KONSUMENT.AT - VW-Sammelaktion: noch immer keine Entschädigung - Vergleich als Ziel

VW-Sammelaktion: noch immer keine Entschädigung

Interview mit Ulrike Wolf

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KONSUMENT 12/2016 veröffentlicht: 14.11.2016

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KONSUMENT: Was ist das Ziel?
Wolf:
Unser Ziel ist es nach wie vor, über die hollän­dische Stiftung einen Vergleich mit VW abzuschließen. Falls es zu einem Vergleich käme, wäre dieser für ganz Europa gültig. Individuelle gerichtliche Auseinandersetzungen würden sich über Jahre hinziehen und sind für die Kunden nicht unbedingt zielführend, da sie ewig auf Entschädigung warten müssten. Ganz abgesehen davon, dass sie auch noch das Prozesskostenrisiko tragen. Aber auch der VW-Konzern sollte sich überlegen, zu kooperieren, weil er sonst auf absehbare Zeit nicht mehr aus den nicht gerade werbewirksamen Schlagzeilen kommt.


KONSUMENT: Aber VW zeigt sich alles andere als kooperativ.
Wolf:
VW weigert sich überhaupt, auch nur mit uns zu sprechen. Alle unsere Gesprächs- und Verhandlungsangebote wurden ausgeschlagen. Im Übrigen ganz im Gegensatz zu den meisten österreichischen VW-Vertragshändlern. Mit dem Rechtsvertreter der Händler haben wir zumindest einen Verjährungsverzicht ausgehandelt, der bis zum 31.12.2017 gilt. Die Liste dieser Händler findet man auf www.verbraucherrecht.at. Eingeschlossen sind alle etwaigen Ansprüche, die im Zusammenhang mit der in Fahrzeugen mit dem Motortyp EA 189 eingebauten Schummelsoftware bestehen. Erfasst sind auch bereits verjährte Ansprüche. Der VW-Konzern selbst hat hingegen nur eine unzureichende und irreführende Verzichtserklärung abgegeben.


KONSUMENT: Der VKI hat aufgrund der Verweigerungshaltung von VW weitere juristische Schritte unternehmen müssen?
Wolf:
Das ist richtig. Wir haben bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren eine Anzeige gegen VW eingebracht, der sich bereits rund 4.000 Personen privat angeschlossen haben. Das Verbandsverantwortlichkeitsgesetz eröffnet uns diese Möglichkeit. Danach kann ein Unternehmen direkt strafrechtlich verfolgt werden, wenn leitende Angestellte strafbare Handlungen begehen. Die Staatsanwaltschaft hat auch die Möglichkeit, zu klären, ob es zu einer Überschreitung der Abgaswerte käme, wenn die Schummelsoftware nicht eingebaut wäre. Für die Teilnahme als Privatbeteiligter verlangen wir einen Organisationsbeitrag von 90 Euro, ein weiteres Kostenrisiko besteht nicht.
 

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