KONSUMENT.AT - Apotheken im Beratungstest - Beratung, mangelhafte Produkte

Apotheken im Beratungstest

Hauptsache Verkauf

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Konsument 9/2009 veröffentlicht: 19.08.2009

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Schlankheitsberatung mangelhaft

Bezüglich Schlankheitsberatung fiel das ­Ergebnis zwar etwas besser aus als beim letzten Test in Tirol, insgesamt muss die ­Beratungskompetenz allerdings auch auf diesem Gebiet immer noch als mangelhaft bezeichnet werden. Immerhin erkundigten sich sieben Apotheker nach dem Gesundheitszustand der Testperson und zweimal wurde ihr auch ein Arztbesuch nahegelegt (in Tirol war beides nirgendwo ein Thema gewesen). Bei wesentlichen Fragen wie jenen nach dem anvisierten Gewichtsverlust (6 Mal gestellt) oder nach dem Zeitraum, in dem die Gewichtsabnahme erfolgen sollte (11 Mal), halten sich die Apotheker nach wie vor unverständlicherweise zurück. Auch der Hinweis auf den Jo-Jo-Effekt ­wurde nur drei Mal und damit viel zu selten gegeben.

Zweifelhafte Produkte verkauft

29 Mal verließ unsere Testerin die Apotheke mit größtenteils zweifelhaften Produkten. In einem weiteren Fall wäre ein Verkauf erfolgt, wenn die Testperson die Lieferung des Mittels abgewartet hätte (zwei Stunden Lieferzeit). Wir haben dies als Verkauf gewertet. Einzig bei der Glacis Apotheke in Graz ging sie leer aus. Dort wurde sie an die Weight Watchers verwiesen bzw. wurde ihr eine ­Ernährungsumstellung ans Herz gelegt.

alli - ein alter Hut

Am häufigsten wurde unserer Testerin alli verkauft. Das Präparat mit dem Wirkstoff Orlistat ist seit heuer auf dem Markt und wird als Neuheit stark beworben. Tatsache ist, dass Orlistat bereits seit über zehn Jahren unter dem Namen Xenical in Apotheken verkauft wird. Neu ist lediglich, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMEA Orlistat in geringerer Dosierung von der Rezeptpflicht entbunden hat. Bei alli handelt es sich also um nichts anderes als Xenical light. Der Nutzen von Orlistat ist umstritten. Es wirkt nur, solange man es anwendet (Medikamente: alli 9/2009). Der Gewichtsverlust hält sich in Grenzen und ist nicht von Dauer, zumal ­alli maximal ein halbes Jahr lang eingenommen werden darf.

alli reduziert die Fett­aufnahme aus der Nahrung und fördert durchfallähnlichen Stuhlgang. Auftretende Blähungen sorgen nicht selten dafür, dass öliger Stuhl unkontrolliert abgeht. Dieser Hinweis fehlt in der deutschsprachigen Gebrauchsinformation im Gegensatz zu jener in den USA. In Amerika empfehlen die Hersteller auch, dunkle Hosen zu tragen und Wechselbekleidung mit zur Arbeit zu nehmen. Ein weiterer Nachteil des ­Präparates: Die Aufnahme fettlöslicher ­Vitamine (A, D, E und K) aus der Nahrung wird verringert. Der Mangel sollte durch die Einnahme von Vitaminpräparaten ausgeglichen werden.

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