Lachs und Umweltgifte

Große Mengen gesundheitsschädlich?

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KONSUMENT 10/2015 veröffentlicht: 25.09.2015

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Fisch ist gesund. Andererseits ist insbesondere Zuchtlachs mit Umweltgiften wie Dioxin und Polychlorierten Biphenylenen (PCB) belastet. Ist es gesundheitsschädlich, wenn man regelmäßig große Mengen Fisch isst?

Wir sagen: Ob die Menge dieser Giftstoffe bei regelmäßigem Fischkonsum tatsächlich die Gesundheit gefährdet, ist noch zu wenig erforscht.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

Vor nicht allzu langer Zeit galt Lachs noch als besondere Delikatesse. Inzwischen führt jeder Diskonter den Fisch im Sortiment. Dass Lachs zum relativ günstigen Lebensmittel wurde, hat mit der Entwicklung der Aquakultur zu tun, die in Küstennähe industrielle Zuchtwirtschaft ermöglicht. Doch die Aquakulturen sind in die Kritik geraten. Lachszüchter sollen große Mengen an Antibiotika, Pestiziden und anderen Chemikalien einsetzen. Befürchtet wird, dass sich die Gifte über den Fisch im menschlichen Organismus anreichern.

Zuchtfische stärker belastet

Tatsächlich werden in Lachsen immer wieder Mengen an giftigen Dioxinen und PCB gefunden, die teilweise über den erlaubten EU-Grenzwerten liegen. Zuchtlachse sind stärker belastet als wild lebende Lachse. In einer Untersuchung waren selbst Lachse aus biologischer Zucht höher belastet als erlaubt. Große Mengen an Giftstoffen wurden auch in Meeresfischen und in Süßwasserfischen aus Flüssen gemessen.

Auf "vegetarische" Fische zurückgreifen

Raubfische sind stärker belastet als Fische, die sich überwiegend pflanzlich ernähren. Zuchtlachse sind Raubfische und müssen mit Fischmehl gefüttert werden. Dieses wird häufig aus mit Dioxin belasteten Fischarten hergestellt. Senken ließe sich der Anteil von Dioxinen und PCB durch die Verwendung von pflanzlichen Ausgangsstoffen. Lachse lassen sich allerdings nicht einfach auf "vegetarisch" umstellen, die Forschung dazu läuft. Am meisten reichern sich die Giftstoffe im Fleisch fettreicher Fischarten wie Lachs, Hering oder Aal an.

Wer gerne und regelmäßig Fisch isst, sollte daher auf Fischarten zurückgreifen, die sich mit pflanzlichem Futter züchten lassen, etwa Tilapia oder Karpfen. Dadurch werden auch wild lebende Fischbestände geschont: Für ein Kilo Lachs müssen bis zu fünf Kilo Fischmehl verfüttert werden, dieses stammt häufig von Fischen aus Wildfang.

Kaum aussagekräftige Studien am Menschen

Die Belastung ist erwiesen; die Frage, wann es für den Menschen gesundheitsschädlich wird, lässt sich jedoch auch nach Durchsicht der wissenschaftlicher Datenlage nicht wirklich beantworten. Bis heute wurde nur wenig erforscht, ab welchen Mengen Dioxine und PCB tatsächlich zu gesundheitlichen Schäden führen.

Die EU-Grenzwerte orientieren sich an Ergebnissen aus Tierversuchen, die jedoch nur bedingt auf den Menschen übertragbar sind. Aussagekräftige Studien am Menschen sind rar. Einer Studie an über 30.000 Frauen zufolge könnten mit PCB belastete Nahrungsmittel das Risiko für Schlaganfälle erhöhen. Dieselbe Studie kommt aber auch zum Ergebnis, dass Fischkonsum dieses Risiko mindern kann. Dafür sprechen auch andere Ergebnisse.

Wirkung erst nach vielen Jahren?

Insgesamt bleibt unklar, ab welcher Menge PCB und Dioxine in Fisch gesundheitsgefährdend werden. Die Verbindungen sind sehr langlebig und reichern sich über die Jahre im Fettgewebe von Mensch und Tier an. Es ist also denkbar, dass die Giftstoffe ihre schädliche Wirkung erst nach vielen Jahren entfalten.

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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