Allergen-Verordnung

Achtung, Küche für Abenteurer!

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KONSUMENT 8/2015 veröffentlicht: 30.07.2015

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Viele Wirte fanden unfreundliche Worte für die EU, als im vergangenen Winter die Allergen-Verordnung in Kraft trat, mittlerweile ist ein Gewöhnungseffekt eingetreten. - "Kunde König“, ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasböck
Alois Grasböck

Selbst der übervorsichtigste Gast kann dank Information nun sicher sein, dass sein Gulasch mit Knödel weder Erdnüsse noch Weichtiere enthält. Die Bürokraten, Verzeihung, die fürsorglichen Gesetzgeber betrachten die Allergen-Verordnung sicher als Erfolg und Segen. Das birgt leider die Gefahr, dass sie zu weiteren einschlägigen Taten motiviert werden könnten.

Achtung Eier, keine Warnung vor Fett

Beim schon erwähnten Gulasch zum Beispiel. Für Allergiker ist es wertvoll, vor den Eiern im Semmelknödel gewarnt zu werden. Aber hätten die anderen Gäste nicht mehr davon, wenn man sie über einen hohen Anteil an Fett und Flachsen informieren müsste? Dieser Gedanke könnte einem Wichtigmacher, Verzeihung, einem engagierten Beamten oder Volksvertreter schon kommen. Wo doch besonders das Fett zur Geißel der Übergewichtigen geworden ist, die Warnung hätte damit auch einen gesundheitlichen Hintergrund.

Speisen im Urlaub

Oder in der Fremde, speziell im Urlaub, kann der Gast bittere Enttäuschungen erleben. Erst als er schon bestellt hat und es also zu spät ist, fällt ihm auf, dass die Bedienung ausländerfeindlich wirkt. Die Nudeln sind derart al dente, dass man sie eigentlich Draht nennen müsste, das Fleisch strebt offenbar einen Weltrekord an Zähigkeit an. Danach ist es fast schon logisch, dass man ihn auch noch bei den Getränkepreisen neppt.

"Wirt mag keine Piefke"

Eine EU-weite Regelung würde eventuell viel Leid verhindern. Ähnlich der Allergen-Verordnung könnte sich jemand eine Auszeichnungspflicht ausdenken. Mit Buchstaben an der Tür. A steht für „Extrem rustikale Küche, nur für Abenteurer“, B für „Wirt mag keine Piefke, Österreicher schon“ und so weiter. So, genug gescherzt! Sollte etwas Ähnliches tatsächlich verwirklicht werden, verlangen wir eine Kennzeichnungspflicht für die Zuständigen: "Vorsicht! Mischen sich in jeden Schmarrn ein!“

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Kommentare

  • Was ist schon Glutenfrei !?
    von gd am 02.08.2015 um 17:55
    Seit wir draufgekommen sind, dass meine Frau Gluten nicht verträgt, sind wir sehr froh, dass es diese Verordnung gibt. Also nicht nur Bürokraten, sondern vor allem die Betroffenen betrachten diese Verordnung als Erfolg und Segen. Ob das Gulasch mit Knödel keine Erdnüsse enthält würde ich nicht unterschreiben, vielleicht gibt jemand einen Schuss Erdnussöl dazu. Oder wussten Sie, dass Pommes Frits – eigentlich Erdäpfel und ein bisschen Öl und sonst nichts – in einem Lokal Gluten enthält, in einem anderen wieder Laktose und in einigen wirklich nur Erdäpfel sind. Es ist natürlich leicht sich über solche Sachen lustig zu machen, vor allem wenn man so im Vorbeigehen auch auf die EU hinhauen kann.
  • Kennzeichnung
    von Vinazzer am 30.07.2015 um 14:36
    Herr Grasböck weiß offenbar nicht, dass mindestens 10 % der Bevölkerung in Mitteleuropa Gluten und andere Eiweiße in Weizen nicht vertragen. Es tut jedem gut, Weizen und anderes glutenhaltiges Getreide zu meiden. Die Lebensmittelindustrie hat selbstverständlich kein Interesse daran, dass dies publik wird. Zum Thema Fett: Die Kombination mit Kohlehydraten, insbesondere mit Zucker, macht FETT. Ja ich wüsste tatsächlich gerne, WELCHE Fette in Restaurants verwendet werden, viele davon machen krank, da sie zu viel Omega 6 enthalten. Aber auch davon hat Herr Grasböck offenbar keine Ahnung.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo