KONSUMENT.AT - Hypnose - Interview mit Dr. Herbert Sponring

Hypnose

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Konsument 1/2007 veröffentlicht: 06.12.2006, aktualisiert: 29.12.2006

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Der Erfolg hängt alleine vom Patienten ab

Bei welchen Indikationen kann Hypnose therapeutisch genutzt werden und was muss dabei beachtet werden. Antwort auf unsere Fragen gibt Dr. Herbert Sponring, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin an der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin des Wilhelminenspitals (WSP) in Wien, der seit Langem erfolgreich mit Hypnose praktiziert.

Konsument: Bei welchen Indikationen und seit wann praktizieren Sie mit Hypnotherapie beziehungsweise Hypnose?

Dr. Herbert Sponring: Ich praktiziere mit Hypnose seit 1999. Meine hauptsächlichen Indikationsgebiete sind Schmerztherapie, Raucherentwöhnung, Gewichtreduktion, Phobien, Angstzustände, Allergien, Asthma, Neurodermitis, Reizdarmsymptomatik, Morbus Parkinson, Sterbebegleitung. Im Prinzip ist Hypnose bei jeder Erkrankung und jedem Symptom einsetzbar!

Konsument: Wo liegen Ihrer Ansicht nach die Vorteile bei einer Hypnotherapie?

Dr. Herbert Sponring: Der Patient ist selbst verantwortlich! Es handelt sich um ein Lernen zweiter Ordnung, das bedeutet, auch für andere Problemsituationen werden Verhaltensstrategien kreiert, die vom Patienten allein und unabhängig vom Arzt genutzt werden können. Außerdem sind Nebenwirkungen bei korrekter medizinischer Hypnose praktisch ausgeschlossen. Therapeut und Patient haben alles Nötige immer dabei.

Konsument: Wie gehen Sie bei einer Hypnose vor, also wie bereiten Sie den Patienten vor, wie leiten Sie die Hypnose ein?

Dr. Herbert Sponring: Um einen Patienten auf eine Hypnotherapie vorzubereiten, führe ich mit ihm ein Gespräch von zirka einer Stunde. Während dieses Gespräches gebe ich eine genaue Erklärung des Vorgehens und dessen, was passiert.

Konsument: Wie lange dauert eine Sitzung im Durchschnitt und wie „holen Sie den Patienten wieder zurück“?

Dr. Herbert Sponring: Eine Sitzung dauert im Durchschnitt eine Stunde. Das Ende einer Sitzung wird formelhaft über Standardsuggestionen eingeleitet, die den Patienten vom Trancezustand in den Wachzustand versetzen.

Konsument: Wie hoch ist die Erfolgsrate einer Behandlung und wie viele Sitzungen sind notwendig, bis sich ein Behandlungserfolg zeigt?

Dr. Herbert Sponring: Der Erfolg hängt alleine vom Patienten ab. Er muss hinter der Methode voll und ganz stehen und sie als für sich als richtig erkennen, das gilt im Übrigen für jede medizinische Therapie. Eine generelle Prognose über die Dauer einer Behandlung ist unseriös. Es können im Einzelfall jeweils nur Richtwerte genannt werden, mit denen der Patient rechnen muss, ohne eine Garantie für einen Behandlungserfolg geben zu können, wie bei jeder medizinischen Handlung. Der Mensch ist einfach keine Maschine!

Konsument: Nicht alle Patienten lassen sich hypnotisieren. Wie hoch ist der Anteil der Menschen, die gegen eine Hypnose „immun“ sind?

Dr. Herbert Sponring: Diejenigen die sich nach einem Vorgespräch dafür entscheiden, sind fast immer therapierbar. In meiner Ordination liegt der Anteil etwa bei 95 Prozent. In Not- und Ausnahmesituationen ergibt sich eine andere Situation. Patienten, die „nach jedem Strohhalm greifen“ sind generell hypnotisierbar.

Konsument: Sie setzen Hypnose auch zur Operationsvorbereitung ein. In welchen Fällen ist dies möglich?

Dr. Herbert Sponring: Die Technik der hypnotischen Kommunikation setze ich bei jedem Patienten tagtäglich um, wenn ich Vorbereitungsgespräche führe, über den Eingriff aufkläre oder auch perioperativ (über den gesamten mit der Operation verbundenen zeitlichen Verlauf, von der Operationsvorbereitung bis zum Aufwachraum). Es kann so sehr gut auf Ängste und Bedürfnisse eingegangen werden – im Übrigen findet jede Kontaktaufnahme, in der man versucht, sich in jemand anderen hineinzuversetzen, in einem Rahmen einer gemeinsamen „Trance“ statt. Jede OP eignet sich für die Hypnose, es ist nur nicht jeder Patient dafür geeignet, da ja wie bereits erwähnt die Eigenverantwortlichkeit wahrgenommen werden muss. Ich selbst habe einen Kollegen und einen meiner Söhne hypnotisch während eines Eingriffs begleitet und mich selbst zwei Mal einer OP mittels Hypnose unterzogen.

Konsument: Hat die Hypnose dabei auch eine anästhetisierende Wirkung und kann dadurch der Einsatz von Anästhetika reduziert beziehungsweise vollständig darauf verzichtet werden?

Dr. Herbert Sponring: Hypnose hat eindeutig eine anästhetisierende Wirkung. Sie kommt vor allem bei Vorbehalten gegenüber einer herkömmlichen Anästhesie und bei Patienten zum Einsatz, bei denen Unverträglichkeiten oder Allergien gegen Narkosemittel vorliegen.

Konsument: Wie muss man sich den Ablauf im Vorfeld einer OP vorstellen, wie lange dauert es, bis eine anästhetisierende Wirkung eintritt und wie lange kann der hypnotisierte Zustand überhaupt aufrechterhalten werden?

Dr. Herbert Sponring: Wie bereits erwähnt, steht am Anfang ein ausführliches Gespräch. Dabei werden die Bedürfnisse des Patienten abgeklärt, wenn dieser nur mit Hypnose behandelt werden will. Der Zustand der Hypnose ist prinzipiell beliebig lange aufrechtzuerhalten.

Konsument: Warum setzen vergleichsweise wenig Kliniken Hypnose bei Operationen ein, obwohl das Verfahren so erfolgreich ist?

Dr. Herbert Sponring: Leider ist die Möglichkeit einerseits bei der Bevölkerung zu wenig bekannt, andererseits trauen es sich nur wenige Kollegen und Kolleginnen, die es könnten, selber zu.

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