KONSUMENT.AT - Psychotherapeuten - Testkriterien

Psychotherapeuten

Erstgespräch mit Kontaktschwierigkeiten

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Konsument 6/2010 veröffentlicht: 20.05.2010, aktualisiert: 25.05.2010

Inhalt

Testkriterien

Laut Gesetz (§14/1 Psychotherapiegesetz) sind Psychotherapeuten verpflichtet, dem Behandelten oder seinem gesetzlichen Vertreter alle Auskünfte über die Behandlung, insbesondere über Art, Umfang und Entgelt, zu erteilen. Ob die verpflichtende Auskunft schon beim Erstgespräch erfolgen muss, ist gesetzlich nicht geregelt und hängt auch mit der jeweiligen Situation zusammen, mit der der Therapeut konfrontiert wird.

  • Die mittels Zufallsgenerator ermittelten Therapeuten wurden von jeweils zwei Testkandidaten unabhängig voneinander telefonisch kontaktiert und ein Termin für ein Erstgespräch vereinbart.
  • Bei den Testern handelte es sich um eine Person mit einer beginnenden Angststörung und einer Person mit einem Beziehungsproblem. Die Patientengeschichten wurden in Zusammenarbeit mit einem klinischen- und einem Gesundheitspsychologen erarbeitet.
  • Unmittelbar nach Verlassen der Praxen wurde der Besuch mittels einem für alle Therapeuten einheitlichen Fragebogens dokumentiert.
  • Beide Testszenarien gingen zu je 50% in die Bewertung ein.

Folgende Testkriterien wurden zur Beurteilung herangezogen:

Anmeldung und Praxis - 10%

Es wurde erhoben, ob der Klient bereits am Telefon oder vor Ort über die Kosten und die Dauer des Erstgespräches informiert wurde. Für die Planung des zeitlichen Rahmen und ob Bargeld mitgenommen werden muss, ist es für den Konsumenten interessant zu wissen, mit welcher Honorarhöhe man rechen muss. Einige Therapeuten verlangen für ein Erstgespräch nichts, andere den normalen Stundensatz. Auch Sozialtarife sind je nach Lebensumstand möglich.

Im Berufskodex der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ist festgelegt, dass das Aushängen von Praxisschildern im Sinne der Offenlegung der Berufsberechtigung geboten ist und auf dem Schild die Berufsbezeichnung zu führen ist. Hinweise auf Zusatzbezeichnungen und die hauptsächlich praktizierten psychotherapeutischen Methoden dürfen angeführt werden.

Wir wollten daher wissen, ob ein Praxisschild vorhanden ist und darauf die Methode ersichtlich ist. Weiters wurde erhoben, ob die Tester den Eindruck haben, dass sich die Praxis in privaten Räumlichkeiten befindet und ob für die Klienten ein eigener Wartebereich für eventuelle Wartezeiten vorhanden ist.

Aufklärung – 85%

Der Entscheid für eine Therapie oder einer begleitender Unterstützung hängt von verschiedenen Faktoren ab. So sollte man darauf achten, ob einem die Therapiemethode, das Setting und der Arbeitsstil zu sagt oder wie lange man auf einen Therapieplatz warten muss. Der Therapeut sollte dies daher in einer für alle Klienten verständliche Weise erklären. Von Bedeutung sind zudem finanzielle Aspekte, die Sitzungsdauer und -häufigkeit, sowie die geschätzte Therapiedauer.

Von Interesse ist auch, ob die Möglichkeit eines Kostenzuschusses durch die Krankenkassen besteht oder ob es für das „vorhandene Problem“ nicht auch Kassenstellen gibt, die dann allerdings auch bei einem anderen Therapeuten frei sein könnten.

Wichtig ist es auch, vorab Regelungen zu Treffen, wie die Absage von vereinbarten Stunden gehandhabt wird. Dies trifft auch bei nur wenigen Sitzungen zu. Bei längerer Therapiedauer kann es zudem möglicherweise zu zulässigen Honorarerhöhungen kommen, auch sollte geklärt werden, wie im Urlaub und im Notfall vorgegangen wird.

Persönlicher Eindruck - 5%

Hier wollten wir wissen, ob der Therapeut dem Klienten problemlos eine Bedenkzeit einräumt und ob der Therapeut auf die Tester glaubwürdig und überzeugend wirkt.

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
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Kommentare

  • Kein Gesamtvertrag ein Skandal
    von sapereaude am 07.06.2010 um 08:53
    Es ist ein Skandal, dass es seit fast zwei Jahrzehnten den gesetzlich vorgesehenen Gesamtvertrag für die psychotherapeutische Versorgung der Versicherten nicht gibt. Die Entscheidungsträger in der Politik und bei den Krankenkassen tun nichts, um diesen unwürdigen Zustand abzustellen. Viele Psychotherapiepatientinnen müssen tief in die Tasche greifen, um eine Psychotherapie finanzieren zu können, haben lange Wartezeiten für die unzureichenden "Krankenkassaplätze" oder haben überhaupt keinen Zugang zu einer notwendigen Psychotherapie. Wenn bei ÄrztInnen ein vertragsloser Zustand ist - siehe die derzeitige Situation bei der SVA -, dann ist Feuer am Dach und es herrscht bei den verantwortlichen Stellen Konsens darüber, dass dies unerträglich ist. Aber für die PsychotherapiepatientInnen fehlt dieses absolut wichtige Engagement....