Lebensversicherung

Hände weg

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Konsument 8/2010 veröffentlicht: 20.07.2010

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Doch das ist die denkbar ungünstigste Variante, außer Sie sponsern gerne Versicherungshäuser. Vergessen Sie nicht: Versprochen wurde auch beim ersten Mal schon viel. Nun käme noch dazu, dass Sie ein zweites Mal den gesamten Kostenberg abtragen müssten, bevor Ihr Geld für Sie selbst "zu arbeiten" beginnen würde. Ein Blick auf die Ergebnisse unserer Erhebung zeigt deutlich, dass auch bei anderen Anbietern nicht viel mehr zu holen ist: Die Ertragschancen sind bei allen relativ ähnlich gelagert. Wenn Sie bereits einen Vertrag laufen haben, sollten Sie ihn also keineswegs gegen einen neuen Vertrag "eintauschen", sondern wenn überhaupt, dann in optimierter Form bis zum Ende der Laufzeit halten ( siehe: "Optimieren statt kündigen").

Todesfallschutz gering

Haben Sie noch keine Lebensversicherung abgeschlossen, möchten aber Partner oder Partnerin und Kinder absichern, wählen Sie besser eine eigene Risikolebensversicherung und suchen sich fürs Ansparen ein anderes Produkt. Denn auch der Ablebensschutz bei den Er- und Ablebenspolizzen ist das viele investierte Geld nicht wirklich wert: Geht man von einer Durchschnittspolizze aus (etwa 100 Euro pro Monat bzw. 1.200 Euro pro Jahr, Einzahlung über 20 Jahre), beträgt die Versicherungssumme gerade einmal knapp 24.000 Euro. Stirbt der Familienerhalter, ist dieser Betrag zweifelsohne nicht ausreichend, um die entstehende finanzielle Lücke zu füllen. Höhere Einzahlungsbeträge sind aber für viele nicht leistbar.

Durch die Trennung von Versicherungsschutz und Geldanlage lässt sich flexibler agieren: Zuvorderst stehen die Prämien für eine wirklich sinnvolle Hinterbliebenenabsicherung; was dann noch bleibt, kann in die Geldanlage fließen. Fest steht: So wie Er- und Ablebensversicherungen derzeit gebaut sind, sind sie nicht als Bestandteil eines Anspar- und Vorsorgepakets zu empfehlen. Allerdings sieht es für längerfristige Veranlagungen derzeit auch mit Alternativen düster aus. Reine Erlebensversicherungen schneiden kaum besser, wenn nicht sogar noch schlechter ab, wie eine Erhebung vor einigen Monaten zeigte.Fondsgebundene Lebensversicherungen sind mit noch höheren Kosten belastet.

Situation wird eher schlechter

Die Situation bei den Lebensversicherungen wird sich zudem eher noch verschärfen als bessern, weil auf die Versicherer neue Eigenkapitalvorschriften zukommen. Da ein Teil des erzielten Veranlagungsgewinnes zur Bildung des Eigenkapitals herangezogen werden soll, müssen sich Inhaber von Lebensversicherungspolizzen laut Versicherern auf niedrigere Ausschüttungsquoten gefasst machen.

Auch Produkte mit Kapitalgarantie sind nicht das Gelbe vom Ei. Die Garantie wirkt sich kräftig auf den Ertrag aus, wie sich auch bei der prämiengeförderten Zukunftsvorsorge gezeigt hat: Ein fix vorgeschriebener Aktienanteil von 30 oder 40 Prozent und gleichzeitig eine Kapitalgarantie gehen auf Dauer nicht zusammen! Die angebotenen Produkte sind zu spekulativ oder zu mickrig, zu teuer oder zu wenig transparent – es scheint, dass die Zeit hoher Erträge fürs Erste vorbei ist und Langfrist- Sparer bestenfalls darauf hoffen können, die Inflation auszugleichen.

Es sei denn, Anbieter und Gesetzgeber ringen sich zu einem einfachen, flexiblen, kostengünstigen und vielleicht sogar staatlich geförderten Vorsorgeprodukt durch. Fromme Wünsche wird man ja noch haben dürfen!

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Kommentare

  • Auskunftsverweigerung der Versicherer
    von REDAKTION am 10.09.2010 um 12:42
    Unserer Meinung nach haben Sie das Recht auf Auskunft. Wir raten, Ihre Fragen nochmals per Post (am besten eingeschrieben) zu stellen. Bei E-Mails ist es nie sicher, ob sie auch tatsächlich an die richtige Stelle gelangen. Kundenfreundliche Versicherer sollten aber auch E-Mails umgehend beantworten! Ihr KONSUMENT-Team
  • Auskunftsverweigerung meiner Versicherer
    von karlinger am 09.09.2010 um 21:18
    Ich muss die Einschätzung von User spock und der Redaktion zur Auskunftsfreudigkeit der Versicherer zu Fragen nach den Kosten leider bestätigen. Ich habe Lebensversicherungsverträge bei drei Versicherern, und habe nach dem interessanten Bericht in KONSUMENT eine Anfrage über die angefallenen Einmalkosten bzw. die laufend anfallenden Kosten jeweils per E-Mail an die Versicherer gerichtet. - Vom Versicherer Finance Life habe ich (als einzigem) rasch und fundiert die gewünschten Auskünfte erhalten. In der Sache waren sie wie erwartet frustrierend. - Vom Versicherer Uniqa habe ich nach 7 Kalendertagen eine E-Mailbestätigung darüber bekommen, dass meine Anfrage an den zuständigen Makler weitergeleitet wurde (was ich an sich schon für eine Zumutung halte, weil mein Vertragspartner die Versicherung ist und nicht der Makler). Seither (wir halten heute bei Tag 17) habe ich weder von Uniqa noch vom Makler irgendetwas gehört. - Vom Versicherer Standard Life habe ich eine automatische Eingangsbestätigung am Tag meiner Anfrage erhalten. Seither (ebenfalls heute Tag 17) habe ich nicht mehr von Standard Life gehört. Habe ich ein (theoretisch) einklagbares Recht auf Erteilung dieser Kostenauskünfte?
  • Fondsgebundene Lebensvesicherung
    von REDAKTION am 26.08.2010 um 10:34
    Ein Berater haftet für seine Beratung: Das Problem dabei ist allerdings, dass Sie die Falschberatung beweisen müssen (durch Aufzeichnungen, Zeugenaussagen usw.) Nur dann haben Sie bei einer Schadenersatzklage Aussicht, Ihre Ansprüche durchzusetzen. Sie haben das Recht, vom Versicherer über die Kosten informiert zu werden. Wir raten, dies schriftlich (am besten eingeschrieben) zu fordern. Nach unseren Erfahrungen muss man hier leider lästig sein... Ihr KONSUMENT-Team
  • Kostenfrechheit Fondsgebundene LV
    von spock am 25.08.2010 um 21:21
    Leider habe ich vor 8 Jahren eine FLV abgeschlossen. Mein Berater hat nichts von Kosten erwähnt, sondern nur Anteile, die für die Lebensversicherung verwendet werden (was ja klar ist). Heute fehlt die Hälte aller meiner Prämien!! Wie stehen die Aussichten, rechtlich gegen den Berater vorzugehen?? Zweitens frage ich mich, wie man gegen den Versicherer vorgehen kann, der mir hartnäckig jegliche Auskunft über Kosten verweigert? Drittens empfehle ich jedem, der in so einem Vertrag steckt einen Ausstieg zu überlegen!! Den Betrag, den ich jetzt beim Ausstieg verliere (Vertragsvermögen-Rückkaufwert), habe ich in 3-4 Jahren durch die gesparten Kosten wieder herinnen. Ansonsten würde ich mich weitere 20 Jahre am Gewinn des Versicherers beteiligen (trifft das Wort Gewinnbeteiligung besser).
  • Abschreibung
    von allerhand am 24.08.2010 um 09:12
    Habe vor 8 Jahren eine Lebensversicherung ausbezahlt bekommen, die eine Laufzeit von 15 Jahren hatte. Mit ein Grund für den Abschluß damals, waren auch die steuerlichen Vorteile. Vor 23 Jahren konnte ich noch einen wesentlich höheren Teil der Prämie beim Finanzamt abschreiben als am Ende der Laufzeit. Dadurch war auch der effektive Gewinn letztlich sehr klein. Dies wäre vielleicht auch einen Absatz in diesem Bericht wert gewesen.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo