KONSUMENT.AT - VW-Sammelaktion: noch immer keine Entschädigung - Unzulässige Abschaltvorrichtung

VW-Sammelaktion: noch immer keine Entschädigung

Interview mit Ulrike Wolf

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KONSUMENT 12/2016 veröffentlicht: 14.11.2016

Inhalt

KONSUMENT: Die unzulässige Manipulation wurde ja nicht nur in den USA gerichtlich fest­gestellt, auch in Europa liegen bereits entsprechende Gerichtsurteile vor.
Wolf:
Das Landgericht München hat im Urteil vom 14.4.2016 festgestellt, dass die Angaben von VW zum Schadstoffausstoß objektiv unrichtig waren, weil jedenfalls der Stickoxidausstoß höher ist, als bei Vertragsabschluss vereinbart war. Das Landesgericht Linz gab dem Besitzer eines VW-Touran-TDI-Modelles recht. Im Urteil vom 13.6.2016 kommt die Richterin zu dem Schluss, dass das Fahrzeug eine unzulässige Abschaltvorrichtung enthält, über die der Kunde nicht aufgeklärt wurde. Somit liege ein Irrtum durch Unterlassen vor. Der Kunde habe demgemäß Anspruch auf Rückzahlung des geleisteten Kaufpreises abzüglich des Gebrauchsnutzens. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig.


KONSUMENT: Der Schaden für die Verbraucher ist also bereits eingetreten?
Wolf:
Definitiv! Der führende Internetvergleichsdienst Comparis Schweiz hat Ende August dieses Jahres Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass die Online-Preise von gebrauchten Dieselautos aus dem VW-Konzern deutlich stärker gesunken sind als die Preise von Dieselfahrzeugen anderer Hersteller. Comparis schätzt den Wertverlust der Modelle aus dem VW-Konzern durchschnittlich auf gut 25 Prozent. Bei der Konkurrenz waren es demnach im Schnitt bloß 4 Prozent. Die Zahlen sind gut abgesichert. Sie basieren auf einer Analyse von 22.000 Inseraten der acht größten Online-Auto-Plattformen. Der Markt scheint das Vertrauen in die betroffenen Modelle verloren zu haben, was zum Preisverfall führt. Da sich der Schaden beim Autoverkauf realisiert, ist VW also zum Schadenersatz verpflichtet.


KONSUMENT: Aber VW hat doch eine große Rückrufaktion gestartet. Dabei sollen die manipulierten Dieselautos umgerüstet werden. VW behauptet, dass daraus keine nachteiligen Veränderungen von Verbrauchswert, Leistungsdaten oder Geräuschemissionen entstehen.
Wolf:
Dem scheint leider nicht so zu sein. Abgesehen davon, dass die Rückrufaktion sehr schleppend verläuft, verweigert VW ja bislang sogar eine Garantieerklärung für die Umrüstung beziehungsweise das Softwareupdate.

 

KONSUMENT: Gibt es denn Hinweise, die darauf schließen lassen, dass es durch die Umrüstung zu Beeinträchtigungen kommt?
Wolf:
Die gibt es in der Tat. Uns liegen bereits mehrere Reklamationen und Beschwerden von VW-Diesel-Besitzern vor. Ein Betroffener berichtete uns, dass es bei der Beschleunigung im Bereich von 1900 bis 2100 Umdrehungen pro Minute zu einem merkbaren Leistungsabfall gekommen sei. Mehrere andere Dieselbesitzer verzeichnen einen Mehrverbrauch. Uns liegen auch Beschwerden über Klopfgeräusche beziehungsweise lautere Motorgeräusche, besonders im niedertourigen Bereich, vor.
 

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