Sportmedizinische Untersuchung

Riskante Lücken

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Konsument 11/2004 veröffentlicht: 13.10.2004

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Gelenke und Wirbelsäule vergessen

Stark vernachlässigt wurde der Bewegungsapparat. Ein ordnungsgemäßer Befund der Wirbelsäule wurde nur von 6 der 14 Anbieter erhoben, ein Befund für die Gelenke sogar nur in 3 Fällen. Die Muskelfunktionen wurden dreimal gar nicht geprüft, dreimal kam man zu einem falschen Ergebnis, und weitere dreimal beschränkte man sich auf eine Minimaluntersuchung (mit nur sehr wenigen Muskeln). Nur fünfmal wurden die Muskeln korrekt geprüft. Trainingsempfehlungen wurden zwar von allen Instituten erteilt, allerdings waren sie in zwei Fällen unbrauchbar und in vier Fällen zu ungenau.

Auch Ärzte sind nicht immer sattelfest

Insgesamt stellt das Ergebnis kein Ruhmesblatt für die Beteiligten dar. Es gab einen sozusagen logischen Sieger, das anerkannte Institut für Sportmedizin auf der Schmelz, ÖISM. Ein gutes Gesamtergebnis lieferte auch das IMSB (Institut für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung) in Maria Enzersdorf. Daneben reüssierten aber auch zwei Fitness-Studios: Manhattan und Holmes Place.

EKG und Blutdruck extra zahlen

Andererseits ist auch auf Ärzte nicht unbedingt Verlass. Dr. Hafner verzichtete bei einem Preis von 105 Euro auf Abhören, Blutdruckmessung (Ruhe und Belastung) und Belastungs-EKG und stellte dem Probanden frei, diese Untersuchungen „zuzukaufen“, obwohl ausdrücklich eine sportmedizinische Untersuchung gefordert worden war.

Bei Dr. Vedernjak wurde auf die Abfrage von Risikofaktoren vergessen und nur eine minimale Untersuchung des Bewegungsapparates durchgeführt. Außerdem waren die abgenommenen Laktatwerte für die Trainingsempfehlung nicht ausreichend.

Olympiastützpunkt Obertauern: eher bescheiden

Eher bescheiden fiel die Untersuchung auch bei dem so hoch gelobten ÖSV-Olympiastützpunkt Obertauern aus. Vor allem, wenn man das Preis-Leistungs-Verhältnis betrachtet. Verrechnet wurden uns dort 298 Euro (obwohl im Internet 289 Euro angegeben sind). So viel hat kein zweiter Anbieter auch nur annähernd verlangt. Das Institut, das sich rühmt, das Erfolgsgeheimnis des Schistars Hermann Maier zu hüten, und folgerichtig seine Untersuchungen schlicht „Herminator Check“ nennt, hat bei diesem Preis auf die medizinische Überprüfung des Bewegungsapparates nahezu vollständig vergessen. Mit einer solchen Trainingsgrundlage hätte wohl auch der Herminator wenig Grund zur Freude.

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