal: schwierig, schwierig, gerunzelte Stirn, Kopfschütteln, heftige Körperbewegungen. Die Dame war durchaus in Ordnung, die war keineswegs ungut. Ich war nicht in Ordnung, ich war ungut. Ich wollte den Vertrag lesen.