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Baumängel

Auf die Finger geschaut

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Konsument 10/2002 veröffentlicht: 19.09.2002

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"Baustelleninspektionen"

Für von Ihnen entdeckte Mängel können Sie wahlweise Austausch oder Reparatur fordern (siehe dazu: Weitere Artikel - "Baumängel"). Entscheiden Sie sich für eine Reparatur, sollten Sie dem Unternehmen gleichzeitig eine Ersatzvornahme androhen, falls es nicht fristgerecht anrückt. Sie können in dieser Zeit die Bezahlung des Werklohnes aussetzen. Reagiert das Unternehmen nicht rechtzeitig auf Ihr Schreiben, können Sie eine andere Firma damit beauftragen, den Schaden zu beheben. Sie dürfen aber von dem noch ausstehenden Werklohn nur mehr das so genannte „Deckungskapital“ behalten, das ist jener Betrag, der für die Reparatur notwendig ist. In einem solchen Fall sollten Sie unbedingt Beratung einholen.

Unser Tipp: Es empfiehlt sich, nicht erst bei der Übergabe nach dem Rechten zu sehen. Regelmäßige „Baustelleninspektionen“ können Fehler wesentlich früher offenbaren. Werden diese nicht gleich behoben, entsteht für den Unternehmer Leistungsverzug. Und Sie können sich ausnahmsweise zurücklehnen, denn Sie brauchen das Werk so lange nicht zu übernehmen, bis es vollständig in Ordnung ist.

Haftrücklass

Sie sollten nach dem Leitsatz „Zuerst die Arbeit, dann das Geld“ vorgehen. Und auch solange die Heizung nicht geht, das Dach undicht ist oder die Wasserleitung tropft, brauchen Sie dem Unternehmen nicht den gesamten Betrag auf den Tisch zu legen. Wenn das Werk nicht rechtzeitig fertig wird, berechtigt Sie das, Mittel zurückzuhalten. Mit noch ausstehender Bezahlung verfügen Sie über ein starkes Druckmittel. Allerdings gilt dieses Recht nicht für ganz geringfügige Mängel. Wenn Sie eine andere Firma damit beauftragen, den Fehler zu beheben, dürfen Sie sich nur jenen Betrag einbehalten, der für die Reparatur notwendig ist.

Unser Tipp: Bei großen Bauvorhaben und/oder wo es um hohe Beträge geht, gibt es zur Absicherung die Möglichkeit, einen Haftrücklass zu vereinbaren. Das bedeutet, dass Sie sich zum Beispiel drei Prozent von den Gesamtkosten für drei Jahre (die Gewährleistungszeit) zurückbehalten. Tauchen Mängel auf, steht Ihnen zumindest diese Summe zur Verfügung. Der Haftrücklass kann zwischen drei und fünf Prozent der Rechnungssumme liegen.

Vorsicht bei Bankgarantien

Besondere Vorsicht ist bei Bankgarantien anzuraten, die von vielen Baufirmen verlangt werden. Eine Bank übernimmt die Auftragssumme von Ihnen und zahlt sie dem Unternehmen – meist auf Raten – aus, allerdings mit einem Schönheitsfehler: auf Abruf der Firma. Patzt die Baufirma, bekommt sie trotzdem ihr Geld von der Bank, und Sie können wenig dagegen tun. Ein Ausweg wäre, vertraglich eine Kontrollinstanz zu vereinbaren, die den Baufortschritt begutachtet (zum Beispiel ein Sachverständiger). Doch zwei grundsätzliche Nachteile bleiben bestehen: Sie müssen auf das Druckmittel ausstehender Bezahlung verzichten. Und wenn das Unternehmen Pleite macht, ist Ihr Geld weg.

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