KONSUMENT.AT - Haarmineralanalyse im Test - "Zu mühsam und zu aufwendig"

Haarmineralanalyse im Test

Haarsträubend

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Konsument 3/2009 veröffentlicht: 26.02.2009

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Das Vorgehen im Salon Madame erscheint uns ohnehin kurios und eigenwillig. Der Salon lässt die Haarmineralanalyse beim Schweizer Unternehmen Analyse Center Schaffhausen (ACS) ausführen. ACS empfiehlt auf Grundlage der Analyse, verschiedene Nahrungsergänzungspräparate einzunehmen, und gibt dazu seitenweise Empfehlungen ab. Salon Madame wischt diese in einem der Analyse beigelegten Begleitschreiben einfach vom Tisch. Die ACS-Empfehlungen seien „zu mühsam und zu aufwendig, da man viele verschiedene Nahrungsergänzungen zu sich nehmen sollte“, schreibt Salon Madame. Anstelle der von ACS vorgeschlagenen Produkte empfiehlt Salon Madame beiden Testern Vitaminpräparate von Juice Plus, über deren zweifelhaften Nutzen wir bereits einmal berichteten (siehe „Konsument“ 3/2005). Völlig unklar bleibt, warum eine aufwendige und teure Haaranalyse überhaupt notwendig ist, wenn danach offenkundig Standardempfehlungen gegeben werden.

Zuviel des Guten

Doch nicht nur der Salon Madame nimmt es bei der Nahrungsergänzung nicht sonderlich genau. Die meisten Empfehlungen überschreiten die Referenzwerte der deutsch-österreichisch-schweizerischen Ernährungsgesellschaften (DACH) teilweise erheblich. Vereinzelt werden sogar die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) aufgestellten gesundheitsbedenklichen Obergrenzen (Tolerable Upper Intake Level) überschritten. Würde unser Tester 1 etwa den Empfehlungen der Schutzengel Apotheke folgen, würde er alleine durch Nahrungsergänzungspräparate pro Tag 4.139 Milligramm Kalzium, 566,8 Milligramm Magnesium und 35 Milligramm Zink zu sich nehmen. Die EFSA weist jedoch 1.000 Milligramm Kalzium, 350 Milligramm Magnesium und 10 Milligramm Zink als tägliche Obergrenze aus, mehr ist gesundheitsschädlich. Ebenfalls problematisch sind die Empfehlungen von Schutzengel- und Traunstein-Apotheke zu Vitamin A. Hier wird die Obergrenze bei beiden Testper­sonen um bis zu 460 Prozent überschritten.

Ein teurer Spaß

Ergebnis: Die Haarmineralanalyse kann nicht als allgemeine Untersuchungs­methode empfohlen werden. Die Beratung der Anbieter ist inakzeptabel. Die empfohlenen Nahrungsergänzungsmittel sind teilweise gesundheitlich bedenklich und für den Geldbeutel belastend. Würden ­unsere Tester den Empfehlungen der getesteten Anbieter folgen, müssten sie zwischen 30 und gut 100 Euro pro Monat berappen – fürwahr ein teurer Spaß.

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