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Persönlichkeitsanalyse und Meinungsbeeinflussung

Soziale Medien im Wahlkampf

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KONSUMENT 1/2019 veröffentlicht: 20.12.2018

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Facebook: Machtvolles Medium statt Plattform

Dass es so weit kommen konnte, liegt zum einen an den beauftragenden Parteien und Firmen wie Cambridge Analytica, zum anderen an Facebook. Warum ließ das soziale Netzwerk das zu? Warum lässt es Fake News, Hassmeldungen und all den anderen Unsinn auf seiner Seite verbreiten?

Eine Antwort ist der Grundsatz von Facebook, den der Firmenchef Mark Zuckerberg nicht müde wird zu betonen: Man sei eine neutrale Plattform und kein Medium, auch wenn immer mehr Menschen Nachrichten immer öfter hauptsächlich über Facebook beziehen.

Werbeanzeigen und Netzwerkeffekte

Weniger gern redet er über die zig Milliarden Umsatz, die Jahr für Jahr lukriert werden. Wobei in dem Belang dieselben Logiken greifen wie bei einem Medium: Je öfter und länger der Nutzer das Produkt konsumiert, desto mehr wird verdient. Je länger der User die Chronik hinunterscrollt, desto mehr Werbeanzeigen können eingeblendet werden.

Die zwischendurch angezeigten Nachrichten werden jedoch nicht von Redakteuren zusammengestellt, sondern von Algorithmen. Und deren alleiniges Ziel ist es, den Nutzer so lange bei der Stange zu halten wie möglich. Ob es sich dabei nun um bedenkliche Inhalte oder um Fake News handelt, erkennt die Maschine nicht. Eine Nachricht aus dem SPIEGEL oder von KONSUMENT stellt sie bis auf das jeweilige Logo gleich dar wie jene eines Trash-Mediums wie etwa heftig.de. Grob gesagt funktioniert der Mechanismus nach folgendem Prinzip: Einschaltungen, auf die viele Nutzer reagieren, indem sie sie länger ansehen oder anklicken, erkennt das System als Erfolg. Sie werden dann immer öfter angezeigt.

Emotion vor Sachlichkeit

Und offenbar mögen die meisten Nutzer zugespitzte, polarisierende und dramatisierende Sensationsmeldungen lieber als um Sachlichkeit und Ausgewogenheit bemühte Artikel. Das Hysterische, die Erregung wird auf Facebook zum Normalzustand. Dinge wie Wahrheitsgehalt, Objektivität, Einordnungen und Relativierungen treten in den Hintergrund. Die Folge ist eine sich selbst verstärkende Meinungsspirale, die polarisierend auf die Gesellschaften einwirkt.

Als Reaktion auf den Skandal hat Facebook seine Algorithmen dahin gehend geändert, dass Nutzer wieder mehr Postings von Freunden und etwas weniger bezahlte „Nachrichten-Einblendungen“ zu sehen ­bekommen. Cambridge Analytica ist nach der ganzen Negativ-Presse in die Pleite gerutscht. Das Europaparlament hat im Oktober 2018 eine Resolution verabschiedet, in der Facebook nahegelegt wird, Änderungen vorzunehmen und sicherzustellen, dass das Portal mit dem EU-Datenschutzrecht in Einklang steht.

Politisches Profiling soll verboten werden

Die EU-Datenschutzbeauftragten appellierten an Facebook, eine vollständige und unabhängige Prüfung seiner Plattform zu erlauben. Außerdem wurden alle EU-Stellen dazu aufgerufen, ihre Kommunikation über soziale Medien zu überprüfen. Personenbezogene Daten von Bürgern dürften keinesfalls gefährdet werden. Das Sammeln von Infos über poli­tische Vorlieben und ein Profiling zu politischen Zwecken soll verboten werden, so der Wunsch des Parlaments. Die britische Datenschutzbehörde ICO hat, ebenfalls im Oktober, wegen des Datenskandals gegen Facebook die Höchststrafe von umgerechnet 565.000 Euro verhängt.

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