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Psychotherapeuten

Erstgespräch mit Kontaktschwierigkeiten

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Konsument 6/2010 veröffentlicht: 20.05.2010, aktualisiert: 25.05.2010

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Ein Drittel der Kontakte nicht aktuell

In der Realität offenbart sich jedoch ein anderes Bild. Bei 27 von insgesamt 67 zufällig ausgewählten Praxen erwiesen sich die Angaben als nicht korrekt. Die telefonische Kontaktaufnahme scheiterte, weil die Therapeuten teilweise nicht mehr tätig sind oder sich etwa die Adresse geändert hat. Fehler die übrigens auch PsyOnline aufweist.

Für Patienten, die sich nach langem Zaudern dazu durchringen, mit einer Therapie zu beginnen, ist dies mehr als ärgerlich. Wenige Fehlversuche genügen unter Umständen bereits, damit die Motivation schwindet.

Weitere Anlaufschwierigkeiten

Doch selbst wenn die Praxen tatsächlich existieren und die Daten aktuell sind, bedeutet das keineswegs, dass es auch zu einer Terminvereinbarung kommt. Bei den Anrufen sahen sich unsere Testpersonen teilweise mit Anrufbeantwortern konfrontiert, auf denen keine Ansage zu hören war.

Dies animiert nicht nur Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation wenig, persönliche Angaben zu hinterlassen. Doch selbst wenn unsere Tester dies taten, mussten sie teilweise mehrere Tage auf einen Rückruf warten. Und hat man den Therapeuten schließlich am Telefon, erfährt man womöglich, dass er im Moment keine Termine vergibt.

Terminvereinbarung zum Erstgespräch

Immerhin gelang es uns schließlich, mit insgesamt 28 Therapeuten (23 in Wien und 5 in Tirol) ein sogenanntes Erstgespräch zu vereinbaren. Dieses geht üblicherweise der eigentlichen Therapie voran und dient dem gegenseitigen Kennenlernen und Abklären, ob ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden kann. Dabei sollte der Klient auch Informationen zum organi-satorischen Ablauf, zu den Kosten und zur Therapiedauer erhalten.

Die fachliche Qualifikation der Therapeuten ging bei unserem Test, der in Kooperation mit dem Hauptver-band der österreichischen Sozialversiche-rungsträger erfolgte, nicht in die Bewertung ein. Im Testszenario gab ein Proband an, unter Beziehungsproblemen zu leiden (Szenario 1). Der andere Tester führte eine mögliche Angststörung an ( Szenario 2).

Schwerpunkt bei der Aufklärung

Erwartet hätten wir, dass der Klient bereits bei der Terminvereinbarung, spätestens jedoch zu Beginn des Erstgespräches über Kosten und Dauer desselben informiert wird. Schwerpunkt unseres Tests war die Aufklärung über die Therapie.

Für den Erfolg ist es nämlich keineswegs unwichtig, inwieweit dem Klienten die Rahmenbedingungen (Einzel- oder Gruppentherapie, Anzahl und Dauer der Sitzungen pro Woche sowie die Position, in der die Behandlung erfolgt) und der Arbeitsstil des Therapeuten zusagen. Der Klient sollte deshalb über die Therapiemethode informiert werden.

Da lange Wartezeiten bei Therapeuten keine Seltenheit sind, ist es von Interesse, wann mit der Behandlung begonnen wird. Auch finanzielle Aspekte wie die Höhe des Honorars und die Zahlungsmodalitäten beeinflussen unter Umständen die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung. In diesem Zusammenhang sollte der Klient erfahren, unter welchen Voraussetzungen die Krankenkasse Therapiekosten übernimmt.

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Kommentare

  • Kein Gesamtvertrag ein Skandal
    von sapereaude am 07.06.2010 um 08:53
    Es ist ein Skandal, dass es seit fast zwei Jahrzehnten den gesetzlich vorgesehenen Gesamtvertrag für die psychotherapeutische Versorgung der Versicherten nicht gibt. Die Entscheidungsträger in der Politik und bei den Krankenkassen tun nichts, um diesen unwürdigen Zustand abzustellen. Viele Psychotherapiepatientinnen müssen tief in die Tasche greifen, um eine Psychotherapie finanzieren zu können, haben lange Wartezeiten für die unzureichenden "Krankenkassaplätze" oder haben überhaupt keinen Zugang zu einer notwendigen Psychotherapie. Wenn bei ÄrztInnen ein vertragsloser Zustand ist - siehe die derzeitige Situation bei der SVA -, dann ist Feuer am Dach und es herrscht bei den verantwortlichen Stellen Konsens darüber, dass dies unerträglich ist. Aber für die PsychotherapiepatientInnen fehlt dieses absolut wichtige Engagement....