Lebensversicherung

Hände weg

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Konsument 8/2010 veröffentlicht: 20.07.2010

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Niedrige Zinsen, hohe Kosten

Woran liegt es, dass auch bei "normalem" Ablauf, also wenn man die Polizze bis zum Laufzeitende behält, so wenig herausschaut? Zum einen am generellen Rückgang der Zinsen. Anfang der 90er-Jahre lagen sie noch bei über 7,5 Prozent, seither ging es stetig bergab. Da die Prognosen immer aufgrund des bei Vertragsabschluss aktuellen Zinsniveaus erfolgen, gab es für alle Versicherten, die vor 10 bis 20 Jahren eine Lebensversicherung abschlossen, bei der Auszahlung herbe Enttäuschungen. Den Versicherern kann hier jedenfalls der Vorwurf gemacht werden, dass sie beim Vertrieb statt der garantierten Ablaufleistung die prognostizierte Gewinnbeteiligung als mehr oder weniger sicheren Ertrag in den Vordergrund rückten.

Geld bleibt bei der Versicherung

Aber das allein erklärt noch nicht, warum mit so viel Geld über 20 Jahre nur so wenig Ertrag erzielt werden kann. Ein Blick auf die Kostenbelastung zeigt, dass daran nicht nur "der Finanzmarkt" und das Absacken der Zinsen Schuld tragen, sondern dass außerdem ein Gutteil von Sparers Geld in den Kanälen der Versicherer hängen bleibt ( siehe "Geheimnisvolle Kosten"). Die in den Hochzinsphasen immer höher geschraubten Kosten, die damals dank üppiger Erträge nicht so stark ins Gewicht fielen, führen nun dazu, dass zu wenig vom eingezahlten Kapital tatsächlich veranlagt wird. Der Sparanteil (siehe "Was heißt das genau?") ist schlicht zu gering.

Hin und her macht Taschen leer

Also rette sich aus den unergiebigen Verträgen, wer kann? Davon ist unbedingt abzuraten, selbst wenn sich abzeichnet, dass die Versicherung nicht so ertragreich sein wird wie erwartet. Geschickte Vermittler stellen oft in Aussicht, dass sich die Ertragssituation durch den Wechsel zu einem neuen Vertrag drastisch verbessern würde. Hier sind nicht nur reine Versicherungsberater, sondern auch Bankberater gemeint, denn immerhin werden bereits mehr als 50 Prozent der Lebensversicherungen über den Bankschalter verkauft.

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Kommentare

  • Auskunftsverweigerung der Versicherer
    von REDAKTION am 10.09.2010 um 12:42
    Unserer Meinung nach haben Sie das Recht auf Auskunft. Wir raten, Ihre Fragen nochmals per Post (am besten eingeschrieben) zu stellen. Bei E-Mails ist es nie sicher, ob sie auch tatsächlich an die richtige Stelle gelangen. Kundenfreundliche Versicherer sollten aber auch E-Mails umgehend beantworten! Ihr KONSUMENT-Team
  • Auskunftsverweigerung meiner Versicherer
    von karlinger am 09.09.2010 um 21:18
    Ich muss die Einschätzung von User spock und der Redaktion zur Auskunftsfreudigkeit der Versicherer zu Fragen nach den Kosten leider bestätigen. Ich habe Lebensversicherungsverträge bei drei Versicherern, und habe nach dem interessanten Bericht in KONSUMENT eine Anfrage über die angefallenen Einmalkosten bzw. die laufend anfallenden Kosten jeweils per E-Mail an die Versicherer gerichtet. - Vom Versicherer Finance Life habe ich (als einzigem) rasch und fundiert die gewünschten Auskünfte erhalten. In der Sache waren sie wie erwartet frustrierend. - Vom Versicherer Uniqa habe ich nach 7 Kalendertagen eine E-Mailbestätigung darüber bekommen, dass meine Anfrage an den zuständigen Makler weitergeleitet wurde (was ich an sich schon für eine Zumutung halte, weil mein Vertragspartner die Versicherung ist und nicht der Makler). Seither (wir halten heute bei Tag 17) habe ich weder von Uniqa noch vom Makler irgendetwas gehört. - Vom Versicherer Standard Life habe ich eine automatische Eingangsbestätigung am Tag meiner Anfrage erhalten. Seither (ebenfalls heute Tag 17) habe ich nicht mehr von Standard Life gehört. Habe ich ein (theoretisch) einklagbares Recht auf Erteilung dieser Kostenauskünfte?
  • Fondsgebundene Lebensvesicherung
    von REDAKTION am 26.08.2010 um 10:34
    Ein Berater haftet für seine Beratung: Das Problem dabei ist allerdings, dass Sie die Falschberatung beweisen müssen (durch Aufzeichnungen, Zeugenaussagen usw.) Nur dann haben Sie bei einer Schadenersatzklage Aussicht, Ihre Ansprüche durchzusetzen. Sie haben das Recht, vom Versicherer über die Kosten informiert zu werden. Wir raten, dies schriftlich (am besten eingeschrieben) zu fordern. Nach unseren Erfahrungen muss man hier leider lästig sein... Ihr KONSUMENT-Team
  • Kostenfrechheit Fondsgebundene LV
    von spock am 25.08.2010 um 21:21
    Leider habe ich vor 8 Jahren eine FLV abgeschlossen. Mein Berater hat nichts von Kosten erwähnt, sondern nur Anteile, die für die Lebensversicherung verwendet werden (was ja klar ist). Heute fehlt die Hälte aller meiner Prämien!! Wie stehen die Aussichten, rechtlich gegen den Berater vorzugehen?? Zweitens frage ich mich, wie man gegen den Versicherer vorgehen kann, der mir hartnäckig jegliche Auskunft über Kosten verweigert? Drittens empfehle ich jedem, der in so einem Vertrag steckt einen Ausstieg zu überlegen!! Den Betrag, den ich jetzt beim Ausstieg verliere (Vertragsvermögen-Rückkaufwert), habe ich in 3-4 Jahren durch die gesparten Kosten wieder herinnen. Ansonsten würde ich mich weitere 20 Jahre am Gewinn des Versicherers beteiligen (trifft das Wort Gewinnbeteiligung besser).
  • Abschreibung
    von allerhand am 24.08.2010 um 09:12
    Habe vor 8 Jahren eine Lebensversicherung ausbezahlt bekommen, die eine Laufzeit von 15 Jahren hatte. Mit ein Grund für den Abschluß damals, waren auch die steuerlichen Vorteile. Vor 23 Jahren konnte ich noch einen wesentlich höheren Teil der Prämie beim Finanzamt abschreiben als am Ende der Laufzeit. Dadurch war auch der effektive Gewinn letztlich sehr klein. Dies wäre vielleicht auch einen Absatz in diesem Bericht wert gewesen.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo