Herz-Kreislauferkrankungen: Rezeptfreie Mittel

Herzlich wenig geeignet

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Konsument 9/2008 veröffentlicht: 20.08.2008

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Vitamin E und Magnesium

Protecor Kapseln enthalten neben Crateagusextrakt Vitamin E und den Mineralstoff Magnesium. Diese Kombination ist nicht sinnvoll, da für keinen der Inhaltstoffe zu den beanspruchten Indikationen wissenschaftliche Belege existieren. Die Behauptung, Weißdorn würde die Durchblutung der Herzkranzgefäße fördern und Vitamin E den Alterungsprozess der Adern verlangsamen, ist genauso wenig haltbar wie die Aussage, Magnesium trage zur Steigerung der Leistung des Herzmuskels bei beziehungsweise wirke der Verkalkung der Adern entgegen. Daher können wir auch dieses Präparat nur als wenig geeignet bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen beurteilen.

Kräutertees

Mag. Kottas Herz-Kreislauf-Tee beinhaltet Orangenblüten, Weißdornblatt, Mateblatt, Pfefferminzblatt und Rosmarinblatt. Die beschriebenen Wirkungen auf Herz und Blutgefäße konnten bei keinem der Bestandteile wissenschaftlich nachgewiesen werden. Wir beurteilen die beiden Präparate deshalb als wenig geeignet bei Herz- Kreislauf-Erkrankungen.

Durchblutungsfördernde Mittel

In Österreich sind als durchblutungsfördernde Mittel nur die beiden Präparate Ceremin und Gingol mit dem Wirkstoff Ginkgo-biloba-Extrakt rezeptfrei erhältlich. Etliche andere Medikamente (mit teilweise gleichem

Präparate zur Durchblutungsförderung

Präparate zur Durchblutungs-
Förderung

Wirkstoffgehalt) sind rezeptpflichtig.
Ginkgoextrakte sollen die Blutgefäße – sowohl Arterien als auch Venen sowie kapillare Blutgefäße – erweitern, das Verkleben von Blutplättchen und Zellschäden verhindern, sich günstig auf die Blutgerinnung und die Fließeigenschaften des Blutes auswirken sowie die Reizleitung der Nerven verbessern. Seriöse wissenschaftliche Studien können derartige Wirkungen nicht ausreichend bestätigen.

Unter diesem Gesichtspunkt bewerten wir die Präparate sowohl zur Behandlung von Durchblutungsstörungen im Bereich der Extremitäten als auch zur Behandlung cerebraler und peripherer Durchblutungsstörungen als wenig geeignet. Eine Therapie mit diesen Arzneimitteln erscheint allenfalls vertretbar, wenn die Standardtherapie nicht eingesetzt werden kann. In Österreich ist dafür mit Cerebokan 80 mg allerdings ein kassenverschreibbares Ginkgopräparat erhältlich.

Getestete Mittel wirkungslos

Die Gesamtbetrachtung dieses Tests ist ernüchternd. Alle getesteten Arzneimittel sind wirkungslos oder von sehr fraglicher Wirkung. Mehr als ein Placeboeffekt ist kaum zu erwarten. Dass Phytopharmaka dennoch häufig nachgefragt werden, könnte daran liegen, dass Patienten glauben, sich mit der Einnahme etwas Gutes zu tun. Eine Selbstmedikation ist im Fall von Herz- Kreislauf-Erkrankungen jedoch unverantwortlich. Bei entsprechenden Beschwerden oder bei Durchblutungsstörungen ist eine diagnostische Abklärung durch den Arzt unerlässlich und eine Standardtherapie einzuleiten.

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