AWD: hohe Provisionen

Bericht des Norddeutschen Rundfunks

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veröffentlicht: 28.09.2011

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AWD-Deutschland habe angeblich gegen Provisionsregeln verstoßen berichtet der deutsche Radiosender NDR Info. Der AWD bestreitet dies.

Nach dem NDR-Bericht ("Hoffnung für Tausende geschädigte AWD-Kunden") wurden vor und auch nach dem Börsengang des Konzerns im Jahr 2000 bei zahlreichen vom AWD vermittelten geschlossenen Fonds insgesamt mehr als 15 Prozent Vergütung bezahlt. Nach deutschem Recht hätte eine Provision von mehr als 15 Prozent den Kunden jedoch laut NDR zwingend mitgeteilt werden müssen. Der Konzern bestreitet dies mit Nachdruck.

"Nie über Provisionen aufgeklärt"

Der Leiter der VKI-Rechtsabteilung Peter Kolba sieht sich durch den Bericht des Norddeutschen Rundfunks bestätigt. "Die Kunden wurden nie darüber aufgeklärt, welche Provisionen der AWD bezogen hat", so Kolba zur Austria Presseagentur. "Der AWD hat - so sagen Insider - von den verschiedenen Emittenten verschieden hohe Provisionen kassiert." Damit werde klar, weshalb AWD-Mitarbeiter bestimmte Produkte - etwa Immofinanz und Immoeast - derart häufig angeboten hätten.

Aktien um 90 Prozent abgesackt

AWD-Österreich hat Immoeast- und Immofinanz-Aktien in großem Stil vermittelt. 2008 ist der Wert der Papiere jedoch um rund 90 Prozent abgesackt. Tausende Kleinanleger haben Verluste erlitten, viele zogen auch gegen den AWD vor Gericht. Der Vorwurf: Das Papier sei zu Unrecht als sichere Anlage verkauft worden. Der VKI hat deswegen fünf Sammelklagen gegen den Finanzdienstleister eingebracht (siehe dazu die Links). Der AWD hat den Vorwurf der systematischen Fehlberatung stets bestritten.

Mitarbeiter: Sind hintergangen worden 

Auch in Deutschland muss sich AWD nun mit der Vergangenheit herumschlagen. Die jüngsten Vorwürfe betreffen laut NDR mehr als 20 Fondsprodukte, die der AWD um die Jahrtausendwende vertrieben hat. Ehemalige AWD-Mitarbeiter hätten dies dem Hamburger Rechtsanwalt Rolf W. Thiel eidesstattlich bestätigt. "Wir sind damit selber vom AWD hintergangen worden, weil wir unsere Kunden unwissentlich falsch beraten und gegen unsere Pflichten verstoßen haben", zitiert der Sender einen ehemaligen Direktor des Unternehmens. Der lukrative Verkauf von geschlossenen Fonds sei um die Jahrtausendwende ein wichtiger Baustein für den Börsengang des AWD gewesen. "Es wurden nicht Produkte für die Kunden gesucht, sondern Kunden für die gewinnbringenden Produkte. Das war eine brutale Vertriebspraxis", so Anwalt Thiel.

Gerd Lehner, 1992 erster Geschäftsführer des AWD in Österreich wird von der Zeitschrift "Gewinn" Anfang Februar 2009 zitiert: "Wenn man alles zusammenzählt, wurden manche österreichische Immobilienaktien mit einer Marge von 16 Prozent verkauft". VKI-Chefjurist Kolba: Mit dem NDR-Bericht werde diese Aussage plausibel.

Maschmeyer: "manche Fälle"

Die Vorwürfe sind für den AWD brisant: Viele geschädigte Kunden könnten damit noch die Chance erhalten, erfolgreich gegen den Finanzkonzern vorzugehen. Laut ARD-Magazin "Panorama" haben zehntausende AWD-Kunden mit geschlossenen Fonds hohe Verluste gemacht, Ex-AWD-Chef und Firmengründer Carsten Maschmeyer sprach hingegen zuletzt nur von "manchen Fällen".

AWD bestreitet Vorwürfe

"Der Vorwurf, AWD habe für die Vermittlung von Gesellschaftsanteilen 'mehr als 15 Prozent Provision erhalten', ist falsch", hieß es in einer AWD-Aussendung. "Unabhängig von der NDR-Berichterstattung geht AWD gegen solche unwahren Behauptungen vor", ließ die AWD Holding AG weiters wissen. Mehrere Einstweilige Verfügungen deutscher Gerichte würden, so die AWD-Position, die eigene Rechtsposition bestätigten. "Um Transparenz in der Frage der Provisionszahlungen zu schaffen", habe man diese Dokumente nun auf der AWD-Homepage veröffentlicht.

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