KONSUMENT.AT - Private Pflegeversicherung - Auch Pflegeversicherung ist keine 100-prozentige Gewähr

Private Pflegeversicherung

Lotteriespiel mit dem Alter

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KONSUMENT 1/2013 veröffentlicht: 27.12.2012, aktualisiert: 31.01.2013

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Gut funktionierendes Netz an Alten- und Pflegeheimen

Faktum ist, dass es hierzulande ein gut ausgebautes, funktionierendes Netz an Alten- und Pflegeheimen, aber auch an mobilen sozialen Diensten gibt, und daran wird sich auch in den nächsten Jahrzehnten – trotz ­alternder Bevölkerung – nicht so schnell ­etwas ändern. Schreckensszenarien von alten, gebrechlichen Menschen, die völlig auf sich allein gestellt sind, weil sie sich keine Pflege leisten können, sind unseriös. Engpässe gibt es vereinzelt bei der privaten informellen Pflege; umso mehr, als Familienangehörige diese Rolle aus beruflichen und geografischen Gründen immer weniger übernehmen werden.

Keine Wundertüte

Faktum ist aber auch, dass die durch Pflegebedürftigkeit entstehenden Kosten oft unter­schätzt werden. Was passiert im schlimmsten Fall? Ist kein Vermögen und kein Eigentum vorhanden, muss der Staat die gesamten Pflegekosten tragen. Andernfalls greift er, sobald die gesetzlich zustehenden Pflege­leistungen nicht mehr reichen, auf das persönliche Vermögen zurück (siehe Kasten „Wann wer zur Kasse gebeten wird“). In ­diesem Fall kann eine private Pflegeversicherung sinnvoll sein, da dadurch die eigenen ­finanziellen Reserven (länger) erhalten bleiben. Man sollte sich aber immer vergegenwärtigen, dass auch eine private Pflegever­sicherung nicht das Füllhorn darstellt, aus dem ganz nach persönlichem Bedarf die ­hilfreichen Geister und Gelder strömen.

Pflegebedürftigkeit feststellen

Erstens greift auch sie erst dann, wenn die Pflegebedürftigkeit laut Bundespflege­gesetz festgestellt wurde oder – bei manchen Anbietern – wenn bestimmte Tätig­keiten des täglichen Lebens nicht mehr ohne fremde Hilfe verrichtet werden können. Die Versicherten sind also, um eine Leistung zu erhalten, in jedem Fall auf die Einschätzung anderer angewiesen, selbst wenn sie nach eigenem Empfinden längst Anspruch auf Unterstützung durch den Pflegever­sicherer hätten.

Auch Pflegeversicherung ist keine 100-prozentige Gewähr

Zweitens ist auch eine Pflegeversicherung keine 100-prozentige Gewähr dafür, dass nicht doch auf das eigene Vermögen zurückgegriffen wird. Bei den von den Versicherern festgelegten Höchstbeträgen je nach Pflegestufe kann es schon passieren, dass die tatsächlichen Pflegekosten darüber liegen, ­speziell in den höheren Pflegestufen.

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Kommentare

  • "Wann wer zur Kasse gebeten wird"
    von karinmartini am 21.01.2013 um 15:19
    Unter dieser Überschrift schreiben Sie, dass in Tirol der Staat auf geschenktes Vermögen sogar 30 Jahre lang zurückgreifen kann. Demgegenüber berichtet in der Ausgabe der Tiroler Tageszeitung v. 24. Mai 2011 der Präsident der Notariatskammer für Tirol und Vorarlberg, Philipp Schwarz, dass die Bestimmungen des Tiroler Mindestsicherungsgesetzes dahin gehend geändert wurden, dass nunmehr im Pflegefall für die Möglichkeit des Rückgriffes auf im Schenkungswege übergebenes Vermögen ausschließlich der Umstand maßgebend ist, ob zum Zeitpunkt der Übergabe der Übergeber einen Pflegegeldbezug erhalten hat bzw. ein Antrag auf Gewährung von Pflegegeld bereits gestellt hat. Ist dies nicht der Fall, ist ein Rückgriff auf das geschenkte Vermögen nicht möglich.
  • Ersatzpflicht für Kinder in Kärnten
    von REDAKTION am 08.01.2013 um 09:49

    Sie haben recht, seit 1.7.2012 gibt es auch in Kärnten diese Ersatzpflicht für Kinder, wenn Eltern im Pflegeheim versorgt werden. Die Ersatzpflicht richtet sich nach dem Einkommen. Unsere Erhebung wurde im Mai/Juni 2012 durchgeführt, daher konnten wir diese Änderung noch nicht berücksichtigen.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • wann wer zur Kasse gebeten wird
    von ruly am 28.12.2012 um 12:33
    auch in Kärnten müssen die Kinder dazuzahlen.das gilt ab 1.7.2012.