Bargeld-Abschaffung: Wer profitiert?

Ohne Moos nix los

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KONSUMENT 10/2017 veröffentlicht: 28.09.2017

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Befürworter einer bargeldlosen Gesellschaft bekamen zuletzt Oberwasser. Vor allem die ­Terrorismusbekämpfung und Fiskalpolitik bestimmen die Debatte. Doch es gibt noch immer genügend Argumente, die für das gute alte Bargeld sprechen.

"Willst du den Wert des Geldes kennenlernen, versuche, dir welches zu borgen", soll Benjamin Franklin dereinst gesagt haben. Aktuell, also in Zeiten von Negativzinsen, eigentlich keine allzu schaurige Lektion.

Trotzdem – oder gerade deshalb – wird seit einigen Monaten wieder über die Abschaffung von, nein, nicht von Geld per se, aber Bargeld diskutiert. Befürworter argumentieren bisweilen moralisch; so würden ohne Bargeld zum Beispiel viele kriminelle ­Machenschaften erschwert, heißt es. Der stärkste Treiber hinter der Abschaffungs­debatte ist aber wohl ein profan wirtschaftlicher: So mancher Ökonom sieht in der Abschaffung von Papiergeld die probateste Möglichkeit, das Weltfinanzsystem zu stützen. Aber der Reihe nach.

Verbrechensbekämpfung?

Insbesondere durch das Erstarken der islamistischen Terrormiliz IS wurde das Thema Bargeldabschaffung zuletzt häufiger diskutiert. Das Argument: Der IS könne finanziell ausgehungert werden, wenn es Bargeld nicht mehr gäbe. Ganz generell würden verbrecherische Machenschaften wie Geld­wäsche, Korruption, Drogen- und Menschenhandel oder Schwarzarbeit ohne Bargeld massiv erschwert.

Ja, der berühmte schwarze Koffer voller Geld würde der Vergangenheit angehören. Allerdings können Gangster und Terroris­ten bereits jetzt recht einfach auf andere Kanäle ausweichen: von Gold, Krypto­währungen (Bitcoins & Co) über Diamanten und Scheinfirmen bis hin zu anderen ­Währungen. Gerade der IS, wissen Terror­experten zu berichten, wird zu einem großen Teil mittels Kryptowährungs-Spenden finanziert.

"Geldsteuerung" via Negativzinsen

Auf wissenschaftlicher Ebene heizt allen voran US-Ökonom Kenneth Rogoff die ­Bargelddebatte an. Der Harvard-Professor und ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds postuliert in seinem Buch "Fluch des Geldes" ein klares "Ja" zur Abschaffung von Bargeld. Rogoff und seinen Mitstreitern geht es um das Thema "Geldsteuerung". In Nullzinszeiten wie ­diesen ist Bargeld vielen Fiskalökonomen ein Dorn im Auge. Denn deutliche Negativzinsen lassen sich nicht so einfach durchsetzen, wenn Verbraucher auf null-verzinstes Bargeld ausweichen können.

Bargeld soll also abgeschafft werden, damit Notenbanken den Zinssatz unter null drücken können und die Konsumenten gleichzeitig keine Möglichkeit haben, Geld physisch zu horten. In diesem Umfeld, in dem Geld am Konto massiv an Wert verliert, wird mehr konsumiert, so die Argumentation. Die Wirtschaft wird dadurch angekurbelt und Spekulationsblasen werden unwahrscheinlicher. Gezahlt wird die Zeche freilich von den Konsumenten und Sparern.

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Kommentare

  • Bargeldabschaffung
    von ling am 09.10.2017 um 11:41
    @skipper54: Natürlich, Sie werden das schon schaffen, denn Sie sind bestimmt ein Mensch von übermorgen, iPhone- und Mac-User vielleicht? Dann passt das ja perfekt in die Firmenphilosophie. Apple möchte ja mit dem eigenen Bezahlsystem die Welt erobern. Besuchen Sie einmal nur einen ganz gewöhnlichen Markt (Advent-, Bauern-, etc.) Dort hat jeder kleine Stand einen Bankomaten für Sie eingerichtet. Bezahlen Sie eine Wurstsemmel beim Fleischhauer am Land mit Bankomatkarte. Auch dort ist jedes Geschäft damit ausgestattet. Aber nein, Sie kaufen ja bestimmt nur Snacks und diese bei Billa & Co oder essen Burger bei Fastfoodketten. Dort können Sie selbstverständlich alles mit Karte bezahlen, werden jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit wesentlich mehr Waren das Geschäft verlassen als beim kleinen Laden. Der Kolporteur hat natürlich für die Tagesezeitung auch ein Gerät bei sich. Damit verkauft er seine Zeitungen bestimmt viel schneller und auch mehr, insbesondere an Standorten wie Bahnhöfen, also dort wo kaum Menschenmassen vorkommen. Gleiches gilt für Würstelstände und Pizza-/Kebab-Anbieter. Mir fällt momentan nicht mehr ein, doch mit etwas Phantasie werden Sie meine Argumentation bestimmt verstehen - oder ist diese vielleicht etwas zu retro? PS: Ich zahle auch und nicht gerade selten mit Karte - trotzdem möchte ich Bargeld auf keinen Fall missen. @gerhard56 und WOODSTOCK: Sie bringen es auf den Punkt - genau darum geht es. Kriminelle (egal welchen Genres) hatten noch nie ein Problem der Kapitalbeschaffung, wenngleich Bargeld natürlich kein Nachteil war. Wenn man den aktuellen Meldungen über Kryptowährungen Glauben schenken darf, wird sich nach Abschaffung oder Einschränkung des Bargeldbestandes nur eine Umschichtung ergeben. Verbrechen verhindern wird man durch die Abschaffung des Bargeldes sicherlich nicht. Druck erzeugte schon immer Gegendruck, warum sollte es beim Bargeld anders sein? Zum Artikel selbst: Ich musste schon sehr lachen, als ich das Argument mit dem "schmutzigen" Geld las. Das kommt bestimmt von jenen Leuten, welche sich vor Betreten des Supermarkts jedenfalls die Hände wie ein Chirurg vor der Operation reinigen, um dann die klinisch sauberen Produkte übernehmen zu können (Latexhandschuhe und Sackerl (pardon "Tüten") vorausgesetzt). Was machen diese Leute eigentlich bei McD & Co, wenn sie ihren eigenen Burger kreiren und dann über die höchst bakteriell verseuchten Displays wischen und dann mit den Händen die ach so keimfreien Produkte essen? Latexhandschuhe anziehen? Weiters würde ich den Begriff "Bequemlichkeit" besser durch "Faulheit" ersetzen. Denn das ist doch der wahre Grund für viele sog "Erleichterungen" unserer heutigen Zeit. NFC ist sicherlich nur aus diesem Grund entstanden, denn es ist weder sicherer als eine Code-Eingabe noch besteht wirklicher Bedarf. Mich wundert nur, dass wir noch zu Fuß das WC benützen - ist wahrscheinlich nur mehr eine Frage der Zeit bis man auch dafür eine "Drive-In-Lösung" erfindet... Fitness-Center haben ungeheuren Zulauf, doch die Leute werden immer fauler.
  • Bargeldabschaffung
    von Katzenlady am 09.10.2017 um 11:33
    Ich sehe keinen Sinn darin, wenn ich meine Semmel fürs Frühstück um € 0,36 mit der Karte bezahle, weil dann die Bankspesen um ein vielfaches höher sind. Da werden die Banken in Zukunft neue Gebühren erfinden, weil die Zahlung mit Karte dann nicht mehr kostendeckend ist. Wollen wir das wirklich?
  • Ich habe kein Problem damit
    von skipper54 am 02.10.2017 um 21:29
    Zahle heute schon alles mit Karte.Man kann eigentlich alles mit Karte bezahlen.
  • Totale Kontrolle der Bürger, sonst nichts - Kriminell lachen darüber
    von gerhard56 am 29.09.2017 um 14:56
    Der Schmäh, dass kriminelle Machenschaften dadurch verhindert werden ist echt zum Lachen und absolut lächerlich. Es geht einzig und allein darum, die Bürger unter die totale Kontrolle der Regierenden zu bringen, wobei sich die Frage stellt, ob einige dieser Regierenden nicht auch zu den Kriminellen zu zählen wären, welche das Volk ausplündern wollen bis zum letzten Cent um selbst und die div. Klientel in Saus und Braus leben zu können. Kriminelle können natürlich auf andere Tauschwert umsteigen, z.B. Drogen, Waffen, Gold etc. Alles nur politisch von einer selbsternannten Elite gesteuert.
  • Wenn wir das Bargeld beibehalten,
    von WOODSTOCK am 28.09.2017 um 11:05
    brauchen wir überhaupt keine offene Fragen zu diskutieren. Es erübrigt sich somit alles Gerede. Die Wahrheit ist, dass das Ganze politisch gesteuert wird, um uneingeschränkten Blick auf die Konten der Bürger zu haben. Und um nichts anderes geht es bei dieser unseligen Bargelddiskussion.
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