KONSUMENT.AT - Apotheken im Beratungstest - Wenig Fortschritte

Apotheken im Beratungstest

Hauptsache Verkauf

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Konsument 9/2009 veröffentlicht: 19.08.2009

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Besser gleich zum Arzt

Mutter und Kind wären nach wie vor beim Arzt besser aufgehoben als in der Apo­theke. Gegenüber unseren letzten Tests konnten wir bei der Beratungsqualität nur geringe Fortschritte erkennen. Noch immer wird die Anamnese (Fragen zur Vorgeschichte der Erkrankung) vernachlässigt. In zwei Salzburger Apotheken (Salvator Apotheke, Virgil Apotheke) war es gar damit getan, dass man sich nach dem Alter des Kindes erkundigte. Neun Apotheker wollten nicht einmal wissen, wie lange die Krankheitssymptome bereits bestanden. Immerhin wurde unserer besorgten Mutter in den meisten Fällen nahegelegt, einen Arzt aufzusuchen – freilich erst, nachdem sie mit Medikamenten eingedeckt worden war. In vier Apotheken wurden der Testerin keine Produkte verkauft. Hier erfolgte ­sofort der Verweis an den Kinderarzt bzw. ­eine Klinik.

Keine Anwendungshinweise

In 16 Fällen wurden rezeptfreie Nasen­tropfen verkauft. Kein einziger Apotheker erkundigte sich dabei jedoch, welches Präparat bislang angewendet worden war. Sieben gaben keine Informationen zur richtigen Anwendung des Präparates. 26 Mal wurde unserer Testperson zusätzlich mindestens ein fiebersenkendes Medikament ausgehändigt. Da unser kleiner Patient noch nicht drei Jahre alt ist, wäre für alle verkauften Präparate ein ärztliches Rezept notwendig gewesen. Die Abgabe ist zwar prinzipiell möglich, wenn es sich um einen Notfall ­handelt, allerdings wurde darauf in keinem einzigen Fall hingewiesen. Und nur 15 Apotheker stellten die Frage, ob das verkaufte Präparat schon einmal angewendet worden war. Elf Mal unterblieben zudem jegliche Anwendungshinweise. Bedenklich ist auch die Tatsache, dass nur in vier Fällen nach ­einer Medikamentenallergie bzw. Medikamentenunverträglichkeit gefragt wurde.

Keine Antibiotika verkauft

Antibiotika wurden trotz Nachfrage nicht verkauft. In der Stadtapotheke Bregenz wurde jedoch dafür eine merkwürdige Begründung geliefert. Dort hieß es, dass ein Antibiotikum ohne Rezept nicht abgegeben werden könne, weil das Kind noch nicht acht Jahre alt sei. Enttäuschend: In keiner einzigen Apotheke erhielt unsere Testerin Ratschläge, wie die Erkältungssymptome gelindert werden ­können (Wadenwickel, breiige Nahrung bei Schluckbeschwerden usw.).

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