KONSUMENT.AT - Wegefreiheit: Was darf man im Wald? - Getarnte Verfügungen

Wegefreiheit: Was darf man im Wald?

Jäger oder Sammler

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KONSUMENT 5/2011 veröffentlicht: 18.04.2011, aktualisiert: 24.06.2011

Inhalt

Von Wildwuchs bis Urkundenfälschung

Es gibt aber daneben einen regelrechten Wildwuchs von nicht selten willkürlichen Verfügungen, die von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich gehandhabt werden. Das können Naturschutz- oder Wildschutzgebiete oder jagdliche Sperrgebiete sein. Gerade Letztere sind stark im Zunehmen begriffen; oft handelt es sich um sehr große Flächen, ganze Gebirgszüge oder Täler, von denen die Allgemeinheit ausgesperrt wird. Gerne werden rein jagdlich motivierte Sperren auch als Wildschutz- oder Naturschutzgebiet getarnt.

Steiermark und Vorarlberg am schlimmsten

Am schlimmsten ist laut dem Österreichischen Alpenverein die Situation in der Steiermark und in Vorarlberg, vergleichsweise liberal geht es in Niederösterreich oder Tirol zu. Der Stellenwert des Tourismus und die Größe der Waldbesitzungen spielen dabei offenbar eine große Rolle. Wo das Geschäft mit den Touristen blüht, scheint man an Jägern weniger interessiert zu sein; Großgrundbesitzer neigen wiederum mehr den Jagdgästen zu – nicht unverständlich, wenn man bedenkt, dass man mit einem einzigen Abschuss 10.000 Euro und mehr verdienen kann.

81 % in Privatbesitz

Zu den größten privaten Waldeigentümern gehören die Familien Esterházy, Habsburg-Lothringen und Liechtenstein oder Indus­trielle wie Mayr-Melnhof; nicht zu unterschätzen sind auch kirchliche Institutionen (wie die Stifte Lilienfeld oder Klosterneuburg). Nur 19 Prozent des österreichischen Waldes sind in öffent­licher Hand; 81 Prozent sind privat, das ist ­europaweit fast unerreicht (nur Por­tugal hat einen noch höheren Privatanteil).

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Kommentare

  • Gefähliche Ratschläge, komplett an der Realität vorbei!
    von o-nd am 04.06.2017 um 12:49
    Beim Lesen dieses Artikels bekomme ich schnell und stark zur Vermutung, dass hier persönliches Wunschdenken eines Journalisten der Vater des Artikels war. Leider enthält er grundsätzlich falsche, ja sogar gefährliche Inhalte! Es beginnt schon in der Einleitung: "In jedem Fall gilt allerdings der Grundsatz: Jeder Mensch hat ein Anrecht darauf, die ­Natur aus Erholungsgründen zu betreten. Auch private Eigentümer dürfen dieses Recht nicht infrage stellen. Der Erholungsuchende ist kein Bittsteller, auch wenn diese Vorstellung in vielen Köpfen noch herumgeistern mag." Öhm. Wo steht denn das?!? In Österreich ist Grundbesitz prinzipiell das Eigentum einer (juristischen oder natürlichen) Person. Der Besitzer hat - _mit_einer_einzigen_Ausnahme_ - das Recht, das Betreten seines Besitzes zu erlauben oder zu verbieten! Diese Ausnahme ist das Forstgesetz, zu dem ich später noch kommen werde. Aber alle anderen Spielarten von "Natur" sind davon nicht erfasst! Jede Wiese, Moor, Sumpflandschaft, Gewässer, wasauchimmer ist erstmal Privatbesitz. Diesen ohne Einwilligung des Besitzers zu betreten ist strafbar! Auch das Sammeln von Waldfrüchten (Beeren, Schwammerln, …) ist eine Angelegenheit des Grundbesitzers. Hier gibt es zwar eine pauschale Erlaubnis (bis zu zwei kg Schwammerl, Beeren o.ä. für den eigenen Bedarf), allerdings kann diese vom Eigentümer jederzeit widerrufen werden. Zur Urkundenfälschung: Kompletter Schwachsinn!!! Im besten (schlimmsten) Fall handelt es sich um die Ausstellung einer Lugurkunde, was jedoch strafrechtlich nicht relevant ist. Die Idee, „ungesetzliche oder veraltete Tafeln dürfte man eigentlich entsorgen…“ ist nicht nur inhaltlich falsch, sondern geht sogar in Richtung Aufforderung zu mit Strafe bedrohten Handlungen (§ 282 StGB). Nicht der Wanderer, sondern der Grundbesitzer oder sonstige Verfügungsberechtigte hat zu bestimmen, ob eine Tafel Abfall ist oder nicht. Sie mag inhaltlich falsch sein und darf ignoriert werden, aber sie deswegen zu entwenden ist schlicht und ergreifen Diebstahl! Hinzu kommt, dass zumindest das grün/weiße Schild definitiv der geltenden Gesetzeslage entspricht. Das Betretungsverbot _muss_ sogar draufstehen! §34 der NÖ Jagdverordnung lautet: „Zur Kennzeichnung von … Fütterungsbereichen und Wildschutzgebieten, sind die in der Anlage 21 enthaltenen Tafeln zu verwenden. Die kreisrunden Tafeln sind in grüner Farbe mit einem in der Mitte horizontal verlaufenden weißen Streifen auszuführen. Der Durchmesser hat 40 bis 45 cm zu betragen, während der weiße Streifen eine Breite von etwa 1/5 des Durchmessers aufzuweisen hat. Die Tafeln haben in schwarzer Aufschrift die Worte “Jagdliches Sperrgebiet Betreten verboten” bzw. “Befristetes jagdliches Sperrgebiet Betreten verboten” bzw. “Wildschutzgebiet betreten verboten” zu enthalten“. Zum Gewohnheitsrecht: §33 ForstG regelt eindeutig, dass für das Betreten im Wald keine Ersitzung stattfinden kann. Ersitzungen können in diesem Zusammenhang allenfalls auf Wegen und Straßen vorkommen. Wird eine Straße jedoch widerrechtlich betreten so schließt dies eine Ersitzung aus. Und – last but not least – kommt in den Leserreaktionen wieder jene komplette Unkenntnis des österreichischen Rechtssystems durch. Da wird der Stufenbau der Rechtsordnung mit einem lapidaren Satz („Leider wird versucht, mit jagdrechtlichen Bestimmungen der Länder bundesgesetzliche Regelungen zu umgehen.“) vom Tisch zu wischen. Fast schon komisch, wenn es nicht in einem seriösen Format (wie eben bei konsument.at) veröffentlicht wäre…
  • Dies und das
    von mascheko am 02.06.2011 um 13:18
    - Eine Ersitzung dürfte eigentlich nicht eintreten: § 33 ForstG (5) "Durch die Benutzung des Waldes zu Erholungszwecken tritt eine Ersitzung (§§ 1452 ff. ABGB) nicht ein." - Wieso soll das Schild im Wald rechtlich als "Abfall" gelten? § 2 AWG regelt klar die Begriffsdefinition. - In der Zusammenfassung steht, dass man überall Ski fahren darf - ausgenommen in bestimmten Verbotszonen und Sperrgebieten. Eigentlich ist es nach $ 33 ForstG (3) genau umgekehrt: Es ist nirgends erlaubt, AUSSER im Bereich von Aufstiegshilfen, dort nur auf markierten Pisten oder Schirouten. Zum Vorredner: Das Hunde-Leine-Problem existiert besonders in der Lobau als klassischem Naherholungsgebiet. Hier gilt das Wiener Nationalparkgesetz §6 (3), Hunde sind an der Leine zu führen. Fahrradfahrer müssten sich eigentlich auch hier (wie z.B. auf mit Fußgängern gemeinsam benützten Wegen wie Donauinsel/Donaukanal) an §20 StVO (1) halten: "Der Lenker eines Fahrzeuges hat die Fahrgeschwindigkeit den gegebenen ... Umständen, insbesondere den Straßen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen, sowie den Eigenschaften vom Fahrzeug ... anzupassen."
  • Interessanter Beitrag!
    von powerplana am 26.05.2011 um 15:25
    Hab ich in dieser Form noch nirgendwo gelesen, bravo KONSUMENT!!!!
  • Schöner Beitrag
    von Malowan80 am 09.05.2011 um 11:26
    ... Was mich immer wieder stört sind die vielen Hundehalter, die ihre Viecherl ohne Leine herumrennen lassen. Und dann wären da noch die Mountainbiker, die davon ausgehen, dass Fussgänger zur Seite springen müssen (mehrfach im Helenental erlebt).