Private Zahnarzthonorare

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

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Konsument 1/2005 veröffentlicht: 09.12.2004

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Unterschiedliche Leistungen

Wir haben in dieser Marktübersicht nur die Honorare und hier vor allem die Honorare für private zahnärztliche Leistungen erhoben. Welche Leistung und welche Qualität hinter diesen Beträgen stecken, konnten wir nicht klären. Für die bisweilen atemberaubenden Preisunterschiede gibt es verschiedene Erklärungen:

Erklärung 1: Es liegt am unterschiedlichen Umfang. Manche Ärzte fassen mehrere Teilleistungen zu einem Titel, einer Bezeichnung zusammen, die andere Zahärzte extra und einzeln aufschlüsseln. Beide verwenden dieselbe Bezeichnung, doch dahinter stecken deutlich unterschiedliche Leistungen und - hoffentlich - deutlich unterschiedliche Honorare. Das sind dann die berühmten Äpfel, die der Patient dann nicht mit Birnen vergleichen darf.

Unterschiedliche Qualität

Erklärung 2: Es liegt an der Qualität. Anzug ist nicht gleich Anzug und Krone nicht gleich Krone. Die eine Krone hat eine weiche, eher stumpfe Kunststoffoberfläche, die sich nach einigen Monaten verfärbt, eine 0815-Form, die vielleicht nicht optimal zu den Nachbarzähnen passt und bei der die Zahnzwischenräume schlecht zu reinigen sind und einen Kern aus Nicht-Edelmetall (NEM). Die andere Krone passt in der Form perfekt zu den Nachbarzähnen, hat eine individuelle und passende Farbe, schimmernden Glanz; sie weist einen stufenlos-glatten Übergang zum Zahnstumpf auf (minimaler Randspalt), beleidigt weder Zahnfleisch noch Zunge und auch nicht die Nachbarzähne und hat – z.B. – einen hochgoldhaltigen Innenteil. In diesem Fall braucht es wahrscheinlich mehrere Sitzungen, bis die Krone perfekt in die Zahnreihe eingegliedert ist (siehe „Konsument“ 6/1999).

Pauschal oder Einzelleistungen

Erklärung 3: Es liegt an der Berechnung: Manche Ordinationen verrechnen Pauschalbeträge, verdienen bei dem einen Patienten viel und zahlen bei anderen drauf. Andere verrechnen die Arbeit pro Zahn, pro Quadrant (halber Kiefer), und wieder andere verrechnen ihre Leistung nach zeitlich nicht definierten Sitzungen oder streng nach Zeiteinheit (Minuten, Stunden).

Erklärung 4: Es liegt an Kosten, die in der Ordination anfallen – an den den hohen oder niedrigen. Bei manchen Zahnärzten resultieren hohe Honorare z.B. aus steigenden Lohnkosten, hohen Mieten und Betriebskosten, aus teuren High-Tech-Apparaten, ruinösen Fortbildungen und deftigen Kreditrückzahlungen. Bei manchen Zahnärzten fallen diese Kosten geringer aus, weil die Ordination schon vom Vater abgezahlt wurde. Stichwort Lohnkosten: Zahnarztassistentinnen verdienen wenig. Der Kollektivvertrag sieht für Ordinationshilfen im zehnten Berufsjahr ein monatliches Mindestgehalt von 1082 Euro brutto vor (Stand 2002; Quelle: ÖZZ - Österreichische Zahnärztezeitung; 6/2002, S. 29). Nach 18 Berufsjahren sind es 1270 Euro (Stand 2002).

Sehr persönliche Faktoren

Erklärung 5: Es liegt (aber da gibt es Gemeinsamkeiten mit anderen Berufsgruppen) direkt an der Person des Zahnarztes bzw. der Zahnärztin. Bei manchen beeinflussen Scheidungsspesen, gehobener Lebensstil, das vermutete höhere Einkommen des Patienten, aber auch sinkende eigene Leistungsfähigkeit (Krankheit) die Honorargestaltung. Auch diese Gründe spielen eine Rolle, sind aber normalerweise kein Thema.

Viel Zeit für wenige Patienten

Erklärung 6: Bei manchen schlägt auch der persönliche Arbeitsstil auf die Privathonorare durch: Einige erwirtschaften mit Kassenpatienten und flotter Arbeit den Grundumsatz der Ordination und nehmen sich für eine kleinere Gruppe von Privatpatienten deutlich mehr Zeit. Diese Privatpatienten zahlen üblicherweise höhere Honorare, erhalten eine Sonderbehandlung, die sie zu schätzen wissen.

Manche Zahnärzte legen den Kassenvertrag ganz zurück und erwirtschaften lieber mit fünf Patienten den Umsatz, den andere mit zehn nicht schaffen. Begründung: „Damit ich die Freude an meiner Arbeit nicht verliere“. Ein Zahnarzt erklärte uns im Gespräch: „Wissen sie, ich kann von den Augen her nicht mehr so lange diese feine Arbeit machen wie früher. Da muss ich eben meinen Umsatz in kürzerer Zeit verdienen.“ Und dann gibt es noch eine Gruppe von Zahnärzten, die Obdachlose, Arme, Asylanten, Aidskranke und Drogensüchtige behandeln, Patienten, für die die Kollegen leider gar keinen Termin im allzuvollen Terminkalender finden können - und das zu einem Bruchteil des üblichen Honorars oder ganz um Gottes Lohn.

Willkommen im freien Markt

Erklärung 7: Das Auseinanderklaffen bei den Honoraren für vergleichbare Leistungen hat aber auch andere, allgemeine wirtschaftliche Gründe. So ist die Zahl der niedergelassenen Zahnärzte in Österreich in den letzten Jahren von 3800 auf über 4000 gestiegen und die Zahngesundheit steigt. Die einen reagieren auf die stärkere Konkurrenz, in dem sie die Preise anheben, die anderen senken sie. Willkommen im freien Markt.

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