KONSUMENT.AT - Haarmineralanalyse im Test - Uneinheitliche Referenzwerte

Haarmineralanalyse im Test

Haarsträubend

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Konsument 3/2009 veröffentlicht: 26.02.2009

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Bereits ein Vergleich der von den Anbietern genannten Normalwerte zu verschiedenen Mineralstoffen und Spurenelementen lässt Zweifel an der Seriosität der HMA aufkommen. Die Minima und Maxima sind teilweise höchst unterschiedlich. Bei Barium etwa liegt der von Schutzengel- und Traunstein-Apotheke angegebene Wert um das 300-fache über dem von der Apotheke zum Grossen Gott genannten. Auch bei Arsen, Bor, Chrom, Kobalt, Lithium, Molybdän oder Silber treten größere Differenzen auf.

Die uneinheitlichen Referenzwerte haben nicht unbeträchtliche Konsequenzen für die vorgeschlagene Therapie. So gibt das Institut für Mineralmedizin (IfM) beim Blei einen Grenzwert von 1,0 Mikrogramm/Gramm an. Da laut IfM bei Testperson 2 ein Bleiwert von 1,1 Mikrogramm/Gramm vorliegt, wird eine Ausleitung bzw. Entgiftung für 166,50 Euro empfohlen. Obwohl der Messwert bei Salon Madame 1,41 Mikrogramm Blei pro Gramm beträgt und somit deutlich über dem Wert des IfM liegt, wird keine Bleientgiftung empfohlen – im Salon Madame setzt man den Bleigrenzwert mit 3,3 Mikrogramm pro Gramm an.

Haarsträubende Ergebnisse

Doch nicht nur die Referenzwerte sind zweifelhaft. Zur Erinnerung: Da wir von ­jeder Testperson einen einigermaßen homogenen Haarmix eingeschickt hatten, wären auch bei jedem Tester zumindest annähernd vergleichbare Ergebnisse zu ­erwarten gewesen. Dies ist jedoch nicht nur im oben genannten Beispiel nicht der Fall: Bei Testperson 1 kam die Apotheke zum Großen Gott auf einen sechs Mal ­höheren Bleiwert als das Institut für Mineral­medizin. Beim Quecksilberwert lieferte die Apotheke zum Großen Gott ­einen ­ungefähr doppelt so hohen Wert wie die anderen Anbieter. Auch die Analysen zu Kalium oder Natrium fallen hier durch deutliche Diskrepanzen auf.

Gefährliche Therapieempfehlungen

Die genannten Ungereimtheiten zeigen, dass es keineswegs unproblematisch ist, sich auf eine Haarmineralanalyse zu verlassen. Dieser Eindruck verdichtet sich noch, vergleicht man die HMA-Daten mit den Blutwerten aus dem Labor. Beispiel Zink: Bei Testperson 2 ergab die Blut­untersuchung einen leicht erhöhten Wert. Die Apotheke zum Großen Gott attestierte jedoch aufgrund der Haaranalyse einen Zinkmangel und empfahl, ein Zinkpräparat einzunehmen. Ist diese Empfehlung aus der (falschen) Diagnose heraus zumindest noch nachvollziehbar, entbehren andere Therapievorschläge jeglicher Logik. So ­raten drei Anbieter (Institut für Mineral­medizin, Schutzengel- und Traunstein-Apotheke) unserer Testperson 1 trotz hohen Selenspiegels zu einem selenhaltigen Nahrungsergänzungsmittel. Der Salon Madame legt beiden Testpersonen die Einnahme des kalzium- und magnesiumhaltigen „Dolomitenpulvers“ (Dolomit S Original Dolpes) nahe, obwohl die Haaranalyse für beide Mineralien bei beiden Testern normale Werte ergeben hatte.

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