Imunoglukan

Für ein stärkeres Immunsystem?

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KONSUMENT 12/2015 veröffentlicht: 26.11.2015

Inhalt

Das Mittel Imunoglukan enthält Vitamin C sowie einen Inhaltstoff aus einem Pilz (Austernseitling) und wird damit beworben, das Immunsystem zu stärken. Trifft das wirklich zu?

Wir sagen: Es gibt keine Studien, die belegen, dass Imunoglukan bei einer Krankheit wirksam ist oder eine allgemein immunstärkende Wirkung hat. Die vorhandenen Studien weisen eklatante Mängel auf.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend


Messbare Wirkung auf das Immunsystem?

Nicht wenige Hersteller aus dem Lebensmittel- oder Nahrungsergänzungsmittelbereich bewerben ihre Produkte mit dem Hinweis, sie würden das Immunsystem stärken. Doch auf die Frage, wie man ein gestärktes Immunsystem überhaupt messen kann, fehlt eine Antwort. Ernst zu nehmende Studien dazu wären mit ziemlichem Aufwand verbunden.

Kleine Studien zu bestimmten Krankheiten

Es müssten sehr viele Menschen daran teilnehmen, von denen eine Hälfte das Mittel einnimmt, die andere nicht – und nach einiger Zeit müssten die beiden Gruppen im Hinblick auf alle erdenklichen Krankheiten verglichen werden. Da das kaum möglich ist, werden kleine Studien zu bestimmten Krankheiten gemacht.

Schafft es ein Mittel beispielsweise, die Zahl an Atemwegserkrankungen zu reduzieren, sprechen die Hersteller von einer Wirkung auf das Immunsystem. Auch zu Imunoglukan (bzw. den darin enthaltenen Wirkstoffen Defendyl und Pleuran) wurden vergleichbare Studien publiziert. Insgesamt gibt es vier Studien, doch alle weisen entscheidende Mängel auf; die Ergebnisse sind alles andere als überzeugend.

Mangelhafte Studien zu Imunoglukan

Bei einer Studie stiegen so viele Patienten aus der Behandlungsgruppe aus (10 von 23), dass das Ergebnis statistisch gesehen völlig irrelevant ist. Dennoch haben die Forscher diese Arbeit ausgewertet. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass die Arbeit vom Hersteller des getesteten Mittels finanziert wurde (was im Übrigen auch für die anderen drei Studien gilt).

Zwei weitere Studien wurden mit Sportlern gemacht. Das ist insofern bedeutsam, als Imunoglukan außer dem Wirkstoff aus dem Austernseitling noch Vitamin C enthält. Von Letzterem weiß man, dass es vorbeugend eingenommen nur bei Sportlern einen Einfluss auf die Erkältungshäufigkeit hat. Abgesehen davon, dass die Probandenzahl auch hier sehr niedrig war, ist also unklar, ob die Wirkung vom Vitamin C oder vom Wirkstoff aus dem Austernseitling ausgeht. Der Pilz enthält einen bestimmten Mehrfachzucker aus der Gruppe der ß-Glukane.

ß-Glukane und das Immunsystem

Einige Laborstudien weisen darauf hin, dass ß-Glukane einen Einfluss auf das Immunsystem haben könnten. Für Imunoglukan konnte diese Wirkung bislang allerdings nicht nachgewiesen werden. Immerhin scheint das Mittel hinsichtlich möglicher unerwünschter Nebenwirkungen zumindest bei kurzer bis mittelfristiger Anwendung unbedenklich zu sein.

Allergiesenkende Wirkung?

Die größte Studie zu Imunoglukan wurde an 175 Kindern mit wiederkehrenden Infektionen der Atemwege durchgeführt. Was hier stutzig macht: Es gibt keine Angaben über Studienabbrüche. Bei dieser Teilnehmerzahl und einer Studiendauer von über sechs Monaten ist das nicht plausibel. Möglich wäre, dass die Studienabbrüche nicht in der Auswertung erfasst wurden. Untersucht wurden zudem ausschließlich Blutwerte. Einige davon weisen auf eine allergiesenkende Wirkung von Imunoglukan hin, Krankheitssymptome wurden in der Studie allerdings nicht erfasst.  

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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