KONSUMENT.AT - Kinder und Medikamente - Geeignete und ungeeignete Medikamente

Kinder und Medikamente

Riskante Gratwanderung

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Konsument 3/2010 veröffentlicht: 23.02.2010

Inhalt

Asthma. Bei korrekter Anwendung von Antiasthmatika treten bei modernen Cortison-Inhalationspräparaten (Pulver- und Sprayinhalatoren) keine typischen Nebenwirkungen auf. Die Corticoide gelangen beim Inhalieren nämlich nur in die Bronchien und nicht in den Blutkreislauf. Zur Erweiterung der Bronchien sind Beta-Sympathomimetika mit kurzer Wirksamkeit (Fenterol, Salbutamol) zur Notfallbehandlung geeignet. Lang wirksame Wirkstoffe (etwa Salmeterol) sind zur Dauerbehandlung geeignet. Die verordnete Dosierung ist zu beachten (max. Hubanzahl), da es bei Überdosierung zu einer Überlastung des Herzens kommen kann. Antiallergische Wirkstoffe, etwa Cromoglycinsäure, schützen die Schleimhäute und sind gut verträglich.

 

Durchfallerkrankungen. Durchfälle führen zu einem mitunter gefährlichen Wasserverlust! In diesem Fall sind Kombinationspräparate mit Glucose und Mineralstoffen die Mittel der Wahl. Darmlähmende Medikamente wie Loperamid dürfen Kindern nicht gegeben werden. Arzneimittel mit Mikroorganismen, z.B. Lactobazillen, können eventuell die Krankheitsdauer verkürzen. Ihre Wirksamkeit ist allerdings nicht abschließend belegt.

 

Erkältungskrankheiten. Der am weitesten verbreitete und wirksamste Hustenreizstiller ist der rezeptpflichtige Wirkstoff Codein. Dextrometorphan hat eine ähnliche, aber schwächere Wirkung. Beide Wirkstoffe haben den Nachteil, in hoher Dosierung die Atmung zu beeinträchtigen. Beim ebenfalls verschreibungspflichtigen, nicht von der Krankenkasse bezahlten Wirkstoff Noscapin (Präparat Tuscalman) tritt diese Nebenwirkung nicht auf.

 

Schleimlösende Hustenmittel sind Hustenstillern möglichst vorzuziehen. Der am besten geeignete Wirkstoff ist Ambroxol (Saft oder Tropfen). Ebenfalls zur Verfügung stehen Acetylcysteinpräparate. Pflanzliche Schleimlöser wie Thymian, Spitzwegerich und Efeu können eventuell hilfreich sein, manche Präparate haben allerdings einen hohen Zuckergehalt. Alkoholische Pflanzenauszüge sind für Kinder prinzipiell nicht geeignet.

 

Kombinationspräparate mit Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Coffein sind für Kinder ungeeignet.

Einreibemittel mit ätherischen Ölen wie Minzöl, Kampfer und Menthol sind für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet. Es besteht das Risiko eines Atemstillstands.

 

Abschwellende Nasentropfen sind bei fließendem Schnupfen unnötig. Bei verstopfter Nase sollte die Anwendung 3 bis 4 Tage und 3 Einzeldosen pro Tag nicht überschreiten, da es zur Abhängigkeit kommen und die Nasenschleimhaut ernsthaft geschädigt werden kann. Wenn überhaupt, dann konservierungsmittelfreie Nasensprays einsetzen. Häufig sind Nasenspülungen mit physiologischer Kochsalzlösung oder Meersalzsprays ausreichend.

 

Ohrentropfen werden gelegentlich bei Gehörgangsentzündungen verordnet. Vor der Anwendung mit der Hand oder in lauwarmem Wasser anwärmen, sonst empfindet das Kind sie als unangenehm.

 

Inhalation: Babys dürfen nur indirekt inhalieren. Dazu gibt es milde Inhalationstropfen, die auf Kleidung oder Kissen getropft werden können. Inhalieren mit warmen Kräuterdämpfen ist erst nach dem ersten Lebensjahr unter Aufsicht möglich. Dabei ein standfestes Inhaliergerät aus der Apotheke verwenden. Schüssel und Tuch sind zu gefährlich (Verbrühungsgefahr!).

 

Neurodermitis. Es stehen für Kinder geeignete entzündungshemmende Cortisonpräparate (Salben oder Cremen) zur Verfügung. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautveränderungen. Tacrolimushaltige Hautpräparate haben diese Nebenwirkung nicht, dafür besteht ein Wechselwirkungsrisiko, z.B. bei gleichzeitiger Verabreichung von Impfstoffen. Welcher Wirkstoff im Einzelfall am sinnvollsten ist, entscheidet der Arzt.

 

Schmerzen und Fieber. Mittel der Wahl sind Präparate mit den Wirkstoffen Paracetamol und Ibuprofen. Paracetamol wird bei Kindern schon lange eingesetzt und kann bei genauer Einhaltung der Dosierung als sicher eingestuft werden. Lösungen und Zäpfchen sind die für Kinder geeigneten Darreichungsformen. Die Präparate dürfen auf keinen Fall überdosiert werden, da Paracetamol ein starkes Lebergift ist. Ibuprofen wird deshalb von vielen Kinderärzten bevorzugt, auch wegen seiner zuverlässigen Wirkung bei Schmerzen. Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin) darf Kindern unter 12 Jahren nicht verabreicht werden, da das lebensbedrohliche Reye-Syndrom bzw. Leberschäden auftreten können.

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