KONSUMENT.AT - Investmentfonds - Kosten, Handhabung

Investmentfonds

Geldanlage in der Krise

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veröffentlicht: 19.01.2015, aktualisiert: 06.07.2017

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Kosten

Bei nahezu allen Fonds fallen Ausgabeaufschläge (AGA) an. Ihre Höhe richtet sich nach der Zusammensetzung des Fonds: Reine Geldmarktfonds sind am günstigsten, Aktienfonds am teuersten. Dazu kommen Depotkosten zwischen 0,1 und 0,2 Prozent plus Umsatzsteuer, meist auch die Kosten für ein Verrechnungskonto, die meist um die 20 Euro pro Jahr liegen. Letztere fallen üblicherweise weg, wenn man bereits ein Konto bei der Bank hat, über die man einen Fonds kauft. Auch beim Verkauf fallen meist noch einmal Spesen an, welche die Rendite um ein paar Zehntelprozent verringern, darunter nicht zuletzt die 27,5-prozentige Kursgewinn-Steuer. Die Liste der möglichen Gebühren, Spesen und Kosten ist lang, es gibt zum Beispiel auch Rücknahmegebühren, Managementgebühren (üblicherweise 0,5-2 % der Anlagesumme), Kosten für Wirtschaftsprüfer, Kosten für externe Berater und Kosten für die Veröffentlichung der Geschäftsberichte.

Manche Gebühren sind verhandelbar; es lohnt sich daher, immer nach Rabatten zu fragen. Vor allem bei den Ankaufspesen bzw. Ausgabeaufschlägen sind oft Nachlässe von 50 bis 100 % drinnen. Um Vergleiche anstellen zu können, ist es hilfreich, ein Musterdepot zusammenzustellen und anhand dessen die Mindestgebühren, die pro Depot oder Position jährlich anfallen, sowie die Kontoführungsgebühren zu vergleichen. Bei einer Erhebung 2014 reichte hier die Bandbreite an jährlichen Mindestspesen von 0 (flatex.at und INGDiba) bis fast 85 Euro (Bank Austria).

Kapitalertragsteuer

Melde- und Nicht-Meldefonds

Bei der Besteuerung von Investmentfonds ist zwischen Meldefonds und Nicht-Meldefonds zu unterscheiden. Meldefonds haben einen steuerlichen Vertreter in Österreich, unabhängig davon, ob diese ausländische oder inländische Fonds sind. Meldefonds müssen die Kapitalertragssteuer (KESt) auf Ausschüttungen und ausschüttungsgleiche Erträge an die Österreichische Kontrollbank (OeKB) melden. Anhand dieser Meldungen, die innerhalb von fünf Monaten (bei inländischen Fonds) bzw. sieben Monaten (ausländische Fonds) nach dem Ende des Fondsgeschäftsjahres zu erfolgen hat, rechnet die inländische depotführende Bank die 27,5%ige KESt ab. Tatsächliche Ausschüttungen (bei ausschüttenden Fonds) sind zu 100 Prozent steuerpflichtig und werden zum Zeitpunkt der Ausschüttung versteuert. Die Meldefonds werden auch weiße Fonds und die Nicht-Meldefonds schwarze Fonds genannt. Eine Liste aller weißen Fonds finden Sie auf der Website der Österreichischen Kontrollbank (Menüpunkt; links: KESt-Meldefonds, Liste der Meldefonds)  Mehr zu diesem Thema unter „Investmentfonds und KESt“ (https://www.konsument.at/geld-recht/investmentfonds-und-kest)

Kosten sparen mit ETFs

Exchange Traded Funds (zu Deutsch: "börsengehandelte Fonds") werden nicht über KAG, sondern direkt über die Börse gehandelt. Dadurch entfällt der von KAGs verrechnete Ausgabeaufschlag (AGA), und auch die Management- und Verwaltungsgebühren liegen oft deutlich unter denen klassischer Fonds, weil dahinter nicht (mehr oder weniger umfangreiche) Fondsmanagement-Teams stecken.

ETFs gibt es mittlerweile in großer Vielfalt; gemeinsam ist allen, dass sie einen Index nachbilden, seien es Börsenindizes wie DAX oder STOXX, Branchenindizes wie etwa jener der Automobilindustrie, Regionenindizes oder – wenn man sich nicht auf eine bestimmte Sparte festlegen will – globale Märkte.

Obwohl die (meisten) ETFs nicht aktiv gemanagt werden, können sie von der Performance her mit klassischen Fonds mithalten und weisen dank deutlich niedrigerer Gebühren sogar häufig bessere Nettorenditen auf. ETFs können wie andere Wertpapiere über Bank- oder Vermögensberater erworben werden. Besonders kostengünstig ist der Onlinekauf über Direktbanken. Online-Tutorials oder Webinare erleichtern Neueinsteigern die Abwicklung.

Liquidität

Wer in Fonds investiert, sollte prinzipiell eine Anlagedauer von mindestens drei bis fünf Jahren im Auge haben. Zwar können Fonds praktisch täglich über eine KAG gekauft und auch wieder abgestoßen werden. Die Rendite kann aber ordentlich zusammenschrumpfen, falls man den Fonds genau dann verkaufen muss, wenn er wegen ungünstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen gerade weniger wert ist.

Das gilt auch beim Fondssparen, wo es noch dazu eine Weile dauert, bis mit den kleineren Beträgen eine einigermaßen stattliche Summe zusammengekommen ist. Es gibt zwar vereinzelt Verträge, die auf eine bestimmte Laufzeit oder ein Zielkapital abgeschlossen werden.

Das Standardangebot kann jedoch jederzeit verkauft werden. Zum Beispiel, wenn es nicht hält, was man sich davon versprochen hat, oder wenn man – meist zu ermäßigten Gebühren – zu einer besseren Variante switchen, also wechseln will. Änderungen sind bei allen Anbietern möglich, insbesondere was die zukünftigen Raten betrifft. In diesem Fall wird der alte Sparplan stillgelegt und ein neuer abgeschlossen.

Komplexität, Handhabung, Bequemlichkeit

Investmentfonds sind für Börse-Laien deutlich einfacher abzuwickeln als Investitionen in einzelne Wertpapiere, vor allem Aktien. Sie sind aber – speziell in der Auswahl – herausfordernder als Sparbücher oder auch Anleihen: Man muss sich aus der riesigen Bandbreite, die heutzutage angeboten wird, einen Fonds aussuchen, von dem man annimmt, dass er gut abschneiden wird. Der Ertrag ist aber, anders als bei festverzinslichen Produkten, offen.

Auch die Laufzeit ist nicht fix vorgegeben. Das bedeutet: Auch wenn das Fondsportfolio von mehr oder weniger professionellen Fachleuten gemanagt wird, sollte man die eigenen Papiere immer ein wenig im Auge behalten, um abschätzen zu können, wann ein Ausstieg profitabel wäre oder nicht. Um Schlimmes zu verhindern, kann es auch sinnvoll sein, Stop-Loss-Limits zu setzen. Das heißt: Sinkt der Fonds unter einen Kurswert von XX, soll er verkauft werden, um die Verluste im Rahmen zu halten.

Wer sich damit nicht auskennt, sollte sich entsprechend beraten lassen. Bank- und Vermögensberater müssen von jedem neuen Kunden ein Anlegerprofil erstellen. Dabei sollten auch wirklich alle unklaren Punkte zum Produkt geklärt werden. Ein anderes Kapitel, was Komplexität betrifft, sind sogenannte Fondspolizzen. Dabei handelt es sich um fondsgebundene Lebensversicherungen mit allen Herausforderungen, die Versicherungsprodukte zum Ansparen mit sich bringen.

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