KONSUMENT.AT - Schlafstörungen - Der Weg ins Schlaflabor

Schlafstörungen

Wenn die Nacht zur Qual wird ...

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Konsument 1/2003 veröffentlicht: 16.12.2002

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Ein Fallbeispiel: Auch über 70 gibt es Stress, der zu Schlafproblemen führen kann.

Helga S. ist 71 Jahre alt und eine sehr agile, quirlige Person. Gibt es irgendwo etwas zu tun, so weiß sie meist bereits die Lösung, bevor andere auch nur das Problem wahrgenommen haben. Gepaart mit einer gehörigen Portion Ungeduld führt das dazu, dass sie die Sache dann üblicherweise auch gleich selber erledigt.  Als sie vor etwa zwanzig Jahren massive Schlafstörungen bekam, wusste sie auch da schon die Lösung: Das Arbeitspensum so weit wie möglich reduzieren, nicht mehr alles selber machen. Zwar wachte Frau S. immer noch mehrmals pro Nacht auf, aber sie lag wenigstens nicht mehr nächtelang wach. Den Weg ins Schlaflabor hätte sie vermutlich nie gefunden, wäre sie nicht eines Morgens mit schweren Sehstörungen aufgewacht. Aufgrund der Vorgeschichte und der Tatsache, dass er keine organische Ursache fand, riet der Augenarzt zum Besuch im Schlaflabor.

Nach einem ausführlichen Aufnahmegespräch kam Frau S. einige Wochen später gegen 19 Uhr ins Labor. Nun wurde sie an verschiedenste Messgeräte angeschlossen, welche die Hirnströme, Atmung, Sauerstoffsättigung, Augenbewegungen, Herzschlag, Muskelaktivitäten und Beinbewegungen aufzeichnen. In der ersten Nacht im Labor fand Frau S. vor Aufregung und aus Sorge um die vielen Kabel an ihrem Körper kaum Ruhe. Doch so geht es den meisten Patienten, und daher gilt die erste Nacht im Schlaflabor üblicherweise auch als Adaptionsnacht und wird in der Regel nicht bewertet.

„Restless Legs“

Am Morgen gab es dann Tests, die die Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit erhoben, Fragebögen über die subjektive Befindlichkeit waren auszufüllen. Tagsüber war frei, und am Abend hieß es wieder einrücken. Viel müder und weit weniger aufgeregt als am Vorabend, stellte sich der Schlaf bei Frau S. diesmal rasch ein. Die Messergebnisse zeigten, dass bei Frau S. mehrere Ursachen den Schlaf beeinträchtigten. Abgesehen vom Stress, den die Patientin schon selber als Schlafhindernis erkannt  hatte, wurden auch noch ungewöhnlich viele Beinbewegungen, das „Restless Legs Syndrome“ registriert. Diese zwanghaften Aktivitäten der Beine hatte Frau S. zwar im Wachzustand bisweilen wahrgenommen, im Theater etwa, nie jedoch im Schlaf.

Normalerweise dient die dritte Nacht im Schlaflabor dazu abzutesten, ob die Kranken auf das von den Ärzten gewählte Medikament ansprechen. Im Falle von Frau S. folgten jedoch noch zwei weitere Nächte. Eine, in der sie ein Mittel gegen die Beinbewegungen erhielt und eine, in der ihr medikamentös zu besserer Entspannung verholfen wurde. Da sie auf beide Mittel ansprach, bestätigte das auch die Diagnose der Ärzte. Wann sie welches Mittel nimmt, bleibt aber nun der Patientin überlassen, auch die Dosierung – unter Beachtung der Höchstmengen. Schließlich ist der Stress nicht jeden Tag gleich, und auch die Heftigkeit der Auswirkungen des „Restless Legs Syndrome“ hängt von einer Vielzahl subjektiv unterschiedlicher Faktoren ab.

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