KONSUMENT.AT - Datenschutz: WhatsApp - AGB von WhatsApp haben es in sich

Datenschutz: WhatsApp

Chat mit Risiko

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KONSUMENT 4/2015 veröffentlicht: 26.03.2015

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Die AGB von WhatsApp haben es in sich

Dabei erfährt der Kunde in den AGB, worauf er sich einlässt. Allerdings ist eine sprach­liche Hürde zu überwinden, denn der Text steht nur auf Englisch zur Verfügung. In Deutschland wurde das bereits für gesetzwidrig erklärt, nur hat das Unternehmen bis dato nicht reagiert und noch keine deutsche Fassung herausgebracht. Laut österreichischem Recht verhält es sich ähnlich. Sobald eine App ihre Inhalte in deutscher Sprache anbietet, muss sie eigentlich auch ihre AGB übersetzen.

Die Liste der Klauseln hat es jedenfalls in sich: WhatsApp ...

  • kann seine AGB jederzeit ändern, und es liegt in der Verantwortung des Nutzers, sich auf den neuesten Stand zu bringen.
  • ist für Personen unter 16 Jahren nicht vorgesehen, heißt es in den AGB. Nur: WhatsApp prüft das Alter der Nutzer nicht.
  • sichert sich die Rechte an den Daten und Inhalten der Nutzer.
  • übernimmt keine Garantie dafür, dass ­Inhalte vertraulich behandelt und sicher übertragen werden.
  • behält sich vor, die Userdaten mit Dritten zu teilen, "wenn es für die Nutzung, Pflege und Verbesserung des Services nötig ist".

In den AGB sichert sich das Unternehmen also den Zugriff auf die Daten seiner Nutzer. Wobei kein User genau weiß, was das Unternehmen damit anstellt und wie ­lange es sie speichert. Zwar gibt WhatsApp selbst bekannt, dass Daten nur so lange ­gespeichert werden, bis sie den Empfänger erreicht haben, und auch das nur für maximal 30 Tage. Dass dies wirklich der Fall ist, hat aber noch niemand nachweisen können.

Liest Facebook mit?

Dabei spielt auch der Umstand mit, dass der Social-Media-Riese Facebook im Vorjahr WhatsApp übernommen und sich dadurch die absolute Vormachtstellung unter den Online-Netzwerken gesichert hat. Damals versprachen die Chefs der beiden Firmen, dass Kundendaten nicht zusammengelegt würden. Auch jüngst hieß es wieder, dass es dabei bleiben solle.

Man tausche sich nur über die Strategie aus, auch was Möglich­keiten zum Geldverdienen betreffe, erklärte ein Facebook-Manager unlängst. Und genau deswegen schenkt der aufgeklärte User der Mär von den getrennten Daten keinen Glauben. Denn mit verknüpften Daten lässt sich noch mehr Umsatz machen.

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Kommentare

  • Alternativen fahrlässig
    von theltalpha am 16.04.2015 um 00:06
    Ein wichtiger Artikel, der vielleicht einigen die Augen öffnet. Leider sind die angeführten Alternativen allesamt Fehlgriffe und deswegen fahrlässig. Alle genannten Alternativen sind proprietäre und/oder quellgeschlossene Software, und somit um nichts besser als WhatsApp. DAS erste und wichtigste Kriterium für abhörsichere Kommunikation ist die Quelloffenheit und Freiheit (FLOSS) der verwendeten Software - wenn ich mir nicht anschauen kann, was die Software macht, kann ich ihr auch nicht vertrauen. In diesem Sinne sind zu empfehlende Alternativen beispielsweise TextSecure, ChatSecure, SMSSecure und Conversations. Grundsätzlich ist es immer empfehlenswert, einen Blick auf die Secure Messaging Scorecard der Electronic Frontier Foundation (https://www.eff.org/de/secure-messaging-scorecard) zu werfen. An und für sich kann man nur Software empfehlen, die dort alle Erfordernisse erfüllt, wenn man auf Abhörsicherheit, auch gegenüber Geheimdiensten, Wert legt.