KONSUMENT.AT - Geoblocking - Hoffnung: neue EU-Verordung zu Geoblocking

Geoblocking

Von wegen freier Handel

Seite 2 von 3

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 10/2016 veröffentlicht: 29.10.2016, aktualisiert: 31.10.2016

Inhalt

Urteil gegen Deutsche Bahn

In einem derartigen Fall führte der VKI im Auftrag des Sozialministeriums übrigens erst kürzlich eine Verbandsklage gegen die Deutsche Bahn AG. Das Unternehmen erlaubt lediglich Kunden mit deutschem Konto die Zahlung über ein Lastschriftverfahren. Das Handelsgericht Wien entschied, dass diese Einschränkung unzulässig sei. Das ­Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, es dürfte ­allerdings wegweisend sein.

Selektive Marktsperre

Wie gefinkelt die Preisgestaltung im Netz ist, illustriert ein anderer Fall: Dem Euro­päischen Verbraucherzentrum wurde eine Liste des Reiseveranstalters TUI Österreich GmbH zugespielt. Demnach ist es Ver­brauchern aus Ungarn, Tschechien, der ­Slowakei, Slowenien, Estland, Litauen, Lettland, Kroatien, Bulgarien und Rumänien nicht erlaubt, diverse Hotels (etwa in der Türkei, Bulgarien oder Griechenland) über den Reiseveranstalter TUI Österreich GmbH zu buchen. Begründet wird diese selektive Marktsperre für Kunden aus bestimmten Ländern nebulos mit „Exklusivität und ­unterschiedlicher Preisstruktur in den Quellmärkten“.

EU-Verordnung zu Geoblocking

Das EVZ macht seit Jahren auf die Missstände im Internethandel aufmerksam und unterstützt Verbraucher, die von Geoblocking betroffen sind. „Oft sind wir erfolgreich, aber es kann nicht sein, dass es immer ­wieder eine Intervention braucht, damit Konsumenten zu ihrem Recht kommen“, sagt Reinhold Schranz. Der Jurist setzt deshalb große Hoffnungen in eine neue EU-Verordnung. Ein erster Entwurf liegt zwar vor, Schranz sieht allerdings noch Nach­besserungsbedarf: „Den Anbietern soll es zwar untersagt werden, den Zugang von Kunden zu ihrer Online-Schnittstelle aus Gründen der Staatsangehörigkeit, des Wohnsitzes oder des Ortes der Nieder­lassung durch technische Mittel oder auf anderem Wege zu sperren oder zu beschränken, aber das ist natürlich nicht ausreichend.

Es muss auch klar sein, dass der Einkauf selbst nicht verweigert werden darf.“ Ebenfalls unbefriedigend ist für den EVZ-Juristen, dass sich der Kunde unter Umständen selbst um den Versand der Ware kümmern muss. „Wenn ich im Ausland etwa Möbel bestelle und dann den Versand selbst in die Hand nehmen muss, wird der Internethandel ad absurdum geführt, weil eine künstliche Hürde aufgebaut wird. ­Damit wird Geoblocking gefördert anstatt beendet.“

 

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
31 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Geoblocking
    von REDAKTION am 04.04.2017 um 08:40
    Die Verordnung wird derzeit im Europäischen Parlament verhandelt. Wir rechnen damit, dass sie Ende des Jahres beschlossen wird.Ein genaues Datum können wir allerdings nicht nennen.
  • Geoblocking
    von wolfarl am 03.04.2017 um 12:32
    Ich kaufe viel bei Amazon, aich für mein Büro. Denn es ist billiger als der Firmeneinkauf. Bevor ich zu den Problemen komme : Ja ich versuche wirklich lokal zu kaufen - aber leider ist das service zB bei den Baumärkten so schlimm - Gardena Brause mit Stil für einen 3/4" Schlauch und Kupplung ... insgesamt 4h und Benzin vertan, weil : " haben wir nicht" "Finden wir nicht" "was wollen Sie" - bei einem ein Schld gefunden aber ausverkauft. Amazon in 3 Minuten gefunden und war billiger als bei der einzeigen möglichen Quelle. Aber : zunehmen werden Angebote NICHT nach Österreich verschickt und ich komme auf keinen grünen Zweig, wovon das abhängt und das sind beileibe kein ausgerüssenen Güter. Schuhe, höherprozentige Alkoholika, Computer Harddisks, Switches - ich habe ein ganze Sammlung davon. Und Vieles davon schon einmal von Amazon erhalten. Auch unabhängig davon, ob das von einer Drittfirma kommt oder dierekt von Amazon verkauft und versandt wird. Weder schriftliche noch mündliche Erklärungen sind irgendwie stichhaltig, unter Nachdruck wird an impresssum@amazon.de verwiesen. Echt ärgerlich - ein so großér Konzern könnte ja wohl klare Richtlinen haben und veröffentlichen. Am schäfsten finde ich immer den kommentar "Artikel kann nicht nach Österreich verschickt werden" - besonders wenn ich den gleichen Artikel schon einmal erhalten habe ... Ich wünsche mir auch noch bitte die Information vom VKI, wann man denn mit der neuen EU Verordnung rechnen kann ....
  • Original Geoblocking, garantiert hausgemacht
    von NETclub50plus am 27.10.2016 um 19:34
    Es ist nicht nur der böse Handel, der nicht nach Österreich liefern will. Auch unserer Politiker haben erheblichen Anteil daran. Etwa bei elektronischen Zigaretten. Die haben sie in einem der zahlreichen Anfälle von "Wir-sind-die-EU-Musterschüler" mit Novellierung des Tabakgesetztes 2015 gleich weitgehend mit verboten, obwohl sie zunehmend auch von der Wissenschaft als probates Mittel zur Reduktion des Zigarettenrauchens eingestuft werden. Eine entsprechende Vorschrift der EU zum Verbot besteht nicht! #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#- Die Folge: Alle österreichischen Webshops mussten zusperren, es gibt keinen Versand mehr. Auch nicht an Erwachsene mit Altersprüfung, auch nicht von nikotinfreien Liquids, auch nicht für Ersatzteile etc ... Nichts. Hergezeigt darf die Ware noch werden im Internet, verkauft nicht. Wer am Land lebt, wo es keinen Dampfer-Shop geben mag, der hat Pech gehabt das ist die österreichische Variante von Geo-Blocking. Der Dampfer wird in vielen Fällen zum Glimmstengel zurückkehren. Damit bringt er sich zwar um, bezahlt bis dahin aber brav Tabaksteuer. #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#- Aufgrund der österreichischen G‘schaftlhuber-Regelung versenden auch ausländische Shops (inkl. Amazon) nicht mehr nach Österreich. Hausgemachtes Geo-Blocking eben. Es bleibt nur der Umweg über eine deutsche Lieferadresse. #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#- PS: Ich hatte während der Beratungen im zuständigen Ausschuss des Nationalrates jeden einzelnen mit der Entscheidungsfindung befassten Abgeordneten persönlich angeschrieben. Geantwortet hat nur ein Abgeordneter der FPÖ, der sich gegen dieses haarsträubende Verbot aussprach. Überstimmt.
  • @ Deutsche Lieferadresse
    von NETclub50plus am 06.10.2016 um 18:15
    Auch ich verwende seit Jahren eine deutsche Lieferadresse bei logoix.com. Das funktioniert problemlos und hat mir schon geholfen, eine ganze Menge Geld zu sparen. So kaufte ich bei einer deutschen Kette ein E-Bike, das dort um 500 Euro billiger als in Österreich angeboten wurde. Leider kein Versand nach Österreich. Also an Logoix in Freilassing senden lassen, die haben es noch am selben Tag per Spedition nach Wien transportiert. Das hat so um die 50 Euro gekostet. 450 Euro gespart. #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-# Es lohnt sich oft auch bei kleineren Sendungen, da die Gebühren von D nach AT ja viel geringer sind als in die umgekehrte Richtung. Bis zu einem Kilo kostet die Nachsendung 4,95 Euro, bis zu 10 Kilo 6,95 Euro. Das liegt manchmal sogar unter den Versandaufschlägen, welche Händler auf Amazon (und vor allem eBay) als für Österreich berechnen. #-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-#-# Einziger "Nachteil" bei logoix.com: Die Website ist recht unübersichtlich, man muss sich ordentlich durchklicken. Am besten Menü "Versand" - "Preisübersicht" informieren.
  • Amazon
    von Seher3 am 05.10.2016 um 01:12
    Gerade Amazon versendet viele Artikel nur nach Deutschland. Wenn dann doch mal nach Österreich versendet wird, wird zuerst der billigere deutsche Preis angezeigt. Erst zum Schluss der Bestellung wird der höhere österreichische Preis (höhere MwSt) angezeigt.