KONSUMENT.AT - Alzheimer - Babysprache

Alzheimer

Wenn die Wörter fehlen

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KONSUMENT 1/2015 veröffentlicht: 23.12.2014

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Babysprache

Manche Menschen mit Demenz wechseln in die Babysprache, andere nicht – jeder Fall ist individuell. Für die Menschen im Umfeld heißt das, sich jeweils entsprechend auf ihr Gegenüber einzustellen. Im ersten Fall kann es richtig sein, auch die Babysprache zu gebrauchen, im zweiten würde das einer Beleidigung nahekommen. „Mit einem Professor von der Uni spreche ich auch anders als mit dem Steiger aus dem Ruhrpott. Das ist aber keine Anbiederung und ist nicht künstlich, ich stelle mich da auf den jeweiligen Menschen ein. Und das muss ich genauso bei jemandem machen, der eine Demenz hat“, sagt Dr. Sachweh.

Nicht nur, dass sich der Mensch mit Demenz schwertut, seine Anliegen in Worte zu fassen, er hat auch zunehmend Schwierigkeiten, an Gesprächen mit mehreren Menschen teilzunehmen. Es strengt ihn an, die einzelnen Stimmen auseinanderzuhalten und der Unterhaltung zu folgen. Zusätzlich stören ihn die Hintergrundgeräusche. In dieser Hinsicht zeigt der Mensch mit Demenz die gleichen Schwierigkeiten wie ein schwerhöriger Mensch.

Gespräche zunehmend anstrengender

Den Äußerungen des Gesprächspartners zu folgen, verlangt vom Menschen mit Demenz große Konzentration. Daher senkt er oft seinen Blick und schaut dem Anderen nicht in die Augen. Das darf nicht als Unhöflichkeit gedeutet werden, schon gar nicht als Desinteresse. Auf diese Weise versucht er nur, die auf ihn einströmenden Informationen zu filtern.

„Der schwerst demente Patient ist oft sprachlos, mutistisch, wobei trotzdem immer wieder überraschend Sprachäußerungen gemacht werden, zum Beispiel: ,ich bin blöd‘ oder ,ich will nach Hause‘“, sagt Dal-Bianco. Mutistisch bedeutet stumm – eine Kommunikationsstörung, bei der keine Defekte der Sprechorgane vorliegen.

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