KONSUMENT.AT - Wirtschaftsbegriffe: Gefühlte Inflation - Mit offenen Karten spielen

Wirtschaftsbegriffe: Gefühlte Inflation

Das Gefühl täuscht nicht

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KONSUMENT 6/2016 veröffentlicht: 25.05.2016

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Der Bauch lügt nicht

Die stark gestiegenen Kosten fürs Wohnen und Essen werden mittlerweile auch in Haushalten mit mittleren Einkommen mehr und mehr zum bestimmenden Ausgabenfaktor und erzeugen daher – trotz im Durchschnitt niedriger Teuerungsrate – in breiten Bevölkerungskreisen das unbestimmte Gefühl, dass die Preise weitaus schneller davon­galoppieren, als der Verbraucherpreisindex vermuten ließe.

Die Statistik zeigt, dass das Bauchgefühl nicht trügt: Eine Berechnung anhand der realen Daten von Jänner 2010 bis Jänner 2014 ergibt für einkommensschwächere Haushalte eine Teuerungsrate von 11,9 %, für die einkommensstärkeren eine Teuerungsrate von nur 5,3 %.

Lohnsteigerungen und Kaufkraftverlust

Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu, lautet eine alte Volksweisheit. Das belegt ein wei­terer Aspekt der unausgewogenen Infla­tionsbelastung: Bei einkommensschwachen Haushalten gleicht die Inflationsanpassung von Lohn oder Gehalt meist gerade den Kaufkraftverlust aus, zum Sparen bleibt ­wenig bis nichts.

Wer überdurchschnittlich hohe Bezüge hat und von der Inflation ­weniger stark betroffen ist, kann hingegen das, was übrig bleibt, in gewinnbringende Geldanlagen stecken und somit einen doppelten Ertragseffekt erzielen. Folge: Die Einkommens­schere geht auf; die Reichen ­werden immer reicher, die Armen immer ärmer – mit allen gesellschaftlichen Folgewirkungen.

Unterteilung in Einkommensgruppen

Abhilfe könnte als erster Schritt eine stärkere Unterteilung des Verbraucherpreisindex in ­unterschiedliche Einkommensgruppen schaffen. Der VPI wurde zu einer Zeit entwickelt, ­ als statistische Berechnungen noch sehr aufwendig waren und Rechenzeit teuer. Mittlerweile ist Rechnerleistung kein (Kosten-)Thema mehr, und mit gutem Willen und überschau­barem Aufwand ließen sich einkommens­spezifische Preisindizes entwickeln.

Mit offenen Karten spielen

Kluge Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft würden die unterschiedlichen Inflations­belastungen bei Verhandlungen berücksich­tigen, weil sie ­wissen, dass ein kontinuier­licher Kaufkraftschwund und eine Verarmung immer größerer Bevölkerungs­teile auch einen Schaden für die gesamte (Volks-)Wirtschaft mit sich bringt: Die Nachfrage sinkt, die Arbeits­losigkeit nimmt zu. Mit offenen Karten (und rea­listischen Inflations­raten) zu spielen, würde sich langfristig für alle Beteiligten rechnen.

Selber vergleichen

Die Statistik Austria bietet online einen Persönlichen Inflationsrechner, bei dem der Warenkorb gemäß der Ausgabenstruktur des eigenen Haushalts umgestellt und die sich daraus ergebende Inflationsrate berechnet werden kann:  http://www.statistik.at/persoenlicher_inflationsrechner .

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Kommentare

  • vielen Dank
    von derkonsument am 16.06.2016 um 21:07
    für diesen verständlichen Artikel einer für den Otto-Normalverbraucher eher unverständlichen Materie!