KONSUMENT.AT - Cannabis - Nebenwirkungen: Schläfrigkeit oder Konzentrationsstörungen

Cannabis

Hilft es bei Parkinson?

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KONSUMENT 8/2019 veröffentlicht: 25.07.2019

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Cannabis soll bei der Parkinson-Krankheit helfen. Aber kann Hanf tatsächlich die Beschwerden verbessern?

Beweislage: unzureichend. Diese Frage wurde nur in zwei kleinen Studien von zweifelhafter methodischer Qualität untersucht. Während sich keine positiven Effekte auf Bewegungsstörungen andeuten, gibt eine Studie Hinweise auf eine geringfügige Verbesserung der Lebensqualität. Ob dieser Effekt für die Betroffenen überhaupt spürbar ist, lässt sich jedoch nicht sicher abschätzen. KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend


Bei der Parkinson-Krankheit gehen im Gehirn Nervenzellen zugrunde, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dopamin ist entscheidend für die Steuerung von Bewegungen. Deswegen sind Bewegungsstörungen wie verlangsamtes Gehen oder ein Zittern der Hände typische Symptome. Die Erkrankung wird hauptsächlich mit Medikamenten behandelt, die das Dopamin ersetzen oder dessen Wirkung verstärken. Seit einigen Jahren wird auch Cannabis bei Parkinson eingesetzt.

Kann medizinisches Cannabis Parkinson-Patienten helfen? Die medizinische Faktenlage ist unzureichend. (Bild: ElRoi/shutterstock.com)

Wenig aussagekräftig

Ob Cannabis-Zubereitungen dabei wirksam sind, wurde bislang jedoch nur in zwei Studien untersucht, die zumindest einige Qualitätsstandards einhalten, etwa den Vergleich mit einem Scheinpräparat oder die zufällige Zuteilung der Studienteilnehmer auf Vergleichsgruppen. Dass die beiden Studien aussagekräftig sind, muss allerdings bezweifelt werden. So fehlen wichtige Angaben zur Bewertung der Ergebnisse, außerdem waren insgesamt nur 40 Testpersonen beteiligt. Das sind viel zu wenige, um sichere Aussagen treffen zu können. Hinzu kommt unter anderem, dass Parkinson-Patientinnen und -Patienten in verschiedenen Krankheitsstadien untersucht wurden und die Cannabis-Zubereitungen auch noch unterschiedlich stark waren.

Keine Wirkung bei Bewegungsstörungen

In der einen Studie konnten die Autoren nicht von einer positiven Cannabis-Wirkung berichten, denn es gab keinen Unterschied zwischen Cannabis und einem Schein-medikament hinsichtlich „Dyskinesien“ (das sind jene unwillkürlichen Bewegungen, die bei vielen Menschen mit Parkinson im fortgeschrittenen Stadium auftreten). Auch aus der anderen Studie ließ sich keine Wirkung von Cannabis bezüglich verschiedener Parkinson-typischer Bewegungsstörungen ablesen.

Verbesserung bezüglich der Lebensqualität?

Allerdings deutete sich ein kleiner Nutzen von Cannabis bezüglich der Lebensqualität der Betroffenen an. Es ist aber unsicher, ob dieser Effekt wirklich existiert und ob Patientinnen und Patienten die Verbesserung tatsächlich als solche wahrnehmen würden. Aufgrund der aktuellen Studienlage kann auch zu wenig darüber gesagt werden, wie gut Menschen mit Parkinson Cannabis-Mittel vertragen. In den beiden Studien sind nach Angaben der Autoren keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgefallen. In einer der Studien wird allerdings darauf verwiesen, dass psychische Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit oder Konzentrationsstörungen nach der Einnahme von Cannabis häufiger auftraten als mit dem Scheinmedikament.

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Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin " finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheits-Agentur gefördert.

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