KONSUMENT.AT - Medikamente: Teil 2 - Medikamente: Teil 2

Medikamente: Teil 2

Marketing für Pillen

Seite 5 von 7

Nächsten Inhalt anzeigen
Konsument 2/2001 veröffentlicht: 01.02.2001

Inhalt

Preiswerte Generika

Mit dem Ende der Schutzzeit rutscht der Preis eines Medikaments schlagartig in den Keller. Dann nämlich darf jeder Hersteller die Substanz zu einem Arzneimittel verarbeiten, ohne vom Erstanbieter die Lizenz erwerben zu müssen. So entstehen Nachfolgeprodukte, die so genannten Generika, deren Name oft, aber nicht immer, aus der Substanzbezeichnung und dem angehängten Firmennamen besteht (zum Beispiel Ibuprofen „Genericon“). Sie sind erheblich preiswerter als das Originalmedikament, denn viele Kosten fallen weg: keine Forschung, keine klinischen Untersuchungen, sogar die Zulassungsbedingungen sind erleichtert, indem die Nachahmerfirmen vieles für sich in Anspruch nehmen können, was der Erstanbieter erarbeitet hat.

Die „nachgebauten“ Generika müssen jedoch mit den Originalen nicht unbedingt identisch sein. Der Nachahmer kann zum Beispiel die Substanz mit anderen Hilfsstoffen zu Tabletten formen. Dadurch können sich die Wirkeigenschaften des Arzneistoffs verändern. In der Anfangszeit der Generikaproduktion führte das schon mal dazu, dass ein Arzneistoff, von dem man gewohnt war, dass er zum Beispiel nach einer halben Stunde wirkte, seine Wirkung erst nach zwei Stunden zeigte. Regelmäßige Kontrollen dieser so genannten Bioverfügbarkeit haben jedoch dazu geführt, dass solche Probleme mittlerweile als überwunden gelten.

Preiswert sind auch die so genannten Parallelimporte. Das sind hochpreisige, noch patentgeschützte Arzneimittel, die ein Händler in großer Menge in einem „Billigland“ einkauft, um sie dort zu verkaufen, wo das Mittel teurer ist. Die bedeutendsten parallel exportierenden EU-Länder sind Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Griechenland und Belgien. Importländer sind vor allem die Niederlande und Deutschland. Auch Österreich verzeichnet eine wachsende Zahl von Parallelimporten, an denen vor allem der Hauptverband der Sozialversicherungsträger großes Interesse hat; schließlich verspricht er sich davon eine Senkung der Arzneimittelkosten.

Immer deutsche Beipacktexte

Die importierten Medikamente benötigen eine Gebrauchsinformation und einen dem hiesigen Arzneimittelgesetz entsprechenden Packungsaufdruck in deutscher Sprache. Manchmal müssen sie auch gänzlich umgepackt werden. Gesundheitliche Bedenken bestehen gegen solche Importe nicht, denn sie müssen vom Ministerium zugelassen werden. In der Regel stammen sie aus den Produktionsstätten multinationaler Konzerne, in denen die Tabletten zentral für die verschiedenen Länder hergestellt werden. Probleme könnte es bei diesen Arzneimitteln vielleicht bei Rückfragen oder gar Rückrufaktionen geben, weil sich durch den Umpackprozess die verschiedenen Chargen des Medikaments nicht mehr oder nur sehr unzulänglich zurückverfolgen lassen.

Bewertung

Wertung: 0 von 5 Sternen
Weiterlesen