KONSUMENT.AT - Gurgeln gegen Corona - Keine Studien verfügbar

Gurgeln gegen Corona

Schützen Mundspülungen vor Ansteckung?

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KONSUMENT 6/2021 veröffentlicht: 27.05.2021

Inhalt

Schützt regelmäßiges Gurgeln mit antimikrobiellen Mund­spülungen vor einer Ansteckung mit Corona und hilft es bei einer COVID-19-Erkrankung, schneller gesund zu werden?

Beweislage: unzureichend. Studien dazu gibt es keine, weder die ­Be­hand­lung noch die vorbeugende ­Wirkung betreffend. Antimikro­bielle Mundspülungen können zwar die Menge an Corona-Viren in Mund und Rachen verringern, dass dadurch die Beschwerden bei einer COVID-19-­Erkrankung schneller abklingen, ist jedoch nicht plausibel. 

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

Reduziertes Infektionsrisiko und schneller gesund werden?

Immer wieder behaupten Medien und ­Produkthersteller, dass das Gurgeln mit speziellen Mundspülungen das Infektionsrisiko für andere Personen reduzieren und auch einen selbst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus schützen könne. An ­COVID-19 Erkrankte sollen zudem durch das Gurgeln schneller gesund werden. ­

Ein Dutzend Studien in Arbeit

Unsere Kooperationspartner von medizin-­transparent.at haben nach Arbeiten zur Wirksamkeit von antimikrobiellen Mundspülungen gesucht. Fündig wurden sie nicht, allerdings sind mindestens ein Dutzend Studien dazu gerade in Arbeit. Doch wie ist es überhaupt um die Plausibilität der Wirksamkeit von Gurgellösungen bestellt? 

Wo Mundspülungen nicht hinkommen

Corona-Viren sitzen im Mund- und ­Rachen- Raum normalerweise nicht außen auf der Schleimhaut, sondern gut geschützt im Inneren der Schleimhautzellen. Sie sind deshalb für eine Mundspülung unerreichbar und ­können nicht einfach weggegurgelt werden. Denkbar ist dies nur in einem sehr kleinen Zeitfenster von einigen Minuten. Nämlich dann, wenn die Viren über Mund und Nase in den Körper gelangen und sich außen an der Schleimhaut anheften, bevor sie ins Innere der Zellen wandern. Da der Zeitpunkt einer Ansteckung in der Regel jedoch nicht absehbar ist, müsste man also, um diese zu verhindern, ununterbrochen gurgeln. Das ist weder praktikabel noch ratsam, da antimikrobielle Substanzen den Nachteil haben, die Schleimhaut zu schädigen.

Corona-Viren an der Hinterwand der Nase

Ein zusätzliches Manko ist, dass durch ­Gurgeln nicht alle gerade eingedrungenen Viren unschädlich gemacht werden können. Die meisten Corona-Viren sitzen nämlich im Nasenrachen-Raum, also an der Hinterwand der Nase. Dieser Bereich wird beim Gurgeln normalerweise nicht erreicht. Es müsste dann schon eine gründliche ­Spülung sein – und zwar nicht nur des ­Rachens, ­sondern auch der Nase. Eine Prozedur, die vermutlich niemand mehrmals pro Stunde über sich ergehen lassen möchte; und dies auch nicht sollte. Denn auch die empfind­liche Mund- und Nasenschleimhaut würde dabei Schaden nehmen.

Vor dem Corona-Test: weder gurgeln noch essen oder trinken

Allerdings kann die Anzahl der Viren durch das Gurgeln kurzfristig sinken. Deshalb sollte man vor einem Corona-Test keinesfalls gurgeln. Das kann zu falsch-negativen Ergebnissen führen. Beim Test könnte dann eine Infektion übersehen werden. Vor ­einem Corona-Test sollte man deshalb ­idealerweise auch zwei Stunden lang nichts gegessen und getrunken und sich nicht die Zähne geputzt haben.

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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