Private Zahnarzthonorare

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

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Konsument 1/2005 veröffentlicht: 09.12.2004

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Beratung braucht Zeit und Zeit ist Geld

Es gibt aber auch die andere Seite, die Zahnärzte, die in der Ordination die Honorare aushängen. Es gibt durchaus Zahnärzte, die die Patienten vor der Behandlung verständlich über Umfang, Qualität, mögliche Komplikationen und Honorar informieren – auch am Telefon. Die übergroße Mehrheit sind sie in Österreich unseren Recherchen nach nicht. Beratung braucht Zeit, und Zeit ist Geld. Zahnärzte mit eigener Ordination sind Unternehmer und dürfen für private zahnärztliche Leistungen das Honorar frei bestimmen. So gibt es zwar Richttarife (siehe Tabellen), "das Recht der freien Vereinbarung der Honorare" wird dadurch aber "nicht  berührt". Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sollte ein niedergelassener Zahnarzt nach Kalkulationen der Ärztekammer pro Stunde einen Umsatz von etwa 200 Euro erwirtschaften. Gründliche Erklärungen zu Preis und Qualität können da schon unter den Tisch fallen. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Programmierte Missverständnisse

Auch Standesbewusstsein, Psychologie, Kommunikation und Arbeitsteilung spielen bei der Information über die Kosten eine wichtige Rolle. Viele Zahnärzte delegieren Inkasso und Honorar-Informationen gern an die Assistentin und beschränken sich auf die Behandlung. In dem Dreieck Patient, Zahnarztassistentin, Arzt (Telefon, Vorzimmer, Behandlungsstuhl) kann es leicht zu Missverständnissen kommen. Honorarstreitereien gehören zu den größten Brocken bei den Schlichtungsstellen. Manche Patienten gehen bei Honorarärger zu einem anderen Zahnarzt, einige  füttern ihren Rechtsanwalt, und viele stranden in Ungarn. Einen guten Zahnarzt erkennen Sie unter anderem daran, wie verständlich er bzw. sie über die Kosten informiert.

Keine Ahnung über eigene Preise

Gar nicht selten stellten wir bei den Recherchen fest, dass Zahnärzte nicht wissen, wie viel sie von ihren Patienten für bestimmte Leistungen verlangen („Marianne, bitte drucken’s mir die Liste aus“). Wie sollen Zahnärzte ihren Patienten die Kosten der Behandlung erklären, wenn sie sie selbst nicht im Kopf haben? Andere kritzeln schwer lesbare Zahlen und unverständliche medizinische Abkürzungen auf vier mal vier Zentimeter große Kaszettel ... Die darf der Patient zu Hause enträtseln.

Auch Patienten machen Fehler

Andererseits: Es gibt natürlich auch Patienten, die problemlos viel Geld für Alufelgen und Fernreisen ausgeben, hingegen über Jahre ihre Zähne vernachlässigen, dann aber – Geiz ist geil – wutentbrannt den Zahnarzt wechseln, bloß weil ein anderer die Krone um hundert Euro billiger anbietet. Durch Preisschlachten im Supermarkt verwöhnt, suchen viele Patienten auch in der Medizin in erster Linie den niedrigsten Preis. Klug ist das nicht, verständlich ist es doch: Denn eine mittlere Zahnsanierung kostet inzwischen einige Monatsgehälter. Ob eine Behandlung billig oder teuer ist, wissen Patienten sofort. Die Qualitätsunterschiede bei zahnärztlichen Leistungen können von sich aus nur ganz wenige Patienten abschätzen.

Höhere Qualität erklären lassen

Unser Tipp: Sollte Ihr Zahnarzt den höheren Preis mit Qualität rechtfertigen, lassen Sie sich den Qualitätsunterschied im Detail erklären. Wie sieht die absolute Billigversorgung aus? Und wie sieht die Luxusvariante aus, die noch wesentlich teurer ist als die, die Ihnen eben angeboten wurde? Manche Ärzte schasseln ihre Patienten bei solchen Fragen mit einem „Bei mir gibt’s nur Qualität!“ ab. Gute Ärzte hingegen blühen bei so einer Frage auf, weil sie endlich die Gelegenheit haben, die gehobene Qualität der eigenen Arbeit ins rechte Licht zu rücken. Aber eines ist klar: Ärzte haben eine qualifizierte und lange Ausbildung. Die Zeit, die Ihnen ein Arzt oder eine Ärztin widmet, müssen Sie als Patient in irgendeiner Form bezahlen.

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