KONSUMENT.AT - Kundenfreundlichkeit - Rückforderungen von Rabatten

Kundenfreundlichkeit

Kein Ruhmesblatt für Versicherer

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Konsument 9/2010 veröffentlicht: 20.09.2009

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Rückforderung von Dauerrabatten gesetzwidrig

Ein wichtiges Thema in Sachen Kundenfreundlichkeit sind Dauerrabatte oder Treueboni: Bei vielen Versicherern hat sich eingebürgert, den Kunden Zehn-Jahres-Verträge anzubieten. Im Gegenzug gibt es für die lange Bindung meist an die 20 Prozent Rabatt auf die Prämie.

Seit einigen Jahren ist es Versicherten laut Versicherungsvertragsgesetz möglich, trotzdem schon nach frühestens drei Jahren wieder auszusteigen. Dann mussten Versicherte die Rabatte oder Boni meist nachzahlen, teilweise auch gestaffelt, zum Beispiel bei Kündigung nach drei Jahren 20 Prozent, nach fünf Jahren 10 Prozent. Beim Umstieg zu einem anderen Anbieter hat manchmal auch der neue Versicherer die Kosten für den Dauerrabatt übernommen.

Absurde Nachzahlungsklauseln

Oft aber auch nicht, und deshalb kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Beschwerden von Konsumenten, die entgeistert nachfragten, ob denn da alles seine Richtigkeit habe: Durch die Nachzahlungsklauseln in den Versicherungsverträgen kam es zu dem absurden Ergebnis, dass zum Beispiel eine Kündigung nach neun Jahren teurer war als das Festhalten am Versicherungsvertrag; oft war durch die Nachzahlung plötzlich mehr als eine ganze Jahresprämie zusätzlich fällig!

Nun hat der Oberste Gerichtshof (OGH) entschieden, dass derartige Bestimmungen in den Versicherungsverträgen gesetzwidrig sind, wenn bei einer vorzeitigen Auflösung einer Versicherung der nachzuzahlende Betrag bei längerer tatsächlicher Vertragsdauer steigt statt sinkt. Die in der Vergangenheit auf dieser Basis verrechneten Dauerrabatt-Rückforderungen müssen somit von den Versicherern zurückgezahlt werden.

Rückzahlen müssen jetzt die Versicherer

Falls Sie also – in den vergangenen 30 Jahren – Ihren Versicherungsvertrag vorzeitig aufgelöst haben, eine solche Klausel Grundlage für die Dauerrabattverrechnung war und Sie deshalb mit einer Rabattnachforderung bestraft wurden, können Sie diesen Betrag jetzt vom Versicherer zurückfordern.

Wenden Sie sich schriftlich an diesen Versicherer. Auf der Seite unseres Bereiches Recht www.verbraucherrecht.at finden Sie einen entsprechenden Musterbrief. Sollte er die Rückzahlung verweigern, kontaktieren Sie unseren Bereich Recht (E‑Mail: dauerrabatt@vki.at oder schriftlich: VKI, Bereich Recht, Linke Wienzeile 18,1060 Wien).

Falls Sie gerade gekündigt haben oder kündigen wollen und zur Rückzahlung eines Dauerrabatts aufgefordert werden (und in Ihrem Vertrag eine vergleichbare Klausel enthalten ist), weisen Sie den Versicherer auf die aktuelle OGH-Entscheidung hin. Besteht er weiterhin auf der Nachzahlung, dann leisten Sie diese nur unter dem „Vorbehalt der weiteren rechtlichen Klärung und Rückforderung“. Wenden Sie sich auch in diesem Fall am besten an uns!

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