Volksbanken-Lebensversicherung der ERGO/ÖVAG

Bruchlandung mit Rocket

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KONSUMENT 10/2015 veröffentlicht: 23.07.2015, aktualisiert: 24.09.2015

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Lebensversicherung als Geldanlage: Kann die ERGO-Versicherung Anleihen der ehemaligen Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG) zur Gänze zurückzahlen? Der VKI sammelt Versicherungskunden, die sich durch falsche Beratung einer Volksbank geschädigt sehen.

Mitte Juli dieses Jahres verschickte die deutsche ERGO-Versicherung Schreiben an 14.000 Kunden, die in die Rocket-Lebensversicherungspolizze der Victoria Versicherung investiert hatten. Der Versicherungskonzern schürte Bedenken, dass ein Totalverlust der Lebensversicherung eintreten könnte. Das Produkt war mit einer garantierten jährlichen Verzinsung von 4,48 Prozent auf den Markt gebracht worden. Im Jahr 2011 hatte ERGO die Victoria-Volksbanken Versicherung übernommen. Nun legt ERGO den Versicherungsnehmern den Rückkauf der Lebensversicherung nahe.

Anleihe der Österreichischen Volksbanken AG

Rocket basiert einzig auf einer Anleihe der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG). Diese geriet jedoch bekanntlich in schwere Turbulenzen und wurde Ende April 2015 aufgespalten und in eine Abbaugesellschaft mit dem Namen Immigon Portfolioabbau AG umgewandelt. Größter Anteilseigner ist mit 43,30 Prozent die Republik Österreich. Aufgabe dieser sogenannten „bad bank“ ist es, die Anleihen der ÖVAG bis zum Jahr 2017 abzuwickeln. Die gesunden Teile der Bank wurden der Volksbank Wien-Baden zugeordnet.

Ein Fall von Fehlberatung ...

Bei den privaten Rocket-Anlegern war die Bestürzung ob der drohenden Verluste groß, zumal ihnen die Anleihe beziehungsweise die Lebensversicherung als „sicheres“ Produkt mit „Kapital- und Zinsgarantie” verkauft worden war. Viele Versicherungsnehmer wendeten sich Hilfe suchend an den VKI. Peter Kolba, Leiter der VKI-Rechtsabteilung, sieht hier einen Fall von Fehlberatung: „Von einem sicheren Produkt kann keine Rede sein. Bei einer Lebensversicherung, die nur auf einen einzigen Emittenten setzt, besteht ein Klumpenrisiko. Eine sicherere Alternative wäre eine fondsgebundene Lebensversicherung gewesen, die auf vielen verschiedenen Anleihen basiert.“ Zudem war die ÖVAG, als sie die Anleihen anbot, bereits auf Staatshilfen angewiesen.

... und Augenauswischerei

Die Garantiezusage der ÖVAG ist für Kolba nichts anderes als Augenauswischerei: „Da es sich bei Garant und Emittent um ein und dieselbe Person handelt, wird die Sicherheit des Produktes durch die Garantiezusage in keiner Weise erhöht.“ Besondere Kritik übt der Rechtsexperte daran, dass beim Verkauf der Anleihen und der Lebensversicherung ein Vergleich mit einem Sparbuch gezogen wurde – ein, so Kolba, mit Sicherheit unzulässiger Vergleich.

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Kommentare

  • Teilnajme an der Sammelaktion
    von 13620 am 29.09.2015 um 22:28
    Im Heft "Konsument" 10/2015, welches ich am 28.9.2015 erhielt, erfuhr ich durch den Artikel über die Sammelaktion des VKI, wo es laut Heft bis 30.9.2015 möglich ist einen Fragebogen zum Thema online auszufüllen. Auf der Webseite erfuhr ich dann dass dies nur bis 21.9.2015 möglich war. Einerseits danke an KONSUMENT sich für die Sache eingesetzt zu haben, andererseits würde ich mir als Jahrzehnte langer Abonnent ihrer Zeitschrift eine etwas zeit gerechtere bzw. auffälligere Information wünschen. Möglicherweise habe ich ja etwas übermerkt, da sonst nicht 2200 Personen an dieser Umfrage teilgenommen haben. Die Info in Heft 10/2015 kam auf alle Fälle zu spät und noch dazu mit falscher Datumsangabe.
  • ÖVAG/IMMIGON
    von REDAKTION am 29.09.2015 um 13:07

    Wir haben mit der ERGO-Lebensversicherungen zum Produkt "Rocket"/ÖVAG einen Vergleich erzielt; bitte lesen Sie auch den Artikel: http://www.konsument.at/geld-recht/ergo-lebensversicherungen-rocket-oevag-rahmenvergleich

    In der Sache geht es um folgendes: Sie haben bislang nur das von der ERGO übermittelte Angebot der IMMIGON erhalten. Der VKI-Vergleich baut darauf auf, sollte aber durch Zinsen jedenfalls auf einen Betrag kommen, der höher ist, als der den Sie einbezahlt haben. Bitte fordern Sie bei ERGO oder Ihrer vermittelnden Volksbank das Anbot für den VKI-Vergleich an.  Dann haben Sie die Wahl.
     
    Um es in Bildern auszudrücken:

    • Entweder Sie nehmen den „Spatz in der Hand“ (= Vergleichsanbot der ERGO) oder
    • Sie warten auf die „Taube auf dem Dach“ (= Kapital und Zinsen zur Fälligkeit durch IMMIGON)

    Zur Abwicklung des Vergleiches:
    Sie haben jetzt ein Rückkaufangebot der IMMIGON von Ergo mitgeteilt bekommen. Bitte wenden Sie sich an die vermittelnde Volksbank oder an die ERGO und teilen Sie mit, dass Sie den VKI-Vergleich annehmen wollen. Dann bekommen Sie seitens der ERGO ein neues Rückkaufangebot. Wenn dieses Rückkaufangebot in Ordnung geht, also die Zinsen angerechnet werden, dann nehmen Sie dieses Angebot fristgerecht vor dem 6.10.2015 an.
     

    Zur Berechnungsweise ein Beispiel:

    - Einmalerlag: 10.000 Euro
    - abzüglich 4% Versicherungs-Steuer: 400 Euro
    - ergibt: 9.600 Euro
    - zuzüglich 1,25% p.a.  Zinsen für 6 Jahre: 730 Euro
    - Anbot ERGO müsste ca lauten auf: 10.330 Euro
    - Die Nachzahlung der Versicherungs-Steuer von 7% übernimmt die ERGO

    Wenn das VKI-Vergleichs-Angebot über dem Rückkaufsangebot der IMMIGON liegt, dann sollten Sie, wenn Sie in Sicherheit sein wollen, das VKI-Vergleichsangebot annehmen.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • ÖVAG-Emissionen
    von wimgun am 20.09.2015 um 09:20
    Mit Datum 14. September 2015 bekam ich eine Brief der Volksbank OÖ über ein Rückkaufangebot meiner ÖVAG-Emissionen welche länger als bis 31.Dezember 2017 laufen. In diesen Zeitraum fällt die von mir abgeschlossene ROCKET Lebensversicherung aber auch der ÖVAG-FIX PLUS Garant 5 2013-2020 bei deren Abschluss am 3.9.2013 mir ein 100%-Kapitalschutz am Ende der Laufzeit garantiert wurde. Für mich stellt sich nun die Frage ob ich obiges Rückkaufangebot für diese Emission annehmen soll ?
  • Rocket ERGO ÖVAG und die Rolle der FMA
    von hlercher@lercher.cc am 24.07.2015 um 12:57
    Es scheint so zu sein, dass bei komplexeren Vorgängen die FMA nicht in der Lage ist die österreichischen Kapitalmarktkunden zu schützen, obwohl sie zu diesem Zweck errichtet wurde. Anfragen an die FMA zu diesen Rocket bzw ÖVAG Vorgängen werden mit einem nichtssagenden Serienbrief beantwortet und wird auf Vermögensberater, Rechtsanwälte, VKI und Arbeiterkammer verwiesen. Im Versicherungsvertrag steht ausdrücklich geschrieben, dass Ergo für das sorgfältige Vorgehen bei der Entscheidung für den Garantiegeber (ERgo ist die Nachfolgegesellschaft der Victoria Volksbanken Versicherungs AG) - ich gehe davon aus, dass Versicherungsverträge immer an die FMA zur Prüfung eingereicht werden und sehe darin wenig Sorgfalt auch bei der FMA wenn sie einen Garanten wie die ÖVAG aufgrund der Insidern damals (2009) bekannt gewesenen Problemen (Partizipationskapital etc)akzeptiert und solche Verträge nicht beeinsprucht. Mag. Helmut Lercher
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