KONSUMENT.AT - Psychotherapeuten - Leserreaktionen

Psychotherapeuten

Erstgespräch mit Kontaktschwierigkeiten

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Konsument 6/2010 veröffentlicht: 20.05.2010, aktualisiert: 25.05.2010

Inhalt

Leserreaktionen

Heikles Testszenario

Wenn Sie in ein Auto einen Fehler einbauen, um zu testen, ob ihn die Werkstätte erkennt und repariert, ist das eine gute, bewährte Methode.

Wenn aber TesterInnen ein Problem simulieren, ist es für den Therapeuten schwierig, im Erstgespräch herauszufinden, worum es überhaupt geht und die Motivation des Klienten abzuschätzen, von der aber abhängt, ob die Therapie sinnvoller Weise überhaupt begonnen werden soll.

Auf Grund der uns Menschen innewohnenden Ambivalenz wird Patienten im Erstgespräch oft nicht klar, was sie eigentlich wollen, weil bei psychischen oder Beziehungsproblemen immer nur Teile der Thematik bewusst sind. Davon hängt aber die Wahl der Therapiemethode ab, die zur Anwendung kommen soll. Dann sind eben noch weitere Gespräche notwendig.

Besonders heikel sind Vorgespräche bei Beziehungsproblemen. Um abzuchecken, ob eine Paartherapie überhaupt sinnvoll und möglich ist, muss der Therapeut seriöserweise gleich beim Erstgespräch auf die eigene Verantwortung des Klienten für sein Beziehungsproblem hinweisen – was der naturgemäß nicht gerne hört. Kommt daraufhin eine Therapie gar nicht zustande, ist dies für beide gut: Der Klient erspart sich unnötige Ausgaben und der Therapeut Nerven.

Dr. August Thalhamer
Linz
(aus Konsument 8/2010)

Unsere Testszenarien wurden in intensiver Zusammenarbeit mit einem klinischen Psychologen entworfen. Die Prüfkriterien wurden mithilfe von Psychotherapeuten aufgestellt. Denn es war uns während der Planung durchaus bewusst, dass viele psychische Erkrankungen nicht so konstruiert bzw. simuliert werden können, dass das Vorgehen für einen Therapeuten nicht durchschaubar wäre. Auch mögliche Unstimmigkeiten wollten wir unter allen Umständen bereits im Vorfeld ausräumen.

Die Redaktion

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Kommentare

  • Kein Gesamtvertrag ein Skandal
    von sapereaude am 07.06.2010 um 08:53
    Es ist ein Skandal, dass es seit fast zwei Jahrzehnten den gesetzlich vorgesehenen Gesamtvertrag für die psychotherapeutische Versorgung der Versicherten nicht gibt. Die Entscheidungsträger in der Politik und bei den Krankenkassen tun nichts, um diesen unwürdigen Zustand abzustellen. Viele Psychotherapiepatientinnen müssen tief in die Tasche greifen, um eine Psychotherapie finanzieren zu können, haben lange Wartezeiten für die unzureichenden "Krankenkassaplätze" oder haben überhaupt keinen Zugang zu einer notwendigen Psychotherapie. Wenn bei ÄrztInnen ein vertragsloser Zustand ist - siehe die derzeitige Situation bei der SVA -, dann ist Feuer am Dach und es herrscht bei den verantwortlichen Stellen Konsens darüber, dass dies unerträglich ist. Aber für die PsychotherapiepatientInnen fehlt dieses absolut wichtige Engagement....