KONSUMENT.AT - Pfandleihe: Hohe Kosten - Schnelle Schulden, hohe Zinsen

Pfandleihe: Hohe Kosten

Schneller in die Schuldenfalle

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veröffentlicht: 12.05.2017, aktualisiert: 23.04.2020

Inhalt

Mit einer Pfandleihe kommt man schnell und unbürokratisch zu Geld – möglicherweise aber auch in eine fatale Schuldenspirale. Die Zinsbelastungen sind enorm.

"Sie haben doch uns"

"Sie haben doch uns" ist die Antwort auf gleich mehrere finanzielle Notsituationen. "Wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist", "Wenn für den Führerschein noch ein paar Scheine fehlen" oder "Wenn ein schnelles Darlehen ohne langes Wenn und Aber gefragt ist". Und wer springt Ihnen hier so beherzt verbal und hoffentlich auch finanziell zur Seite? In diesem speziellen Fall das Dorotheum Wien in einer Werbung des Jahres 2017.

Weiterfahren bis zum finalen Crash?

Dorotheum-Pfandleihe:  schnelle Schulden, hohe Zinsen (Bild: Screenshot Dorotheum, 15.5.2017) "Mit dem Autopfand kommen Sie bei uns rasant und unkompliziert an Geld und können dennoch weiterfahren" ist eines von mehreren Angeboten, mit denen Ihnen der Anbieter helfen möchte. Und durch wenige weitere Klicks auf der Homepage erfahren Sie mehr: "Faire Bewertung", "Bargeld einfach, schnell und bequem", "Sie bleiben schuldenfrei", "Sie können Ihr Auto uneingeschränkt weiternutzen" sind nur einige der Vorteile, mit denen Ihnen das Geschäft schmackhaft gemacht werden soll.

Und vor dem Einstieg in den Zinsrechner ( https://www.dorotheum-pfand.com/dorotheum/auto-pfand.html ) finden Sie einen ersten Kostenhinweis: "Für 1.000 EUR Darlehen betragen die Kosten pro Monat nur 45 EUR bei Weiterbenützung."

Effektive Jahreszinsen bis zu 150%

Die Kosten für eine Pfandleihe hängen einerseits vom Pfandobjekt, andererseits von der Laufzeit und den Zinsen und Gebühren ab. Verpfändet man beim Dorotheum ein Schmuckstück um 1.000 Euro, kostet das 25 Euro pro Monat.

Im Klartext: bei einer Laufzeit von zwei Monaten bekommt man 1000 Euro ausbezahlt und muss bei Abholung nach zwei Monaten 1.050 Euro bezahlen.

Hört sich nach nicht viel an - ist es aber: Das Ganze kommt einem effektiven Zinssatz von 35% gleich - bei einer Bank würde man das wohl Wucher nennen.

Noch schlimmer wird es, wenn ein Auto verpfändet wird. Ein Auto im Wert von 10.000 Euro kostet 450 Euro monatlich (200 Euro Zinsen, 250 Euro Manipulations- und Bearbeitungsgebühr). 

Bei einer Laufzeit von 4 Monaten sind am Ende 11.800 Euro zu bezahlen um sich wieder "freizukaufen". Ein unglaublicher Effektivzinssatz von 83 Prozent. Untersuchungen von uns in den letzten Jahren haben ergeben, dass die effektiven Jahreszinsen von Pfandleihern sogar bis zu 150% ausmachen können.

Branchenübliche Methoden

Die Gebühren des Dorotheums sind für die Branche der Pfandleiher, speziell der Auto-Pfandleiher, nichts Ungewöhnliches. Üblich ist auch das "Kleinrechnen" der realen Kosten, wenn statt einer Verzinsung auf Jahresbasis von Zinsen auf der Basis von Monaten oder sogar Halbmonaten geredet oder geschrieben wird. Bemerkenswert ist, dass sich auch das altehrwürdige Dorotheum solcher Methoden bedient. Nun ja, seit geraumer Zeit wird es ja privatwirtschaftlich geführt. Spätestens, wenn von Halbmonaten die Rede ist, sollte die innere Ampel auf GELB oder sogar ROT springen.

20 Arten von Konsumentenkrediten

Immerhin 20 unterschiedliche Arten von Konsumentenkrediten gibt es - für unterschiedliche Zwecke und mit unterschiedlicher Kostenbelastung. Vielleicht gibt es auch für Sie eine kostengünstigere Alternative?
Unser Buch Schlau finanzieren  hat auch Tipps dafür parat, wenn Sie sich in einer Notlage befinden. 


Auch der ORF hat darüber berichtet: ORF-konkret (17.4.2020) über "Pfandleihe: enorme Zinsen"

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