KONSUMENT.AT - Baurecht: Hilfe, mein Nachbar baut! (Teil 1) - Skeptisch bleiben

Baurecht: Hilfe, mein Nachbar baut! (Teil 1)

Was nun?

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Konsument 11/2009 veröffentlicht: 13.10.2009

Inhalt

Skeptisch bleiben

Sehr oft fällt bei Planbesprechungen der Satz: „Hier entspricht alles der Bauordnung.“ Von dieser griffigen Formulierung brauchen Sie sich weder groß beeindrucken noch einschüchtern zu lassen. Bei vollständigen und schlüssigen Unterlagen geht die Behörde davon aus, dass alles seine inhaltliche Richtigkeit hat. Verantwortlich dafür, dass die eingereichten Unterlagen tatsächlich der Bauordnung entsprechen, ist aber nicht die Behörde, sondern der Planverfasser! Die Kommunen müssen sparen, auch die Baubehörde leidet an Personalmangel. Die Bauordnungen werden nicht einfacher, sondern immer komplizierter. Baupläne sind, vor allem wenn der Bebauungsdruck hoch und das Gelände schwierig ist, eine hoch komplexe Angelegenheit. Zeitmangel und fachliche Unsicherheiten – ja, auch die gibt es – können bei der Baubewilligung zu Fehlentscheidungen der Behörde führen.

Mehrere Meinungen einholen

Irritiert Sie etwas am geplanten Bauvorhaben, fühlen Sie sich in Ihren Rechten verletzt? Sprechen Sie mit den anderen Nachbarn. Kennt jemand einen Bausachverständigen, einen Architekten, einen Zivilingenieur, einen Baumeister? Gehen Sie die Baupläne mit einem Profi durch. Die wenigsten Laien haben irgendeine Vorstellung, was die einzelnen Planzeichen bedeuten; noch weniger davon, welche bauliche Umsetzung damit verbunden ist.

Machen Sie am besten einen Lokalaugenschein.

  • Was werden Sie noch, was sicher nicht mehr sehen, wenn das neue Haus steht?
  • Geht für Sie in Zukunft die Sonne schon zu Mittag unter, weil Ihre gesamte Seitenfront bis übers Dach abgedeckt wird?
  • Wie hoch ist die lt. Bauplan an Ihrer Grundgrenze geplante Mauer und was bedeutet sie für Ihre alten Rosen, die seit fast hundert Jahren in diesem Teil Ihres Gartens wuchern?

Abschied nehmen

Wird ein Grundstück in einem neuen Siedlungsgebiet verbaut, haben die Nachbarn damit häufig kein Problem. Sie waren vor Kurzem selbst Bauherren und die Umgebung ist ständig im Fluss. Anders in Gebieten mit Altbestand, Kategorie: möglichst großer Garten, möglichst kleines Haus. Das war vorgestern. Heute geht unter dem Begriff „Einfamilienhaus“ oder „Kleinhaus“ eine Wohnfläche von 250 Quadratmetern, auf mehrere Geschoße aufgeteilt, problemlos durch. Gleichzeitig werden aus Kostengründen die Grundstücke immer kleiner, was zu unverhältnismäßig großen Kubaturen auf erbärmlich kleinen Flächen führt. Befestigte Wege, Terrassen, Abstellplätze für den fahrbaren Untersatz lassen den Anteil der versiegelten Flächen weiter ansteigen und den Gartenanteil noch mehr schrumpfen.

Sein Recht durchsetzen 

Nachbarn, die sich über Jahre an viel Grün und moderate Größenverhältnisse in ihrer Umgebung gewöhnt haben, sind meist entsetzt, wenn sie sehen, was von einem Tag auf den anderen an ihrer Grundgrenze aus dem Boden wächst. Veränderungen sind immer schmerzhaft. Doch wer vorher weiß, was ihm blüht, kann sich zumindest ein bisschen besser darauf einstellen – und das eine oder andere vielleicht verhindern, sollte sich bei genauerer Betrachtung herausstellen, dass bei der Planung des neuen Hauses auf die Nachbarn teilweise oder ganz vergessen wurde. Wie Sie in einem solchen Fall Ihre Rechte durchsetzen und was Sie dabei beachten müssen, lesen Sie in der nächsten Ausgabe von „Konsument“.

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Kommentare

  • Entspricht der Realität
    von REDAKTION am 04.11.2009 um 15:21

    Viele Bauverhandlungen laufen tatsächlich so ab, wie diese Schilderung anschaulich zeigt: Anrainer, die Fragen stellen, werden rüde abgefertigt. Von ihren Rechten hören die Nachbarn praktisch nie etwas, stattdessen wird ihnen das Gefühl vermittelt, dass sie hier nichts zu plaudern hätten. Wer sich dagegen wehrt, wird als Querulant verunglimpft.

    Die im Artikel beschriebene Baustelle befindet sich in OÖ. In der dortigen Bauordnung ist – wie in allen anderen auch – genau festgelegt, wann und unter welchen Bedingungen bei einem Bauvorhaben das Nachbargrundstück benutzt werden darf. Nur wenn die nötigen Arbeiten nicht auf andere Weise oder nur unter unzumutbar hohen Kosten durchgeführt werden können, muss der Nachbar eine Benutzung seines Grundstücks dulden. Mindestens vier Wochen vorher ist er darüber zu informieren, was genau auf seinem Grund geschieht und wie lange. Nach Beendigung der Arbeiten muss der frühere Zustand soweit als möglich wiederhergestellt werden. Bleiben Schäden zurück, sind diese vom Verursacher abzugelten. Ohne vorherige Ankündigung haben Baumaschinen im nachbarlichen Rosengarten also nichts verloren.

    Dass die Durchsetzung der eigenen Rechte meistens kein Spaziergang ist, stimmt leider. Versuchen sollte man es trotzdem.

  • Sie haben kein Recht!
    von Wasis am 04.11.2009 um 09:17
    Das wurde mir bei der Bauverhandlung als direkter Nachbar von der Baubehörde mitgeteilt (es handelt sich um einen öffentlichen Bau). Ich habe dabei lediglich gefragt, ob die bisher bestehende Mauer wieder aufgebaut wird. Nein, es kommt nur ein Geländer. Zum Einreichplan: wenn ich mir wie vorgeschlagen alles kopiere und nachher ist der Bau um 1 bis 2 m höher, was ist dann? Möchten Sie den Anwälten zu mehr Geschäft verhelfen? Gestern wurde auf meinem Grund ohne zu fragen ein Bagger abgestellt. Nach Besichtigung (und Beschwichtigung) durch die Baubehörde wurde heute von meinem Grund aus gebaggert. Die Wiese ist zerstört, alles ist voller Dreck (Starkregen!). Und? Soll ich jetzt irgendwelche Eingaben machen, über die alle Beteiligten nur lachen und wo ich dann im Irrenhaus lande? Ich finde Ihren Artikel praxisfremd!