KONSUMENT.AT - Alzheimer - Verwechslungen und Umschreibungen

Alzheimer

Wenn die Wörter fehlen

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KONSUMENT 1/2015 veröffentlicht: 23.12.2014

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Verwechslungen und Umschreibungen

Der Betroffene stockt plötzlich in seiner Rede, weil ihm ein Wort fehlt. In diesem Fall behilft er sich gerne mit Umschreibungen. Die Milch wird dann zum „weißen Getränk, das im Kühlschrank steht“. Typisch ist auch die Verwechslung von inhaltlich ähnlichen Begriffen. Der Mensch mit Demenz spricht vom „Fahrstuhl“, meint aber den „Rollstuhl“. Gleiches geschieht mit ähnlich klingenden Begriffen – die „Urenkel“ mutieren zu „Urlaubskindern“.

Die Sprachwissenschaftlerin und Kommunikationstrainerin Dr. Svenja Sachweh schreibt dazu in einem Beitrag für die Zeitschrift „ Bausteine.demenz “ (20/2014): „Stellen Sie sich eine Besteckschublade in Ihrer Küche vor. Darin liegen Gabel und Messer neben den Esslöffeln und die Teelöffel und Kuchengabeln vielleicht unterhalb der großen Löffel. Greift man hastig und gedanklich abwesend in die Richtung, in der sich normalerweise die Gabeln befinden, so zieht man eventuell wider Erwarten doch ein Messer oder einen Schaschlikspieß heraus. Das, was man in der Hand hält, ist zwar ein zum Essen benötigtes Etwas, aber eben nicht das, was man eigentlich braucht. So ähnlich geht es auch Menschen mit Demenz: Sie greifen bei der Wortwahl immer wieder daneben, sie verwechseln sozusagen die sprichwörtlichen Äpfel und Birnen, landen dabei aber ihre Treffer wenigstens zu Beginn der Krankheit im konzeptionellen Umfeld des eigentlich gesuchten Begriffs.“

Sprachspiele und kreative Neuschöpfungen

Mitunter kommt es dabei zu Sprachspielen und kreativen Neuschöpfungen, an denen Künstler ihre helle Freude haben. Sie erkennen eine Nähe zur surrealistischen Kunst. Für die Betroffenen selbst hält sich die Freude indes in Grenzen. Sie möchten sich mitteilen, merken aber, dass ihnen dazu das Vokabular fehlt. Und manche werden schnell unruhig, mitunter aggressiv, wenn sie sehen, dass sie vom Gegenüber nicht verstanden werden.

Das Problem, sein Anliegen nicht verständlich mitteilen zu können, verstärkt sich mit Fortschreiten der Krankheit. Der Betroffene fängt einen Satz an und hört mittendrin auf, weiterzusprechen. Oder er wechselt übergangslos zu einem ganz anderen Thema. Und was für die Umwelt oft am belastendsten ist: Er wiederholt sich häufig. Was er vor fünf Minuten erzählt hat, erzählt er nun noch einmal.

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