KONSUMENT.AT - Physiotherapeuten - Vorarlberg

Physiotherapeuten

Daneben gegriffen

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KONSUMENT 3/2012 veröffentlicht: 22.02.2012, aktualisiert: 26.04.2012

Inhalt

Vorarlberg

Die vom Arzt ausgestellte Verordnung unserer Testperson enthielt neben einer EHG und Massage noch eine Behandlung mit Inter­ferenzstrom. Auch hier wurde die Therapie unter Angabe von persönlichen Gründen vorzeitig abgebrochen. Mit Abstand Testsieger wurde die Ordination Halbeisen in Dornbirn, ein „gut“ erreichten Brigitte Gstach (Rankweil) und Alexander Fröis (Bludenz).

Ein Schwerpunkt der Bewertung war in Vorarlberg, inwieweit die ärztlich verordnete minimale Behandlungsdauer eingehalten wurde. Bei der EHG (30 Minuten) war dies nur ein einziges Mal der Fall (Christian Bartsch/Halbeisen). Hier dauerte die Behandlung 35 Minuten. Noch im von uns festgesetzten Toleranzbereich befand sich Brigitte Gstach mit 20 Minuten. In allen anderen ­Ordinationen dauerte die Behandlung nur 15 Minuten oder weniger. Drei Mal nahmen sich die Therapeuten gar nur fünf Minuten Zeit (Michael Rüscher, Klaus Isele, Alexander Fröis) und einmal fiel die verordnete EHG ganz aus (Beatrix Jenni).

Dauer der Massagen eingehalten

Besser machten es die getesteten Physiotherapeuten bei der Massage. Hier wurde die verordnete Dauer von 15 Minuten in acht Ordinationen eingehalten oder sogar deutlich überschritten. Sehr wenig scheinen die getesteten Ordinationen von einer Interferenzstrombehandlung zu halten. Diese Verordnung wurde von sechs Therapeuten ignoriert. Nur vier Mal (Christian Bartsch, Brigitte Gstach, Alexander Fröis, Bernadette Bonmassar) kam es zu einer Behandlung mit Interferenzstrom. Zwei Mal (Beatrix Jenni, Praxis für Physiotherapie ­Mäser) erfolgte ohne Rücksprache mit dem Arzt anstatt der verordneten Therapie eine ­sogenannte Craniosakraltherapie, für die kein Nachweis einer therapeutischen Wirksamkeit vorliegt. Daher wird für diese Methode auch nichts von der Krankenkasse erstattet.

Fragwürdige Rechnungen

Auch in Vorarlberg stellten wir Mängel bei der Abrechnung fest. Nur bei einem Anbieter (Halbeisen) entsprach die Rechnung der tatsächlich erbrachten Leistung. In drei Fällen (Uwe Staffa, Brigitte Gstach, Alexander Fröis) waren zwar die ausgeführten Therapien korrekt als Positionen auf der Rechnung wiederzufinden, die jeweils angegebene Dauer stimmte jedoch nicht. Besonders problematisch: In zwei Praxen (Gemeinschaftspraxis Mäser Jagg und Jenni) wurde eine Rechnung zur Einreichung bei der Krankenkasse ausgestellt, die anstelle der tatsächlich geleisteten, von der Krankenkasse nicht anerkannten ­Anwendungen erstattungsfähige Positionen aufweist.

Unterschiedliche Honorare

Auffällig ist zudem, dass die Honorare höchst unterschiedlich ausfielen. Der Vergleich zwischen günstigstem und teuers­tem Anbieter ergab Abweichungen von mehr als 50 Prozent. Zu wünschen übrig lässt bei fast allen Anbietern die Kostentransparenz. Lediglich in der Therapierbar Schwarzach ­wurde unsere Testperson über die zu erwartenden Kosten aufgeklärt.

Bewertung

Wertung: 2 von 5 Sternen
69 Stimmen
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Kommentare

  • Was zählt ist die Qualifikation der Physiotherapeuten!
    von Hildebrand am 05.05.2012 um 21:17
    Bedauerlicherweise wurde in diesem Test das Institut Pitz mit der Physiotherapeutin Birgitt Höfle nicht mit der Bestnote bewertet. Warum? Ich benötige seit vielen Jahren regelmässig für meinen Bewegungsapparat Therapieanwendungen und habe mit verschiedenen Instituten und Therapeuten so meine Erfahrung. Das wohl schlimmste Erlebnis war, dass ich mich nach der vorgeschriebenen Massage eine halbe Stunde nicht mehr bewegen konnte. Das wohl merkwürdigste war, als eine Therapeutin die Massage mit Putzhandschuhen durchführte! Einmal musste ich wegen vom Therapeuten verursachten Schmerzen eine EHG unterbrechen mit dem Hinweis, dass ich mich nicht mehr angreifen lasse! Meine Erfahrung ergab 2 Sorten von Instituten, erstens die, die sich minutiös an die Verordnung hielten ohne langes Herum und maximal mit der Frage, wo es am meisten wehtut! Die zweite und meiner Meinung nach die erfolgreichere Sorte waren die, die über Therapeuten verfügen, die auf die Beschwerden eingehend eingingen - diese sind jedoch schwer zu finden. Meist findet man diese nur mittels Mundpropaganda. Bislang habe ich in den letzten 20 Jahren in Wien nur 2 gefunden, wobei bei einem der Therapeut leider nach Niederösterreich gewechsel hat, und beim zweiten Institut die Therapeutin Frau Birgitt Höfle nach Vorarlberg gewechselt hat. Nachdem ich mich öfters auch in Vorarlberg aufhalte, besuche ich nunmehr das Institut Pitz. Frau Birgitt Höfle verfügt meiner Beurteilung nach über ausgezeichnete Kenntnisse und Fähigkeiten und zählt zu den Therapeuten, bei denen jeder einzelne Besuch als Erfolg zu werten ist. Abänderungen der verordneten Therapien habe ich in all den Jahren nie erlebt. Aber ich bin natürlich dankbar, wenn ich einen Ratschlag bekomme, was in meinem Fall zu einem besseren Erfolg führen könnte. Aber es lag noch immer in meiner Verantwortung, für eine neue oder geänderte Verordnung zu sorgen. Ich habe es bisher auch noch nie erlebt, dass eine andere, als die verordnete Leistung verrechnet worden wäre ich hatte diese ja jedes Mal zu bestätigen. Physiotherapie ist kein Schlucken verordneter Pillen! Wenn die einen nicht helfen, werden andere verordnet. Hier sind Kenntnisse und Fähigkeiten notwendig und vor allen Dingen Vertrauen zwischen Patient und Therapeut - und das geht über das bloße Abarbeiten einer Vorschreibung hinaus!
  • Dialog
    von tonicum am 23.03.2012 um 23:32
    Schwieriges aber spannendes Thema „Physiotherapeuten müssen sich bei der Behandlung an die ärztliche Verordnung halten. ­ Ausgestellte Rechnungen müssen korrekt sein. Die Praxis, das zeigt der Test, sieht häufig anders aus. „ Hier sieht man den offensichtlichen Schwerpunkt dieses Tests. Eine gewisse Schlagseite ist auch für mich als nicht-Physiotherapeut nur schwer abzusprechen . Keine Frage, Rechnungen müssen korrekt gestellt werden. Meine Vorkommentatoren haben aus meiner Sicht die wesentlichsten Punkte bereits gut ausgeführt. Bezüglich der gesetzlichen Nötigung sich an ärztliche Verordnungen zu halten, hilft um Kummer zu vermeiden, lediglich ein gut gepflegter Draht (eventuell sogar mit persönlicher Vorstellung) zum Zuweisenden. Letzterer ist für eine sachliche Einweisung in die Welt der Physiotherapie meist nicht böse, wenn nicht sogar dankbar. Aus einem verzerrten Berufsehtos heraus, oder um sich keine Blöße zu geben, wird eine entsprechende Initiative vermutlich vom PT ausgehen müssen. Hauptnutznießer ist sicher der Patient und letztendlich die Kassen, die nebenbei bemerkt auch das glauben müssen, was sog. Experten von sich geben. Wie bereits gesagt kann ich an dieser Stelle nur den Tipp geben sich mit den zuweisenden Ärzten in der Umgebung kurzzuschließen und abzusprechen, welche Therapiemethoden in welchen Fällen sinnvoll erscheinen. Erfahrungsgemäß profitieren davon alle Beteiligten. Wenn sich ein Mediziner gegen einen Dialog sträuben sollte – was leider vorkommt – muss man hoffen, dass die Patienten mündig genug sind, nachzufragen was sie konkret oder auch nur ungefähr bei der Therapie erwarten wird. Ich kann nur bestätigen, dass viele Kollegen praktisch keine Erfahrung und wenig Wissen über einzelne Therapiemöglichkeiten innerhalb der Physiotherapie haben, geschweige denn abschätzen können, welche im Einzelfall tatsächlich am Effektivsten (im weitesten Sinn) sind. Woher auch? Dies ist leider nicht Teil der ärztlichen Ausbildung… Dass es in jeder Berufsgruppe Fähige und solche, die es noch werden könnten gibt, braucht vermutlich keiner weiteren Ausführung. In diesem Sinne, auf eine konstruktive Zusammenarbeit! p.s.: Mann möge mir verzeihen, dass ich mich nicht an die neuzeitlichen Regeln des korrekten Genderns gehalten habe. Mit Physiotherapeut, Arzt und Patient sind selbstverständlich beide Geschlechter gemeint.
  • Noch ein Grund, warum die richtige Behandlung wichtig ist
    von taubi am 18.03.2012 um 14:24
    Ein Grund, warum es wichtig ist, vom Physiotherapeuten die verordnete Behandlung zu bekommen (und keine andere), wurde meines Erachtens noch nicht erwähnt: Der Arzt, der die Behandlung verordnet, verlässt sich darauf, dass diese Therapie - und keine andere - durchgeführt wird. Wenn sich dann der Zustand des Patienten nicht seinen Prognosen entsprechend verbessert, wird er eine Alternative überlegen und andere Therapien empfehlen. - Und wie soll der Arzt dann die richtige Alternative finden, wenn er nicht weiß, welche Therapie an dem Patienten wirklich durchgeführt wurde? Wenn der Arzt dann die nächste Therapie aufgrund falscher Informationen verschreibt, kann dies für den Patienten auch böse ausgehen. Den Schaden hat dann der Patient, dessen Zustand sich nicht so verbessert wie es sein könnte, sondern sich allenfalls noch verschlechtert. Und das hat NICHTS damit zu tun, ob die von Therapeuten gegen die Verordnung angewendete Therapie eine medizinisch-wissenschaftlich anerkannte ist oder nicht. Das hat schlicht und einfach damit zu tun, ob man zum Wohle des Patienten zusammenarbeitet, oder ob man sich für besser und gescheiter hält als den Arzt. Wenn der behandelnde Physiotherapeut meint, seine alternative Behandlungsmethode sei wirksamer als die vom Arzt verordnete Therapie, dann hat er noch immer die Möglichkeit, dies dem Patienten entsprechend zu erklären, und dann bei Zustimmung des Patienten diese Behandlungsmethode anzuwenden. Dann könnte der Patient frei entscheiden, und seine Entscheidung beim nächsten Arzttermin auch kommunizieren und damit den bestmöglichen Behandlungserfolg ermöglichen.
  • Noch eine Anmerkung...
    von papillon am 05.03.2012 um 17:57
    Interessant ist auch, dass die Kommentare der Redaktion mit Absätzen gegliedert erscheinen, während die anderen quasi „in einer Wurscht“ und völlig unübersichtlich sind – auch, wenn sie klar und übersichtlich geschrieben wurden…
  • Danke meinen kritischen Vor-KommentatorInnen
    von papillon am 05.03.2012 um 17:52
    Ich bedanke mich bei all jenen, die schon so ausführlich und kritisch zum Testergebnis Stellung genommen haben und möchte noch einige Anmerkungen aus meiner Erfahrung ergänzen: Als freiberufliche Physiotherapeutin (die rechtlich korrekt nur nach ärztlicher Anweisung Krankenbehandlungen macht) werde ich immer wieder von ÄrztInnen gefragt, welche Art der Behandlung ich aus meiner Erfahrung empfehlen würde – und was genau dann auf dem Verordnungsschein stehen soll, weil diese selbst erstens oft zu wenig Wissen über die Methoden und Möglichkeiten der Physiotherapie sowie zweitens die korrekte Formulierung nach den Tariflisten der Krankenkassen haben (die außerdem je nach Bundesland differenzieren). Diese (rechtlich vorgegebene) restriktive Vorgabe bzgl. Krankenbehandlungen ist übrigens in vielen anderen Ländern nicht vorhanden, wo PhysiotherapeutInnen unabhängig von ÄrztInnen ihre fachlichen Kompetenzen zu Nutzen ihrer PatientInnen einsetzen. Der Anfangsbefund (der wohl mit „Erstgespräch“ gemeint ist) gehört zur Behandlung und ist ein wichtiger Teil für die Planung einer erfolgreichen Therapie. Ich glaube nicht, dass es irgendwer in Frage stellen würde, wenn ÄrztInnen in der Erstordination mit einer/m neuen PatientIn sprechen, bevor sie über die Behandlungsmethode entscheiden. Und die Behandlungsmethoden allein in der Bewegungstherapie z. B. sind sehr vielfältig. Ich weiß aus mehreren Berichten von PatientInnen, dass in Therapie-Einrichtungen der Krankenkassen bei Verordnung von 15 min. Massage die Zeit für das Aus- und Ankleiden inkludiert ist. Wenn sich jemand (der vielleicht Schmerzen hat oder sich wegen eingeschränkter Beweglichkeit) dabei schwer tut, ist gleich die halbe Behandlungszeit weg… Aber an der Stelle, wo beim nächsten Mal wieder über die Zulässigkeit und damit (Teil-)Finanzierung einer Behandlung entschieden wird, wird sich wohl kaum jemand darüber beschweren…