Nachbarschaftsärger

Jetzt reicht´s!

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Konsument 6/2002 veröffentlicht: 24.05.2002

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Ein derartiges Recht auf Selbsthilfe besteht in einem anderen Bereich, in dem es sich mancher, gerade jetzt zur warmen Jahreszeit, wohl sehnlichst wünschen würde, jedoch nicht:

„Sperrstund‘ is…“ - Lärm durch Gastgärten

Während es Nachtschwärmer in den Städten oft nicht mehr erwarten können, bis Gastwirte wieder Stühle, Bänke und Tische ins Freie stellen, stellt es lärmgeplagten Anrainern oft schon Wochen vor der Schanigärten-Saison die Haare auf. Denn das „Sperrstund‘ is“ wird zu vorgerückter Stunde von so manchem Gast nicht mehr gehört, geschweige denn beachtet. Müssen sich Anrainer mit dem Lärm, der von Lokalen herrührt, abfinden? Oder können sie sich dagegen wehren? Eine allgemein gültige Antwort gibt es nicht. Es kommt auf den Einzelfall an.

Lachen erlaubt bis 22 oder 23 Uhr

Wenn ein Anrainer etwa durch den Lärm, der aus einem Schanigarten kommt, nicht (ein)schlafen kann, dann kann er – sofern noch nicht Sperrstunde ist – nichts dagegen unternehmen. In Gastgärten auf öffentlichen Flächen darf von 8 bis 22 Uhr ausgeschenkt und somit auch geplaudert und gelacht werden. Für die so genannte Freiluftzeit von 15. Juni bis einschließlich 15. September gilt sogar eine Stunde länger, also bis 23 Uhr. Ob das dem „braven“ Anrainer, der frühmorgens in die Arbeit gehen und deshalb zeitig zu Bett gehen muss, nun gefällt oder nicht.

Etwas leichter mit etwaigen Beschwerden haben es Anrainer, bevor ein (vermutlich Lärm produzierender) Betrieb, wie etwa eine Disko, behördlich genehmigt wird. Wenn sie rechtzeitig vor behördlicher Genehmigung des Betriebes Einwendungen erheben, könnten sie sich erfolgreich gegen eine spätere Lärmquelle wehren.

Konfliktlösung ohne Kadi

Nervt Sie ein Nachbar – womit auch immer – sollten Sie auf alle Fälle vorerst eine außergerichtliche Einigung anstreben:

  • Nur mit Diplomatie: Entdecken Sie den Psychologen in sich. Hämmern Sie nicht wie wild an die Nachbarstür, wenn Sie sich durch dessen Partylärm gestört fühlen. Schon gar nicht mit Lockenwicklern im Haar und im Pyjama. Damit ernten Sie in einer solchen Situation nur Gelächter. Bitten Sie lieber – zum Beispiel bei regelmäßiger Belästigung durch zu laute Musik – den Nachbarn in Ruhe zu sich herüber, damit er sich selbst ein Bild von der durch ihn provozierten Störung machen kann. Vielleicht ist ihm diese ja gar nicht bewusst!
  • Nach oben gehen: Nehmen Sie Vermieter oder Hausverwaltung in die Pflicht. Zu deren Aufgaben gehört es durchaus, sich mit Störenfrieden in Ihrer Nachbarschaft, sofern er im selben Haus wohnt, auseinander zu setzen. Tun sie es nicht, können Sie in Folge zum Beispiel auf Mietzinsreduktion klagen.
  • Suchen Sie Verbündete. Etwa dadurch, dass Sie eine Mieterversammlung anregen, in deren Rahmen dem „schwarzen Schaf“ deutlich gemacht werden kann, dass Sie nicht der Einzige sind, der sich gestört fühlt. Je lockerer und offener Sie eine solche „nachbarschaftliche Kopfwäsche“ gestalten – wie wäre es mit einer Mieterparty oder einem nachmittäglichen Kaffeekränzchen? – umso größer ist die Chance auf Einsicht des Störenfrieds. Positiver sozialer Druck kann selbst in hartnäckigen Fällen Wunder bewirken.

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