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Abführmittel

Oft unnötig

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Konsument 2/2001 veröffentlicht: 01.02.2001

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Fehlbehandlung und Missbrauch

So kommt es aus Unwissenheit häufig zu Fehlbehandlung. In Österreich wandern jährlich nahezu 3,5 Millionen Packungen Abführmittel (Laxantien) über den Ladentisch. Obwohl ihr Absatz allmählich zurückgeht, haben sie einen festen Platz in der Selbstbehandlung und sind für die Pharmaindustrie und den Arzneihandel ein attraktiver Posten. Gefährlich ist es, wenn Abführmittel überdosiert oder ohne triftigen Grund angewendet werden. Häufig nehmen junge Frauen Abführmittel, um schlank zu bleiben. Doch dafür sind Laxantien gar nicht geeignet. Menschen mit psychischen Problemen und Essstörungen wie Mager- oder Brechsucht (Anorexie, Bulimie) greifen oft zu Abführmitteln. Langfristig schädigt Missbrauch den Körper: Der Wasserhaushalt wird gestört, es kommt zu Kalium- und Magnesiummangel. In der Folge erschlafft der Darm – manchmal bis zur Lähmung –, und Hämorrhoiden können sich verschlimmern. Kindern sollte man ohne ärztliche Verordnung überhaupt keine Abführmittel verabreichen.

Eine falsche Lebensführung – zum Beispiel zu viele Süßigkeiten, zu wenig Ballaststoffe, Trägheit – ist viel seltener Ursache, als gemeinhin unterstellt wird. Häufig beeinflussen die gesellschaftlichen Lebensumstände das Stuhlverhalten: Wenn Kinder nur in der „Klopause“ Stuhl absetzen dürfen oder Erwachsene den Drang zurückhalten müssen, weil die Stechuhr oder fixe Termine es verlangen, bleibt der Stuhldrang schließlich aus. Nicht selten schlagen sich Probleme und Stress im Arbeitsumfeld oder dramatische emotionale Ereignisse auf die Verdauung. Auch Reisende kennen das Phänomen: Auf fremden Toiletten will es oft tagelang nicht klappen. Bei älteren Menschen sind die Ursachen oft stopfende Medikamente (zum Beispiel Beruhigungs- und Schlafmittel, aluminiumhaltige Säurebinder, krampflösende Mittel und Opioide) oder Bettlägrigkeit.

Wer ein anhaltendes Problem mit erschwertem Stuhlgang hat, sollte Rat beim Arzt suchen. Dieser wird die Ursachen abklären und möglichst ausschalten: Gegen milde Verstopfung helfen Verhaltensänderungen (siehe Kasten Vorbeugen). Bei akuter Verstopfung durch Hämorrhoiden, Nervenverletzungen oder Tumore muss operiert werden. Gegen Stuhlabsetzprobleme kann Biofeedback-Training, bei Stress eine psychotherapeutische Behandlung helfen. Bei chronischer Verstopfung sind Abführmittel angebracht: Je nach dem Schweregrad richtig dosiert, entsteht weicher, nicht flüssiger Stuhl.