Medikamente: Teil 2

Marketing für Pillen

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Konsument 2/2001 veröffentlicht: 01.02.2001

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Staatlich reguliert oder frei

In einigen europäischen Ländern reguliert der Staat die Arzneimittelpreise, in anderen nicht. Neue Produkte bringt die Pharmaindustrie vorzugsweise in jenen Ländern auf den Markt, in denen sie den Preis ungehindert selbst kalkulieren darf. In Europa ist das vor allem Deutschland; Österreich ist ein daran gekoppelter Markt. Die Überlegungen bei der Preisgestaltung bewegen sich innerhalb zweier Grenzen: Wie viel lässt sich aus dem Markt maximal herausholen? Welcher Preis ist noch zumutbar? Um zum Beispiel ein neues Rheumamittel in dem gesättigten Markt zu platzieren, bedarf es erheblicher Werbeanstrengungen. Für ein konkurrenzloses Präparat hingegen, das zudem noch besondere Bedürfnisse befriedigt wie Viagra, lässt sich in der konkurrenzfreien Zeit nahezu jeder Preis fordern.

Der freie Markt ohne Preisregulierung führt dazu, dass, wie die OECD festgestellt hat, die deutschen Arzneimittelpreise 1993 im EU-Vergleich 50 Prozent über dem Durchschnittsniveau lagen. Den Firmen bringt das mehrfache Vorteile, denn die deutschen Arzneimittelpreise beeinflussen auch jene in den europäischen Staaten, in denen politische Entscheidungen dafür sorgen, dass die Bäume der Pharmaproduzenten nicht in den Himmel wachsen. In Spanien, Belgien und Griechenland werden die Preise staatlich festgesetzt; ihre Höhe orientiert sich an denen anderer Länder.

Ob ein Produzent ein Medikament auch in Österreich zulässt und zu welchem Preis, hängt wesentlich vom Ergebnis von Marketingstudien ab. Ein gesättigter Markt, in dem die Konkurrenz vieler die Preise drückt, verspricht keine Gewinn bringende Investition. Der österreichische Markt ist zu klein, als dass sich unter solchen Bedingungen Werbebemühungen rechneten. Das ist ein wesentlicher Grund, warum es hier zu Lande eine ganze Reihe von Präparaten nicht gibt, die im Ausland gang und gäbe sind.

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