Wirtschaftsbegriffe: Versicherungen

Maßgeschneidert

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KONSUMENT 12/2016 veröffentlicht: 24.11.2016

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Ohne Versicherte kein Schutz

Auch Felix Hufeld, Präsident der Bundes­anstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht in Deutschland, dem Pendant zur heimischen Finanzmarktaufsicht, sieht den Trend zur ­Individualisierung kritisch: "Maßgeschneiderte Versicherungsprodukte und immer kleinteiligere Tarifierungsmerkmale, die da­rauf ausgelegt sind, den Kunden möglichst exakt nach seinem individuellen Risikoprofil abzubilden, laufen dem Versicherungs­gedanken tendenziell zuwider."

Natürlich müssten Produktinnovationen möglich sein und Versicherungsangebote den Bedürfnissen angepasst werden. Das schließe etwa das Angebot "cooler Apps" ausdrücklich mit ein. Entscheidend sei aber, darauf zu achten, dass Anreizsystem und Risikoselektion die Grundidee einer Versicherung nicht aushöhlten oder beschädigten.

Gesellschaftsgruppen nicht ausschließen

"Versicherung muss auch künftig das so wichtige Gefühl von Sicherheit vermitteln und ihren Rang als erfolgreichste Form ökonomisch organisierter Solidarität bewahren", meint der deutsche Finanzmarktexperte, denn "der faktische Ausschluss ganzer Teile der Gesellschaft vom Versicherungsschutz wäre gleichzeitig das Ende von Solidarität" – und würde wohl auch über kurz oder lang ­einen Großteil der Versicherungsgesellschaften zugrunde gehen lassen, denn neben den "guten" Risiken macht vor allem die breite Masse an Versicherten die Geldtöpfe voll.

Auf das Wesentliche konzentrieren

Jedem Einzelnen steht auf jeden Fall schon einmal die Option offen, sich auf die wesentlichen Risiken zu konzentrieren und die eine oder andere Kleinversicherung auszuschlagen. Das Leben lässt sich auch ohne Ver­sicherungsschutz für Brillen, Handys, verstopfte Abflüsse oder stecken gelassene Wohnungstürschlüssel in der Regel ziemlich gut meistern.

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Kommentare

  • Scheibchenweise Hausversicherung
    von Dunkelsteinerwald am 20.12.2016 um 00:12
    Eine neue "auszahlungsschonende" Idee ist es, ein Haus nicht mehr als Ganzes zu versichern, sondern jede Etage (von Keller bis Dachboden) einzeln. Während bei Ganzhausversicherungen im Schadensfall immer die ganze Versicherungssumme gilt (auch wenn nur ein Stockwerk betroffen ist), gilt jetzt nur die Etagenversicherungssumme. Zusätzlich entsteht Rechtsunsicherheit : was ist, wenn es nur im Erdgeschoß gebrannt hat und die darüberliegenden Stockwerke unversehrt geblieben sind - wegen der Instabilität des Erdgeschoßes aber das ganze Haus abgerissen werden muss ? Aus meiner Sicht : eine neue Falle, wie im Schadensfall nicht das gesamte Schadensausmaß ausbezahlt werden muss.
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