KONSUMENT.AT - Wirtschaftsbegriffe: Geld - Vom Edelmetall zur virtuellen Währung

Wirtschaftsbegriffe: Geld

Kein Wert an sich

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KONSUMENT 4/2016 veröffentlicht: 23.03.2016

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Geburt des virtuellen Geldes

Einige Hundert Jahre später, im 17. Jahrhundert, bauten findige Goldschmiede in England diese Idee weiter aus, indem sie Edelmetalle und Münzen aus Gold und Silber in Verwahrung nahmen und ihren Kunden ­dafür Quittungen ausstellten, die bald wie Geld umliefen.

Gleichzeitig saßen die Goldschmiede dadurch auf einem beträchtlichen Edelmetallbestand, der nicht beansprucht wurde. Also verliehen sie die Münzen, die sie eigentlich nur als Sicherstellung verwahrten, und gaben gleichzeitig Quittungen an Per­sonen aus, die dafür kein Edelmetall hinterlegt hatten.

Das Buchgeld oder Giralgeld war geboren, also Geld, für das keinerlei physischer Gegenstand mehr vorhanden ist, sondern das nur noch als Zahlen in Geschäftsbüchern oder auf Kontoauszügen – mittlerweile auch in digitalen Medien als Bits und Bytes – vorhanden ist.

Vom König zur Notenbank

Mit zunehmender Entwicklung des Geld­systems zeigte sich, dass für ein langfristiges Funktionieren einige hoheitliche Regelungen notwendig waren. Willkürlich agierende Herrscherhäuser und Kirchenvertreter mussten ihre geldpolitischen Agenden immer mehr abgeben, nationale Notenbanken wie heute die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und die Europäische Zentralbank (EZB) übernahmen zunehmend Druck und Ausgabe von Münzen und Banknoten für den jeweiligen Staat.

Edelmetalldeckung immer stärker aufgeweicht

Ursprünglich mussten die Notenbanken für das ausgegebene Geld auch die gleichwertige Menge an Gold und Silber (Edelmetalldeckung) halten. Durch den ständig steigenden Umlauf von Bank­noten und die Erkenntnis, dass nicht alle Banknoten gleichzeitig zum Umtausch in Münzen vorgelegt werden, wurde diese Deckung jedoch immer stärker aufgeweicht.

Gold als einzig echte Reserve

Tatsächlich bleibt das Edelmetall aber die einzige echte "Reserve" einer Notenbank, die zum Beispiel bei einem Wertverfall des "Papiergeldes" handelbar wäre. Aktuell gibt es in einigen Euro-Ländern, allen voran in Deutschland, den Niederlanden und Österreich, den Trend, die zum Teil im Ausland gelagerten eigenen Goldreserven wieder verstärkt in die jeweiligen nationalen Notenbanken zurückzuholen.

So will zum Beispiel die OeNB bis 2020 wieder rund 80 Prozent der insgesamt 280 Tonnen Gold im Gesamtwert von 9,8 Milliarden Euro in den heimischen Speichern gelagert haben. Offizielle Begründungen dafür gibt es nicht; Auslöser dürften aber (finanz-)politische ­Ereignisse wie die Finanz- und Bankenkrise ab 2008 oder auch Wirtschaftssanktionen als neu entdeckte diplomatische Wunderwaffe sein.

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